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Psychodermatologie

Psychodermatologie bezeichnet die Behandlung und die Untersuchung des Zusammenhangs von Hautkrankheiten mit psychologischen und psychiatrischen Techniken, die auf die Wechselwirkung zwischen psychischen Zuständen und Haut abzielen. Auch wenn es bisher keine überzeugende wissenschaftliche Unterstützung für diese Praxis gibt, mehren sich die Hinweise darauf, dass Verhaltenstherapien bei der Behandlung chronischer Hauterkrankungen wirksam sein können. Die Praxis der Psychodermatologie basiert auf dem komplexen Zusammenspiel zwischen neurologischen, immunologischen, kutanen und endokrinen Systemen (NICE-Netzwerk). Die Interaktion zwischen Nervensystem, Haut und Immunität wird dabei durch die Freisetzung von Mediatoren aus diesem Netzwerk erklärt, wobei im Verlauf verschiedener entzündlicher Hauterkrankungen und psychiatrischer Zustände das neuroendokrine, immunologische und kutane Netzwerk destabilisiert wird.

Hautkrankheiten wie Neurodermitis, Psoriasis, Akne, Herpes, Kontaktekzem und Nesselsucht werden dabei als psychosomatische Dermatosen bezeichnet, weil sie somatisch gegeben, aber psychisch beeinflussbar sind. Sie sind meist genetisch veranlagt, doch darüber, ob und wann die Krankheit ausbricht, wie sie sich manifestiert und wie lange sie andauert, entscheiden viele andere Faktoren mit, unter anderem Chemikalien, mechanische Hautreizungen und die Psyche.

Allerdings ist die Frage, ob psychische Probleme die Ursache oder die Folge von Hautkrankheiten sind, immer noch nicht wissenschaftlich eindeutig geklärt. Die Haut und das zentrale Nervensystem haben bekanntlich den gleichen entwicklungsgeschichtlichen Ursprung, denn beide bilden sich beim Menschen aus den gleichen Anlagen, wobei die Sprache des Organs Haut häufig nicht verstanden wird. In den vergangenen Jahrzehnten sind einige Hautkrankheiten wie Psoriasis und Neurodermitis bereits zu Volkskrankheiten geworden, wobei etwa acht Prozent der Bevölkerung darunter leiden und dies betrifft besonders bei Kindern etwa in Form von Allergien. Bereits jedes vierte Kind ist von Neurodermitis betroffen.

Die meisten psychosomatischen Dermatosen sind nicht heilbar, denn es wurde bis heute weder ein schulmedizinisches noch ein psychotherapeutisches Verfahren entdeckt, das zu vollständigen Remissionen geführt hat, wobei es dennoch sinnvoll ist, auch die psychische Seite von Hauterkrankungen zu berücksichtigen und zu behandeln. So zeigte sich in ihren experimentellen Untersuchungen, dass sich bei Neurodermitikern unter akutem Stress sowohl die Zahl der weißen Blutkörperchen (Lymphozyten) als auch die der Immunbotenstoffe (Zytokine), die für die Entzündungen bei dieser Hauterkrankung wesentlich verantwortlich sind, stark erhöht. Allerdings ist Stress ist nicht der einzige psychologische Faktor, der einen Einfluss auf Hauterkrankungen hat, sondern auch soziale Defizite, Depressionen und Ängste spielen eine bedeutende Rolle. So erleben Menschen, die Probleme damit haben, sich gegenüber anderen Menschen durchzusetzen oder unbeliebte Aufgaben abzulehnen, immer dann Krankheitsschübe, wenn eine solche Abgrenzung misslingt, wobei die auffälligen Entstellungen, die mit manchen Krankheiten einhergehen, für die Betroffenen eine große Belastung darstellen, sodass sich viele nicht mehr trauen, ihre Haut zu zeigen und ziehen sich sozial zurück.

Derzeit gibt es an den Universitäten noch keinen Lehrstuhl für Psychodermatologie, wobei die Thematik an Lehrstühlen für Psychosomatik der Haut oder psychosomatischer Medizin angehandelt wird.

Literatur

Gieler, U., Bosse, K.A. (1996). Seelische Faktoren bei Hautkrankheiten. Bern: Hans Huber.
Niepoth, L. ( 1998). Chronische Hauterkrankungen. Weinheim: Psychologie Verlags Union.
Stangier, U. (2002). Hautkrankheiten und Körperdysmorphe Störung. Göttingen: Hogrefe.



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