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Jedesmal, wenn ein Mensch lacht, fügt er seinem Leben ein paar Tage hinzu.
Curzio Malaparte

Jährlich wird am ersten Sonntag im Mai der Weltlachtag begangen,
wobei die Idee aus der Yoga-Lachbewegung stammt.

Das Lachen ist eine sehr alte Form der nonverbalen Kommunikation, denn Primaten und sogar Ratten lachen, denn Lachen hat ursprünglich vermutlich die Bedeutung eines Belohnungssignals, das die Bereitschaft von Eltern oder Geschwistertieren steigert, mit dem Nachwuchs zu spielen und damit auf spätere Aufgaben vorzubereiten. Lachen ist dabei ein soziales Signal, wobei neuere Arbeiten die Unterschiede zwischen spontanem und willentlichem Lachen hervorgehoben haben, die sich sowohl hinsichtlich der Produktionsmechanismen als auch der Wahrnehmungsmerkmale unterscheiden. Lachen kann auf verschiedene Weise soziale Bindungen stärken oder kooperative Absichten verdeutlichen, wobei die Grundmuster der nonverbalen Lautäußerungen universell sind, denn das Lachen ist von stoßartigen Lauten geprägt. Dabei unterscheidet man das spontane Lachen als eine reflexartige Reaktion etwa auf Witze, das von unkontrollierten akustischen Merkmalen geprägt ist, während das höfliche Lachen hingegen bewusst geäußert wird, denn es es wird durch eine gezielte Modulation der Stimme erzeugt, die das spontane Lachen in gewisser Weise imitiert. Durch dieses kommunikative Signal vermittelt man den Mitmenschen etwa höfliche Zustimmung oder zumindest Friedlichkeit und gute Laune.

Manche Experten vermuten, dass das menschliche Lachen deutlich vor der Sprache entstand, wobei vermutlich Primaten eine erste Version davon entwickelt haben, denn wenn sie in Gemeinschaft herumtoben, sich jagen und balgen, dann tun sie das mit geöffnetem Mund, ohne die Zähne zu zeigen. Dieses Spielgesicht soll signalisieren, dass das, was gerade getan wird, nicht böse gemeint ist, wobei das dazugehörige Glucksen und Hecheln dem menschlichen Lächeln und Lachen entspricht.

Menschen haben verschiedene Formen des Lachens entwickelt, hinter denen oft sehr komplexe Absichten stehen können, denn Lachen ist in der sozialen Interaktion ein sehr deutlich sichtbares Signal. Wenn man etwa freudig angelächelt wird, fühlt man sich aufgenommen, wenn man hingegen Opfer eines höhnischen Lachens wird, fühlt man sich z. B. aus einer Gruppe ausgeschlossen. Richtiges Lachen lässt sich bekanntlich nicht dem Willen unterwerfen, was also beim Lächeln, Kichern oder Grinsen vielleicht noch bis zu einem gewissen Grad möglich ist, ist befreit zu lachen nicht mehr willentlich kontrollierbar.

Nicht alle Arten des Lachens sind freundlich gemeint. So entsteht beim herzlichen Lachen eher ein Wohlgefühl, während etwa Angstgrinsen Unterwürfigkeit ausdrückt. Beim negativem Lachen, wenn Menschen ausgegrenzt, verhöhnt oder verspottet werden, geht es hingegen um Dominanz. Dabei werden bei den verschiedenen Formen des Lachens auch unterschiedliche Gehirnregionen aktiviert. Bei einem fröhlichen oder höhnischen Lachen werden jene Bereiche aktiviert, die eine Rolle dabei spielen, wenn man die Absichten eines anderen Menschen einschätzen will, wobei dann je nach vermuteter Intention des Lachenden jeweils unterschiedliche Verbindungen zu anderen Gehirnbereichen aktiviert werden. Das gemeinsame Lachen von zwei oder mehr Menschen ermöglicht es auch HörerInnen aus verschiedenen Kulturkreisen und Sprachen, die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe schnell zu bewerten.

Wie Vouloumanos & Bryant (2019) zeigten, reagieren schon Säuglinge empfindlich auf akustische Informationen beim gemeinsame Lachen zweier Menschen, und sie können Lachen zwischen Freunden und zwischen Fremden unterscheiden. Diese Fähigkeit, akustische Merkmale beim gemeinsamen Lachen von Menschen, das soziale Beziehungen zwischen Individuen aufdeckt, schnell zu bewerten, erscheint somit bereits sehr früh in der Kindheit des Menschen und könnte das Produkt eines adaptiven Zugehörigkeitserkennungssystems sein, das Sprachmitteilungen analysiert. Offenbar lernen Kinder schon im Alter von wenigen Monaten, subtile akustische Signale richtig zu deuten.

Michael Titze, der der sich intensiv mit dem Lachen beschäftigt hat, gibt eine „Anleitung zum Lachen“: „Weiten Sie die Nasenlöcher. Verengen Sie die Augen. Ziehen Sie die Mundwinkel nach oben. Beschleunigen Sie den Atemrhythmus. Pumpen Sie die Luft in kurzen Stößen in die Lunge, bis die Stimmbänder schwingen und ein Stakkato wiehernder oder gackernder Laute entsteht. Versetzen Sie nun auch noch das Zwerchfell in Schwingung. Achten Sie darauf, dass es Leber, Galle, Milz sowie den Magen-Darmbereich gründlich durchknetet. Wenn Sie jetzt noch dafür sorgen, dass der Augenmuskel das Gehirn veranlasst, Glückshormone auszuschütten, ist es geschafft: Sie sind glücklich vernebelt, alles in Ihnen zieht, zerrt, stößt und schwingt, Sie lachen aus vollem Halse, kriegen sich nicht mehr ein.“


KamiloÄlu et al. (2022) haben nun in einer Studie an Niederländern und Japanern die Fähigkeit der Hörer überprüft, ob aus spontanem und willentlichem Lachen auf die Gruppenidentität zu schließen ist bzw. auch die Positivität dieser Lacher in verschiedenen Kulturen wahrgenommen werden kann. Anhand kurzer Hörbeispiele sollten Probanden beider Kulturkreise erkennen, ob eine lachende Person aus ihrer eigenen oder einer anderen kulturellen Gruppe stammt bzw. ob es sich um spontanes oder um das bewusst-höfliche Lachen handelt. In etwa sechzig Prozent der Fälle konnten die Probanden die Gruppenzugehörigkeit richtig bewerten, wobei sie mit 75 Prozent auch bei der Beurteilung richtig lagen, ob es sich um ein spontanes oder aber höfliches Lachen handelt. Auf die Fähigkeit zur kulturellen Zuordnung wirkte sich dies aber nicht aus, denn offenbar konnten die Probanden in beiden Arten des Lachens gleich gut Spuren der Gruppenzugehörigkeit erkennen. Auch wurde neuerlich belegt, dass spontanes Lachen in beiden Kulturen positiver bewertet wird als höfliches Lachen. Diese Ergebnisse zeigen, dass das Lachen als reichhaltiges stimmliches Signal von Menschen verwendet wird, um Rückschlüsse auf andere Menschen zu ziehen, und zwar von ihren sozialen Beziehungen bis hin zu ihrer Identität.

Literatur

Kamiloglu, Roza G., Tanaka, Akihiro, Scott, Sophie K. & Sauter, Disa A. (2022). Perception of group membership from spontaneous and volitional laughter. Philosophical Transactions of the Royal Society B: Biological Sciences, 377, doi:10.1098/rstb.2020.0404.
Stangl, W. (2001). Lächeln & Lachen. [werner stangl]s arbeitsblätter.
WWW: https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/KOMMUNIKATION/Lachen-Laecheln.shtml (01-04-30).
Vouloumanos, Athena & Bryant, Gregory A. (2019). Five-month-old infants detect affiliation in colaughter. Scientific Reports, 9, doi:10.1038/s41598-019-38954-4.
Frankfurter Rundschau vom 30. April 2021



Ein Gedanke zu „Lachen“

  1. Alexander Lerchl, Jacobs Universität Bremen

    Alexander Lerchl, Jacobs Universität Bremen, begründet in einem Interview, warum Lachen gesund ist, denn dadurch kommen Menschen in eine positive Grundstimmung und damit negative Gedanken loswerden kann. Wenn man oft mit anderen Menschen lacht, ist das auch gut für sozialen Bindungen. Im Körper wird, wenn man lacht, die Sauerstoffversorgung verbessert, da man schneller und tiefer atmet, da man mehrere Muskeln beansprucht, die man zum Atmen benötiget, teilweise so sehr, dass man am nächsten Tag Muskelkater haben kann. Es gibt auch Fälle, in denen man so sehr lacht, dass die Tränen fließen, das sind keine Trauertränen sondern Lachtränen. Durch das Lachen werden interessanterweise Stresshormone abgebaut, ein gut messbarer Effekt, der nachhaltige Folgen hat, denn die psychische Situation eines Menschen bessert sich auch nachhaltig und ganz deutlich. Man kann nach Meinung von Lerchl auch trainieren, mehr zu lachen, etwa durch das Lesen von lustigen Büchern oder durch das Anschauen von lustigen Filmen. Das funktioniert, auch wenn man die Filme schon häufig gesehen hat. Besonders effektiv ist Lachen mit Freunden. Es gibt tatsächlich so etwas wie Lachschulen und das Lach-Yoga, das in letzter Zeit in Mode gekommen ist.

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