Als Schadenfreude wird die Freude eines Menschen über das Missgeschick oder Unglück eines anderen Menschen bezeichnet, wobei sich diese Schadenfreude versteckt als heimliche Schadenfreude oder als offene Schadenfreude in Form von Hohn, Spott, Ironie, Häme oder Sarkasmus zeigen kann. Nach Schopenhauer handelt es dich dabei um einen der schlechtesten Züge in der menschlichen Natur, da sie der Grausamkeit verwandt ist, d. h., Schadenfreude ist für ihn ein „teuflisches Gefühl, ihr Hohn das Gelächter der Hölle“. Dabei spielt auch die persönliche Abneigung gegenüber der betreffenden Person eine Rolle, , denn wenn persönliche Antipathien statt bloßem Neid im Spiel sind, wird das Unglück des anderen oft auch als verdient wahrgenommen. Das gilt übrigens nicht nur für Einzelpersonen sondern für ganze Gruppen, angefangen von Fangemeinden bis zu ganzen Nationen, etwa im Bereich des Sports.
Der Begriff „Schadenfreude“ ist übrigens ein deutsches Kompositum, das weltweit verstanden wird – sogar im Englischen gibt es keinen treffenderen Begriff. Verwandte Begriffe sind Missgunst, Häme oder Genugtuung, die aber jeweils andere Nuancen tragen. Im psychologischen Fachjargon spricht man auch von einer komplexen sozialen Sekundäremotion oder auch von einer „malicious joy“ – bösartiger Freude –, wie sie in der englischsprachigen Forschung bezeichnet wird.
Offensichtlich erfreut einige Menschen das Unglück anderer genauso wie ein eigener Erfolg, d. h., Schadenfreude verstärkt Menschen, auch wenn sie dabei gar keine direkte Belohnung erhalten. Schadenfreude wirkt vermutlich für manche psychisch entlastend, da es bei ihr zu einer Aufwertung des Selbst kommt. Offenbar geht es Menschen dabei um eine Form der sozialen Regulation, da das Missgeschick den vermeintlichen Überlegenen in ihren Augen wieder auf sein menschliches Maß zurechtstutzt. Diese Funktion war früher in der Form des Hofnarren oder Clowns institutionalisiert, und lebt heute in manchen Formen des Karnevals oder Kabaretts fort.
Schadenfreude scheintnach Untersuchungen auch nicht angeboren zu sein, sondern entwickelt sich erst dann, wenn Kinder sich als Teil einer Gruppe empfinden, in der es um Status und Positionen geht. Immer dann, wenn Menschen miteinander konkurrieren, ist offenbar die Freude über das Missgeschick anderer aus Sicht der Psychologie nicht weit.
Die Urszene des Unverständnisses gegenüber Expertenwissen und Expertise findet sich in der Geschichte des Thales von Milet, der bei seinen astronomischen Studien, fokussiert auf den Nachthimmel, scheinbar in einen Brunnen stürzte. Eine zufällig anwesende Magd begann dabei zu lachen, was als Archetypus der Schadenfreude gelten könnte.
Historische Korrektur: Thales von Milet war einer von den Sieben Weisen der Antike und Begründern der Philosophie, die sich durch ihre Lebensweisheiten und ihre politische Führungskraft einen Namen machten. Bekannt ist sein Ausspruch „Erkenne dich selbst“, der in griechischer Schrift auf dem Eingangsportal des Orakels von Delphi steht. Für Aristoteles hatte Thales eine Art Vaterrolle für die historische Entwicklung der Philosophie. In Verbindung mit Thales wird von Platon eben die Anekdote überliefert, die gern als Einstieg in den Philosophieunterricht über die Antike verwendet wird: In Gedanken vertieft soll Thales einst von einer Magd beobachtet worden sein, als er in einen Brunnen fiel. „Typisch Philosophen“, meint die Magd darauf, „wollen die Weisheit mit Händen greifen, aber begreifen nicht einmal, was vor ihren Füßen abläuft“. Allerdings fiel Thales nicht in den Brunnen, sondern er stieg hinunter, um einen besseren Ausblick auf die Sterne zu haben.
Literatur
https://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article5393400/Warum-der-Mensch-zur-Schadenfreude-neigt.html (10-09-11)
http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/INTERNET/ARBEITSBLAETTERORD/PHILOSOPHIEORD/vorsokratiker.html (01-11-12)
Das Phänomen, Freude über das Missgeschick oder das Scheitern anderer Personen zu empfinden, ist wohl eine weit verbreitete und tief in der menschlichen Psyche verankerte emotionale Reaktion. Obwohl dieses Gefühl gesellschaftlich oft tabuisiert und von den Betroffenen nur ungern eingestanden wird, weisen psychologische Erkenntnisse darauf hin, dass es sich hierbei um eine komplexe soziale Sekundäremotion handelt. Diese emotionale Regung, die international oft mit einem spezifischen Begriff für die Freude am Schaden anderer bezeichnet wird, steht in engem Zusammenhang mit der Regulierung des eigenen Selbstwertgefühls und fungiert in sozialen Vergleichssituationen häufig als unbewusster Schutzmechanismus. Wenn Individuen mit den Unzulänglichkeiten oder Rückschlägen ihrer Mitmenschen konfrontiert werden, kann dies eine kurzzeitige innere Genugtuung auslösen, die jedoch keineswegs auf eine grundsätzlich böswillige Absicht oder einen moralisch mangelhaften Charakter hindeutet. Vielmehr handelt es sich um einen normalen psychologischen Prozess, der sich von destruktiveren Haltungen wie dauerhafter Missgunst oder aktiver Häme abgrenzen lässt. Da diese Empfindung primär als emotionaler Ausgleich und zur Stabilisierung des eigenen Egos dient, ist sie als ein zutiefst menschlicher und nachvollziehbarer Aspekt der sozialen Interaktion zu bewerten, der die moralische Integrität des Einzelnen nicht infrage stellt.