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Als Alarmismus – umgangssprachlich auch Panikmache – bezeichnet man eine unnötige oder übertriebene Warnung vor Problemen, wobei der Begriff in der Regel wertend gebraucht wird, d. h., dass die Warnungen und Ängste nicht geteilt bzw. für stark überzogen gehalten werden. Alarmismus ist dabei ein soziokulturelles Phänomen, bei dem Zukunftsängste epidemieartig in weiten Bevölkerungskreisen verbreitet werden, wobei diese Ängste aus einer bestimmten Interpretation von Gefahren entstehen, die durchaus reale Ursprünge aufweisen können. Diese Gefahren werden manchmal jedoch symbolisch überhöht und auf ein vereinfachtes, katastrophisches Modell reduziert, wobei das katastrophische Lebensgefühl auf dem psychologischen Angstlust-Effekt beruht. Dabei wird eine latente Weltuntergangsstimmung durch Analysen ins allgemeine Bewusstsein gehoben, denn der Alltag mit seinen tristen Problemen ist offenbar zu langweilig, während aber bevorstehenden Katastrophen hochinteressant scheinen.

Alarmismus ist ein Diskursmuster, das sich sowohl in der medialen Öffentlichkeit als auch in der wissenschaftlicher Debatte nachweisen lässt, und den Blick auf Möglichkeiten und Grenzen politischer Einflussnahme eher verstellt. So spielt der Alarmismus etwa bei der Klimadebatte oder der Covid19-Epidemie aktuell eine wichtige Rolle. So ist der Alarmismus bei der Klimadebatte alles andere als produktiv, da er zu Überforderungsgefühlen und nicht zum Handeln führt, denn je größer das Ungleichgewicht zwischen dem wahrgenommenem Risiko und den wahrgenommenen Handlungsmöglichkeiten erlebt wird, desto wahrscheinlicher sind Abwehrreaktionen wie Leugnen oder Wegschieben. Alarmismus ist daher häufig auch eine Abwehrreaktion auf die Unübersichtlichkeit der Sachlage, mit der versucht wird, instabile Situationen durch übertriebene Hektik und Betriebsamkeit zu lösen, und dadurch mindestens genauso gefährlich wie eine ignorante Trägheit, die vorhandene Probleme beschwichtigt und ein wohliges, aber irregeleitetes Gefühl von Sicherheit erzeugt. Der Umgang mit Komplexität gelingt erst dann, wenn Führungskräfte einen kühlen Kopf bewahren, einen Schritt zur Seite treten, das System aus der Distanz und von außen betrachten und andere Blickwinkel einnehmen. Auch dass manche Menschen eine regelrechte Klimaangst entwickeln, hängt wohl damit zusammen, dass sie die Risiken als übermächtig, die eigenen Handlungsmöglichkeiten aber als äußerst begrenzt wahrnehmen.

Der Begriff wird daher häufig im Zusammenhang mit Medienkritik, insbesondere an der Boulevardpresse verwendet, da in weit verbreiteten Medien aktuelle Ereignisse, politische Positionen oder allgemeine Trends als Warnungen vor unerwünschten zukünftigen Entwicklungen überzogen dargestellt waren, insbesondere werden auch minimale Veränderungen als dramatische gefährliche Entwicklungen ausgewiesen, die dringendes Handeln erfordern. Die Drastik der Darstellung deutet nicht selten auf eine Strategie der Dramatisierung möglicher gesellschaftlicher Entwicklungen hin.

Historisch betrachtet findet sich eine Reihe von Beispielen hysterischer Angstepidemien, etwa die die Wirkungen von DDT sowie die Folgen von dessen Verbot, das Waldsterben, AIDS-, Vogel- und Schweinegrippen-Epidemien, die globale Erwärmung, die Verbreitung von Elektrosmog, und ähnliches mehr. Die Dramatisierung von Hochrechnungen ist gelegentlich auch Grundlage politischen Handelns – politischer Alarmismus -, wobei sich diskursiv-kommunikative und politische Strategien zunehmend durchdringen.

Literatur

Auth, Diana & Holland-Cunz, Barbara (2006). Alarmismus und Aktionismus. Diskurs und Politik zum demografischen Wandel in Deutschland (S. 65-78). In NRW. Demografischer Wandel. Die Stadt, die Frauen, die Zukunft. Düsseldorf: Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen.
https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/leadership/kampf-dem-alarmismus/ (17-12-12)



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