Jevons Paradoxon

    Jevons-Paradoxon kommt ursprünglich aus der Ökonomie und besagt, dass eine dank des technischen Fortschritts effizientere Nutzung eines Rohstoffes letztlich zu einer erhöhten Nutzung dieses Rohstoffes führt, anstatt den Verbrauch langfristig zu senken. In der Umweltpsychologie wird dabei auch von einem Rebound-Effekt oder Bumerangeffekt gesprochen, und beschreiben die Kompensation von Einsparungen bezüglich Energie, Geld oder Zeit durch zusätzlichen Konsum. Rebound-Effekte über 100% werden auch als backfire bezeichnet. Zu führt etwa auch die Einführung energiesparender Haushaltsgeräte langfristig betrachtet zu mehr Energieverbrauch. Im Zeitraum zwischen 1992 und 2005 sind etwa Waschmaschinen um über ein Drittel sparsamer geworden, dennoch stieg der Stromverbrauch in privaten Haushalten zwischen 1990 und 2007 um 20,3 Prozent an, unter anderem deshalb, weil immer mehr und immer größere Elektrogeräte angeschafft wurden. Wenn Effizienzsteigerungen die Optimierung ökonomischer und sozialer Prozesse ermöglichen, so spricht man von einem strukturellen Rebound-Effekt, wobei neben den Ressourcen Energie und Kapital auch der Faktor Zeit ein wichtiges Element darstellen kann.

    Die psychologische Forschung konzentriert sich vorwiegend auf direkte Rebound-Effekt in den Bereichen Raumtemperierung und Verkehr, wobei diese demnach u. a. vom Grad der bereits erzielten Befriedigung relevanter Bedürfnisse sowie von den wahrgenommenen Einsparungen bzw. den dadurch bewirkten Veränderungen von Einstellung und Normen abhängig sind. Zudem können Einsparungen zu höherer wahrgenommener Verhaltenskontrolle und so zu tendenziell größeren Rebound-Effekten führen.

    Dem Mathematiker William Stanley Jevons fiel auf, dass die Effizienzsteigerung der Dampfmaschine zwar pro Leistungseinheit immer weniger Kohle nötig machte, dadurch aber immer mehr Maschinen preisgünstiger gebaut werden konnten und somit der Kohleverbrauch insgesamt anstieg, was wieder effektivere Fördermethoden und sinkende Energiepreise zur Folge hatte. Mehr Profit führte zu höheren Löhnen, die die industrielle Konjunktur antrieben. Die Zahl der Arbeitsplätze und die Einkommen stiegen, was immer mehr Menschen vom Land in die Städte lockte, was einen ressourcenzehrenden Bauboom auslöste und zur bodenvernichtenden Industrialisierung der Landwirtschaft führte und den Verbrauch von noch mehr Kohle bewirkte. Wird also der Beobachtungszeitraum lang genug gewählt, so zeigt sich, dass Jevons’ fatales Paradoxon in jedem Bereich der Wirtschaft gilt.

    Literatur

    https://lesen.oya-online.de/texte/1186-jevons-paradoxon.html (20-06-14)
    https://dorsch.hogrefe.com/stichwort/rebound-effekte


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