Psychoanalyse

Der Begriff Psychoanalyse leitet sich von den griechischischen Begriffen ψυχή (psyche) für „Seele“ und ἀνάλυσις (analysis) für „Zerlegung“ ab und meint die Untersuchung bzw. Enträtselung der Seele. Der Begriff Psychoanalyse wird heute in drei Bedeutungsweisen verwendet:

  • als tiefenpsychologische Forschungsmethode,
  • als Insgesamt der Freudschen Lehre,
  • als Heilmethode (Therapie-Form).

Die Psychoanalyse als Therapieform basiert auf der Theorie, dass es einen kausalen Zusammenhang gibt zwischen der gegenwärtigen psychischen Entwicklung des Menschen, seinen Wünschen und Begierden, Verhalten und Bedürfnissen, sowohl bewusst wie unbewusst, und den Erlebnissen aus seiner Vergangenheit.

Der Reichtum und die Kompliziertheit des menschlichen Lebens besteht aus den verschiedenen Variationen, wie sie Phantasie und Wünsche durch eine immer neue Kombination aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft herzustellen vermögen. Die Wirkung der kindlichen Phantasien auf die Gedankenwelt des Erwachsenen beinhaltet sowohl eine Regression wie auch die Umformung dieser Phantasien in eine Vorwärtsbewegung der psychischen Entwicklung.

Eine Definition: Die Psychoanalyse ist eine von Sigmund Freud begründete Wissenschaft vom dynamischen Unbewussten, die auch eine spezifische Untersuchungsmethode und eine Behandlungsform darstellt. Heute gibt es drei große Hauptströmungen: Psychoanalyse (Freud und Nachfolger), Analytische Psychologie (Jung und Nachfolger) und Individualpsychologie (Adler und Nachfolger). Innerhalb der Psychoanalyse unterscheidet man vier große Schulen: Triebpsychologie und Weiterentwicklungen, Ich-Psychologie und Weiterentwickungen, Selbstpsychologie und Weiterentwicklungen und die Objektbeziehungstheorien und Weiterentwicklungen.Oft fasst man diese Verfahren unter Analytische Psychotherapie und Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie zusammen.

Aus der Psychoanalyse heraus haben sich später die verschiedenen Schulen der Tiefenpsychologie entwickelt. Der Begriff „Psychoanalyse“ steht daher sowohl für das auf Freuds Theorien über die Psychodynamik des Unbewussten gegründete Beschreibungs- und Erklärungsmodell der menschlichen Psyche als auch für die psychoanalytischen Therapieformen, eine Gruppe von Verfahren zur Behandlung innerer und zwischenmenschlicher Konflikte, sowie für die psychoanalytische Methodik, die sich auch mit der Untersuchung kultureller Phänomene beschäftigt. In allen drei Aspekten wird die Psychoanalyse bis heute von Klinikern und Forschern weiterentwickelt und verändert, sodass die moderne Psychoanalyse durch einen theoretischen, methodischen und therapeutischen Pluralismus charakterisiert ist.

Seit ihrer Entstehung an der Wende zum 20. Jahrhundert ruft die Psychoanalyse heftige und kontroverse Reaktionen hervor. Die österreichische Sozialpsychologin Marie ­Jahoda hat dieses Phänomen beschrieben: Dem Begründer der Psychoanalyse Sigmund Freud wird dabei von den streitenden Parteien nachgesagt, er sei ein Wissenschaftler oder ein Scharlatan; der Begründer einer neuen Psychologie oder ein Dichter; ein Philosoph oder ein Möchtegernphilosoph gab es die Darwinisten oder die Marxisten, die den Kampf um diese bahnbrechenden neuen Ideen führten, doch die meisten Psychoanalytiker beschränkten sich weitgehend auf ihre Berufspraxis und traten den oft massiven Angriffen nur selten entgegen. Daran hat sich vermutlich bis heute wenig geändert.


Eine hervorragende und umfassende Einführung findet sich auf der Website des Psychotherapeuten Richard L. Fellner: Die Psychoanalyse Sigmund Freuds

Kürzere Darstellungen bei Arthur Brühlmeier und Werner Stangl

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