Selbstheilungsversuch

    Unter einem Selbstheilungsversuch versteht man in der Psychologie die Entwicklung eines Verhaltens oder einer spontanen Reaktion auf eine Belastungssituation, die ihrerseits selber krankheitswertig sein kann bzw. krankheitswertiges Verhalten noch verstärkt. Zahlreiche Symptome nach Traumatisierungen wie Intrusion, Konstriktion oder vegetative Übererregung stellen einen Selbstheilungsversuch der Psyche dar, bei dem durch ein Pendeln zwischen Konfrontation und Konstriktion versucht wird, das Trauma aufzulösen. Auf den ersten Blick können Traumasymptome ausschließlich unangenehme und beängstigende Erscheinungen darstellen, doch sind sie jedoch nicht nur ein Zeichen für Krankheit sondern auch eines für den Versuch der Selbstheilung.

    So ist häufig übermässiger Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenkonsum teilweise auch ein Selbstheilungsversuch, um mit Depressionen oder Ängsten umzugehen, doch mittelfristig verstärkt starker Konsum die psychischen Symptome.

    Gewalt, sexueller Missbrauch, Trennung, Krankheit, Tod, Mobbing, Krieg, Terror, Folter, Exil oder Naturkatastrophen können bei Kindern ein Trauma auslösen, wobei deren Hilflosigkeit Panik, Angst und Wut erzeugt bzw. Kontrolle und Sicherheit verloren gehen. Alpträume, Panikattacken, emotionale Empfindungslosigkeit, Alkohol- und Medikamentenmissbrauch, übersteigerte Wachsamkeit, Konzentrations- und Schlafstörungen, Beklemmungen, Erinnerungslücken oder Atemnot sind dabei natürliche Reaktionen auf extremen Belastungen. Solche Reaktionen sind als Selbstheilungsversuche des Kindes eine Form des Selbstschutzes, zu dem es keine Alternative gibt, etwa das extreme Vermeiden des Erlebten, Täuschungsverhalten wie hyperbraves Verhalten, aggressives Verhalten oder auffälliges Spiel.

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