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Negativitätsbias


Der Negativitätsbias (Negativity Bias), auch Negativitätseffekt, beschreibt das sozialpsychologische Phänomen, dass sich negative Gedanken, Gefühle oder Erlebnisse psychisch stärker als neutrale oder positive auswirken, auch wenn diese in gleicher Intensität auftreten. Ein Negativitätsbias bezieht sich somit auf die innere Einstellung, in den meisten Situationen die Aufmerksamkeit eher auf die negativ erscheinenden und negativ bewertete Faktoren zu richten, während positive nicht oder nur sehr eingeschränkt wahrgenommen werden.

Der Negativity Bias, auch Negativitätseffekt, verweist auf die Vorstellung, dass selbst bei gleicher Intensität Dinge negativer Natur wie unangenehme Gedanken, Emotionen oder soziale Interaktionen, aber auch schädliche bzw. traumatische Ereignisse einen größeren Einfluss auf den psychischen Zustand und die Denkprozesse besitzen als neutrale oder positive Dinge. Daher hat in der Regel etwas sehr Positives weniger Einfluss auf das Verhalten und die Kognition eines Menschen als etwas ebenso Emotionales dafür aber Negatives. Diese Negativitätsverzerrung wurde in vielen Bereichen untersucht, etwa im Zusammenhang mit Aufmerksamkeit, Lernen und Gedächtnis sowie Risikoüberlegungen und Entscheidungsfindungen. Forschungsergebnisse der Kognitionspsychologie zeigen deutlich, dass menschliches Schließen für eine optimale Lösung nicht nur mit Hilfe rationaler Mechanismen erfolgt, vielmehr spielen auch jene Teile des Gehirns, die für Emotionen zuständig sind, eine wichtige Rolle. Und das vor allem dann, wenn schnelle und dennoch optimale Entscheidungen gefällt werden müssen.

Der Negativitätsbias führt vor allem bei sozial ängstlichen Menschen dazu, dass sie etwa Erfolge eher extern attribuieren, ihre Aufmerksamkeit auf vermeintliche eigene Mängel zentrieren, negative Reaktionen ihrer Interaktionspartner selbst dann erwarten, wenn sie sich angemessen verhalten. Im übrigen schätzen sie sich weniger attraktiv ein als Nicht-Ängstliche, überschätzen die Sichtbarkeit ihrer Angst und unterschätzen ihre Leistungen in sozialen Bewertungssituationen im Vergleich zum Fremdurteil.

Das führt auch zu einer Prävalenz für negative Nachrichteninhalte. Soroka et al. (2019) haben die physiologischen Reaktionen (Puls und Hautleitfähigkeit) auf zufällig ausgewählte TV-Nachrichten der BBC in den verschiedensten Ländern gemessen, wobei die schlechten Nachrichten deutlich mehr Körperreaktionen auslösten. Doch gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Ländern, denn etwa in Brasilien, Ghana und den USA ist die Erregung bei schlechten Nachrichten besonders deutlich ausgeprägt, in Italien und Schweden ist diese viel geringer. Dieses Prinzip wird vor allem von Boulevardmedien genutzt.

Dieser Negativitätsbias war vor tausenden von Jahren überlebenswichtig, denn für diese Menschen war es damals wichtig, sich zu merken, welche Früchte schwer verdaulich oder sogar giftig waren, wo Bären hausten oder Raubtiere auf Jagd gingen. Aus diesem Grund wurden alle Erfahrungen und Sinneseindrücke genauestens analysiert und für die Zukunft gespeichert.

Vermutlich liegt es auch an diesem evolutionären Erbteil, dass auch heute noch Menschen in ihrer Erinnerung an negativen Erinnerungen kleben bleiben, auch wenn dies manchmal die Menschen eher behindert.

Literatur

Rozin, Paul & Royzman, Edward B. (2001). Negativity bias, negativity dominance, and contagion. Personality and Social Psychology Review, 5, 296–320.
Soroka, Stuart, Fournier, Patrick & Nir, Lilach (2019). Cross-national evidence of a negativity bias in psychophysiological reactions to news. Proceedings of the National Academy of Sciences, doi:10.1073/pnas.1908369116.


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