Der Niesreflex ist ein Fremdreflex des Menschen, der durch mechanische oder chemische Reizung der Nasenschleimhaut ausgelöst werden kann. Er zählt zu den Schutzreflexen und dient der Reinigung der oberen Atemwege, während der Hustenreflex die unteren Atemwege reinigt. Niesen ist aber auch ein wichtiger Atemwegsreflex, der oft auch mit allergischer Rhinitis und viralen Atemwegsinfektionen einhergeht, dennoch ist sein neuronaler Schaltkreis jedoch noch weitgehend unbekannt. Der Niesreflex ist insofern für die Gesundheit bedeutsam, als er schädliche Umweltreizstoffe und Krankheitserreger aus den Atemwegen entfernt, wobei ein einziger Nieser bis zu vierzigtausend virushaltige Tröpfchen erzeugen kann, die danach einen Radius von sieben bis acht Metern erreichen und bis zu zehn Minuten in der Luft schweben. Im Gegensatz dazu erzeugt ein Husten nur ungefähr dreitausend Tröpfchen, also genauso viel, wie wenn man fünf Minuten lang spricht. Dadurch ist Niesen einer der wichtigsten Wege, auf dem sich Krankheitserreger ausbreiten können.

Sowohl im Katzen- als auch im menschlichen Hirnstamm wurde eine niesauslösende Region entdeckt, die anatomisch der zentralen Empfängerzone der nasalen sensorischen Neuronen entspricht. Li et al. (2021) haben nun an Mäusen untersucht, was das Niesen auslöst und wie sich dieser Reflex womöglich unterbinden lässt. Dazu setzte man die Mäuse winzigen in der Luft verteilten Tröpfchen aus, die entweder den allergievermittelnden Botenstoff Histamin enthielten oder Capsaicin, eine scharfe Verbindung aus Chilischoten, wobei beides bei den Mäusen einen Niesreiz auslöste, wie er auch bei Menschen auftritt. Dabei entdeckte man, dass der Neurotransmitter Neuromedin B essentiell für die Signalisierung des Niesens ist, denn eine Ablation von dafür sensitiven postsynaptischen Neuronen in der niesauslösenden Region oder ein Mangel an entsprechenden Rezeptoren führte zur Reduktion bzw. Aufhebung des Niesreflexes. Das bedeutet, dass ein Mangel an diesem Botenstoff dazu führt, dass die Tiere in Reaktion auf Capsaicin und Histamin deutlich weniger niesten, während bei einer direkten Aussetzung der entsprechenden Nervenzellen in ihrem Gehirn das Niesen gefördert wurde. Bemerkenswert war allerdings, dass sich kein Zielneuron in einer der bekannten Regionen des Hirnstamms befand, die mit der Atmung verbunden sind, d. h., man kann also die Nies-Neuronen dazu anleiten, dass sie das Niesen unterdrücken, ohne dabei aber das Atmen zu beeinflussen.

Siehe dazu auch photischer Niesreflex.

Literatur

Li, Fengxian, Jiang, Haowu, Shen, Xiaolei, Yang, Weishan, Guo, Changxiong, Wang, Zhiyao, Xiao, Maolei, Cui, Lian, Luo, Wenqin, Kim, Brian S., Chen, Zhoufeng, Huang, Andrew J.W. & Liu, Qin (2021). Sneezing reflex is mediated by a peptidergic pathway from nose to brainstem. Cell, doi:10.1016/j.cell.2021.05.017.


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