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Neid

Der Neid ist eine menschliche Emotion, die sich inhaltlich auf Besitz, Eigenschaften oder auf etwas beziehen kann, was einen anderen in seiner Individualität auszeichnet. In Studien hatte sich gezeigt, dass es zwei Arten von Neid gibt: Zum einen kann Neid auf die Leistungen einer anderen Person dazu anspornen, sich selbst zu verbessern, in diesem Fall handelt es sich um eine Art konstruktiven Neid. Andererseits kann die Eifersucht dazu führen, die Leistungen des Besseren zu schmälern und ihn niedermachen zu wollen, d. h., der Neid ist hier also destruktiv.
Der Psychoanalytiker Günter Seidler hat sich sehr eingehend mit der Verbindung von Neid und Scham beschäftigt und unterscheidet im Prozess den Neider als Neidsubjekt, den Beneideten als Neidobjekt und den Inhalt des Neides als Neidgegenstand, während er als Neidziel als das Gefühl beschreibt, das erstrebte Gut zu besitzen, da es zusteht und man damit machen kann, was man will. Sigmund Freud spricht dem Neid keine Motivationskraft in der Entstehung neurotischer Störungen zu, während Melanie Klein den Neidgefühlen beim Kleinkind eine herausragende Bedeutung zuweist. Darauf bezieht sich auch Kernberg, wenn er die zentrale des Neides bei der Entstehung und Dynamik der narzisstischen Störung betont, denn der abgewehrte Neid stellt eine zentrale Komponente einer narzisstischen Störung dar. Um einem unangenehmen Gefühl wie Neid zu entgehen, stellt sich als Abwehr eine Form der Idealisierung ein. Grund dafür ist meist ein tiefsitzender Minderwertigkeitskomplex, der auf persönlichen Vorstellungen gegenüber Teilen der eigenen Person beruht, die von Gefühlen starker Unzufriedenheit und Selbsthass begleitet werden.

Neid ist somit auch ein Affekt, der eine Beziehung zur Scham aufweist, wobei der Neid etwas anderes ist als der Wunsch nach Gerechtigkeit, sondern er kann sogar das Gerechtigkeitsgefühl verletzen. Neid ist ein durchaus normales Gefühl in einer Gesellschaft, in der Güter und Lebenschancen ungleich verteilt sind. Wer seinen eigenen Wert kennt, der fragt sich: Warum hat der andere, was ich nicht habe? Es sind gerade die Menschen mit geringem Selbstwertgefühl, die den Neid in sich unterdrücken. Sie meinen, andere hätten Erfolg und Besitz eher verdient, seien besser und müssten deswegen vom Leben bevorzugt werden. Wer ehrgeizig ist, wer was will, wer im Leben steht und nach vorne drängt, der ist in aller Regel auch neidisch und will andere neidisch machen. Neid ist daher auch ein Vergleichsaffekt, bei dem man sich in Relation zu anderen setzt.

Interessanterweise fehlt in den meisten Modellen der primären Emotionen der Neid, der wohl zu den vielschichtigsten und auch den am meisten geleugneten Affekten zählt und daher in den seltensten Fällen offen geäußert wird – auch in der psychologischen Literatur 😉

Das salomonische Urteil ist ein gutes Beispiel für Neid, denn zwei Mütter behaupten vor König Salomon, das lebende Kind wäre das ihrige. Für den Monarchen gibt es nur einen Weg, herauszufinden, welche der Frauen lügt: Er befiehlt, das Kind mit einem Schwert zu teilen. Während die wahre, liebende Mutter ihren Sohn freiwillig der Mitstreiterin überlassen würde, ist letztere so von Missgunst zerfressen, dass sie auch dieses Kind hätte sterben lassen.

In der Farbpsychologie wird übrigens dem Neid die Farbe Gelb zugeordnet.

Literatur

Stangl, W. (2011). Was ist Neid?. Werner Stangls Arbeitsblätter-News.
WWW: https://arbeitsblaetter-news.stangl-taller.at/was-ist-neid/ (2011-05-15).
Stangl, W. (2012). Emotion Psychologische Erklärungsmodelle und Theorien. [werner stangl]s arbeitsblätter.
WWW: https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/EMOTION/Emotion.shtml (2012-05-15).


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