Zum Inhalt springen

Der Begriff Serendipität (serendipity), auch Serendipity-Prinzip oder Serendipitätsprinzip, bezeichnet die zufällige Beobachtung von etwas ursprünglich nicht Gesuchtem, das sich als neue und überraschende Entdeckung erweist. Serendipität basiert dabei auf den Faktoren Bereitschaft (preparedness) und Beachtung (noticing), d.h., für den Zufalls bereit zu sein und diesen dann auch zu bemerken.

Die Auslöser für Entdeckungen sind meist eher unspektakulär, eine beiläufige Beobachtung oder eine kleine Anomalie, auf die eine Inkubation folgt, wobei diese Phase der meist unbewussten Verarbeitung schließlich zu einer neuen Erkenntnis führen kann. Die Phase der Inkubation im Rahmen der Kreativität ist bisher noch wenig erforscht, wobei in dieser Phase es scheinbar zu einem von emotionaler Entspannung begleiteten Vergessen des Problems kommt. Dabei vollzieht sich oft eine nicht in Sprache übersetztbare, sondern anschauliche oder symbolhafte Neuorganisation von Erfahrungen und Versuchen. Diese Inkubationsphase ereignet sich in Arealen des Gehirns, die als Default Mode Netzwerk oder Ruhezustandsnetzwerk bezeichnet werden, die dann besonders aktiv werden, wenn Menschen gar nichts tun, etwa sich entspannen oder auch Tagträumen. Expertise erleichtert allerdings den kreativen Denkprozess, denn so schalten etwa in der Improvisation geübte Musiker im Vergleich zu weniger geübten Musikern dabei Areale des Gehirns ab, die mit dem Überwachen von Handlungen zusammenhängen.

Viele wissenschaftliche Entdeckungen wie etwa die von Penicillin sind bekanntlich durch solche Zufälle zustande gekommen, denn Alexander Fleming hatte seine Staphylokokken-Kulturen offen im Labor stehen gelassen und als er zurückkam, entdeckte er, dass zufällig hineingeratene Schimmelpilze der Gattung Penicillium notatum die Bakterien getötet haben. Allerdings verbirgt sich hinter dem Serendipitätsprinzip mehr als nur reiner Zufall, denn es braucht auch Fleiß, Forschergeist und Freiraum, um dem Unerwartetem nachzugehen. Louis Pasteur sprach vom vorbereiteten Geist, der für unverhoffte Entdeckun­gen empfänglich sein muss. Pek Van Andel sammelte mehr als tausend Beispiele von der Entdeckung Amerikas bis zur Erfindung des WWW, denn diese belegen nicht nur, wie unvorhersehbar viele Entdeckungen waren, mit denen man oft zunächst nichts anzufangen wusste und nicht ahnte, welches Potenzial in diesen steckt.

Aus psychologischer Sicht ist das Prinzip der Serendipität mit dem inzidentellen Lernen verwandt.

Zum Begriff: Horace Walpole hat den Ausdruck Serendipität erstmals in einem Brief verwendet, in dem er erläutert, er habe ihn in Anlehnung an ein persisches Märchen mit dem englischen Titel „The Three Princes of Serendip“ geprägt, in dem drei Prinzen solche unerwarteten Entdeckungen machen. Die weltweite Verbreitung vor allem in wissenschaftlichen Kreisen geht auf Robert K. Merton zurück (The Travels and Adventures of Serendipity). Merton beschrieb darin Wissenschaft als ein System, das bedeutsame Zufälle provoziert, wobei dafür Experimentierfreude, genaue Beobachtung und die Bereitschaft verbunden sind, auch vermeintliche Fehlschläge als Entdeckung zu akzeptieren.

Literatur

Stangl, W. (2011). Stichwort: ‚inzidentelles Lernen‘. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
WWW: https://lexikon.stangl.eu/5079/inzidentelles-lernen (11-11-30)
Stangl, W. (2011). Stichwort: ‚Kreativität – Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik‘. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
WWW: https://lexikon.stangl.eu/542/kreativitaet (11-11-30)

 



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.