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Social distancing


Social distancing bzw. räumliche Distanzierung, räumliche Trennung oder physische Distanzierung,ist nicht zu verwechseln mit dem Konzept der sozialen Distanz in der Psychologie, die die subjektiv erlebte Entfernung zu einer Person oder Gruppe bezeichnet. Social distancing bedeutet hingegen eine Reihe von nicht-pharmazeutischen Maßnahmen zur Infektionskontrolle, die die Ausbreitung einer ansteckenden Krankheit stoppen oder verlangsamen sollen. Die Maßnahmen bezwecken, den Kontakt zwischen Menschen zu verringern und so die Anzahl von Infektionen, etwa durch Tröpfcheninfektionen, zu verringern. Dabei geht es nicht um eine soziale Isolation von Individuen, sondern um die räumliche Distanzierung von möglicherweise infizierten zu nicht infizierten Menschen.

Social distancing über einen längeren Zeitraum bringt eine Belastungssituation mit sich, die sich bei nicht wenigen Menschen auch auf die Psyche auswirkt. Das größte Problem besteht oft darin, dass man nicht weiß, wie lange man sozial distanziert leben muss, denn soziale Distanzierung beschneidet zahlreiche menschliche Grundbedürfnisse. Menschen als soziale Wesen benötigen Kontakt,  brauchen Beziehungen und das Gefühl eingebunden zu sein in eine Gemeinschaft. Ist der Zeitraum klar umrissen, kann man sich darauf einstellen, doch Unsicherheit über die Dauer einer solchen Phase ist extrem unangenehm und daher ein Zustand, den man meiden und reduzieren möchte. Aus Sicht der Psychologie ist es daher wichtig zu lernen, mit Ungewissheit zu leben, statt nach Sicherheiten zu suchen, die es in manchen Fällen etwa in Bezug auf Epidemien oder Pandemien nicht gibt.

Da Menschen in Krisensituationen wie einer zwangsweisen Quarantäne einerseits viele Informationen verarbeiten und gleichzeitig ihre Emotionen regulieren müssen, kann das bei manchen zu psychischen Belastungen führen, im Extremfalls sogar zu Stress. Zwar ist Information in einer solchen Zwangslage ein Schlüsselbedürfnis, denn Menschen in Quarantäne wollen ihre Situation verstehen können, doch andererseits kann eine Fülle an Informationen den Einzelnen überfordern und Angst erzeugen. Daher sind längere Phasen des social distancing mit zahlreichen Nebenwirkungen verbunden, die von posttraumatischen Belastungsstörungen und Depressionen über akute Erschöpfungszustände, emotionale Instabilität, verringerte Konzentrationsfähigkeit, bis hin zu Angst und Schlaflosigkeit reichen können. Nicht zuletzt können Menschen durch inadäquate Kompensationsmuster, die sie während einer solchen Krise entwickeln, wie Alkoholkonsum oder andere Substanzen langfristig Schaden nehmen.

Wichtig ist für die Betroffenen ist es, mit Menschen, Freunden oder der Familie über technische Hilfsmittel oder Briefe in Kontakt zu bleiben, denn das lenkt ab, wobei Ablenkung eines der wichtigsten Mittel darstellt, gedanklich nicht ständig um die eigene Situation kreisen zu müssen. Dabei sollte man allerdings sensibel sein für die Gereiztheit der anderen, die ja nur ein Ausdruck für Sorgen und Ängste ist. Eingeschränkte Bewegungsfreiheit oder soziale Isolation belasten besonders dann, wenn solche Maßnahmen unfreiwillig sind, doch nur wer zu dem Schluss kommt, dass diese Maßnahmen im eigenen Interesse und im Interesse einer Gemeinschaft als Ganzes passieren, wird das als nicht so belastend empfinden. Wenn man daher eine solche Situation als kontrollierbar und vorhersehbar erlebt, dann macht sie weniger Probleme als wenn man nicht versteht, was los ist, und es nichts gibt, was man in diser Lage tun kann.

Eine durch medizinische oder andere Erfordernisse angeordnete räumliche Distanzierung unterscheidet sich dabei grundlegend von Fernbeziehungen, bei denen es sich um eine Partnerschaft von Menschen handelt, deren räumliche Lebensmittelpunkte nicht gleich beziehungsweise in unmittelbarer Nähe zueinander sind. Hierbei ergibt sich die Problematik, dass die zur Aufrechterhaltung einer Beziehung typischen Merkmale des Austauschs von Erlebnissen, Erfahrungen und Gefühlen für bestimmte Zeiträume erschwert möglich sind. Durch die Ausbreitung des Internets und seiner globalen Kommunikationsmöglichkeiten entstehen übrigens immer mehr Fernbeziehungen, in denen die Partner so weit voneinander entfernt wohnen, dass sich deren gemeinsame Zeit auf wenige Tage pro Jahr reduziert.

Literatur

Stangl, W. (2018). Stichwort: ‘soziale Distanz’. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
WWW: https://lexikon.stangl.eu/6725/soziale-distanz/ (18-04-04)
https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%A4umliche_Distanzierung (18-04-04)


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