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Loci-Technik


Die Loci-Technik, Methode der Orte oder Routentechnik, ist eine klassische Mnemotechnik und wurde schon von griechischen und römischen Rednern benutzt, die sich damit die wichtigsten Begriffe für lange Reden eingeprägt haben.Ein Geheimnis der Loci-Technik ist es, sich auf seine Phantasie einzulassen. Um die Methode anzuwenden, braucht man feste Orte in unverwechselbarer Reihenfolge. Ist diese Orteliste einmal festgelegt, muss man spielerische, kreative, verrückte Verbindungen zu den Lerninhalten schaffen, die dann nachhaltig im Gedächtnis verankert bleiben. Wichtig ist es, sich möglichst kraftvolle Bilder auszumalen, die gut im Gedächtnis haften bleiben. Für detaillierte Inhalte eines Lernstoffs ist diese Merktechnik nicht geeignet, aber man kann damit etwa die großen Themenblöcke bei einer Präsentationen in der richtigen Reihenfolge abrufen, ohne dabei Hilfsmittel zu verwenden.

Praktische Hinweise zur Routentechnik

Wenn man mit der Routentechnik systematisch lernen will – übrigens die Mutter aller Mnemotechniken -, braucht man sehr viele davon, d.h., man kann nicht genug Routen haben. Mnemotechniker und Gedächtniskünstler beschäftigen, sich ausgiebig damit, sich Routen auszudenken, die lang genug sind, um dort das abzuspeichern, was sie sich merken wollen. Dabei müssen sie darauf achten, dass sich die Routen stark genug voneinander unterscheiden. Viele Menschen scheitern deshalb an den Mnemotechniken, weil sie sich nicht die Zeit nehmen, die Technik zu erlernen, was am Anfang recht mühsam ist und auch viel Zeit kostet. Die Routen, die man entwickelt, hängen immer auch von dem ab, was man sich einprägen will. Für Alltägliches wie den Einkaufszettel, reicht meist eine kurze Route mit etwa zehn Routenpunkten wie die Körperroute, wobei kein ernst zu nehmender Mnemotechniken oder Gedächtniskünstler für seinen Einkauf eine Route verwenden wird, denn jeder Einkaufszettel speichert zuverlässiger als die beste Mnemotechnik – der Einkaufszettel wird in der Regel nur dafür verwendet, die Methode zu demonstrieren. Wenn man sich alle Hauptstädte der Welt einprägen will, benötigt man natürlich eine wesentlich längere Route oder mehrere Routen, etwa für jeden Kontinent eine spezielle. Also vielleicht Routen durch die eigene Wohnung oder Routen vom Arbeitsplatz. Routen sollten daher immer genug Routenpunkte besitzen, an denen ich man die zu merkenden Inhalte ablegen kann und sie sollten sich stark genug voneinander unterscheiden, so dass man schnell genug auf das, was wichtig ist, direkt zugreifen kann. Mnemotechniker empfehlen auch, die einzelnen Routenpunkte besonders hell auszuleuchten, d.h., man sollte die Routenpunkte so detailliert wie möglich ausstatten, denn manchmal sind es kleine Details, die dabei helfen, etwas zu erinnern.


Die Routenmethode wird kurioserweise übrigens auch als Methode von Spionen erklärt: Ein ehemaliger Spion des britischen Geheimdienstes MI6 und des Australian Secret Intelligence Services, lernte während seiner Ausbildung diese einfache Technik, um jede Information im Gehirn zu speichern, ohne sie aufschreiben zu müssen. Bekanntlich ist das eines der ersten Dinge, die Spione lernen, ihr Gehirn darauf zu trainieren, sich an mehr zu erinnern, als sie es normalerweise tun würden, nicht nur um in ihrem Job erfolgreich zu sein, sondern auch um in kritischen Situationen zu überleben. „Wenn die Tarnung eines Spions auffliegt, kann die Situation in wenigen Sekunden eine böse Wendung nehmen. Spione sind nur Menschen, auch sie können manchmal nervös werden“, sagt der Spion im Ruhestand. Und weiter: „Wenn sie sich selbst verraten, überleben sie nicht. Sie werden in einem manipulierten Auto oder in einem Verkehrsunfall umgebracht. Oder sie werden einfach auf der Straße gefangengenommen, gequält und getötet.“ „Das Schlimmste, was ihr machen könnt, ist zu sagen ‚Oh Entschuldigung, was war die Geschoßbahn dieser Waffe, wie viele Kilos transportiert ihr, bitte entschuldigen Sie, ich hole mir Stift und Papier, um das alles aufzuschreiben.’“ Der hier nicht namentlich genannte Spion nennt die Technik „Elternhaus“. Dazu muss man sich zwei Dinge bildlich vorstellen: Das erste ist das „Bekannte“, also das Elternhaus, das zweite das „Unbekannte“, also die Information, an die man sich erinnern muss. Es heißt dann in dem Bericht: “Stellt euch euer Elternhaus vor. Wenn ihr seit längerer Zeit in einer Wohnung wohnt, ist das okay. Aber ein Haus, das ihr wirklich gut kennt, in dem ihr viele Jahre gewohnt habt und in dem ihr aufgewachsen seid, ist noch besser — denn es ist größer, hat mehr Bereiche, Ecken und Kanten. Nun stellt euch einen Rundgang durch das Haus vor. Beginnt vor der Haustür, geht durch den Flur, die Küche, das Bad und die Schlafzimmer. Geht durch das ganze Haus, um schließlich durch die Haustür nach draußen zu gehen. Merkt euch Einzelheiten auf eurem Weg, wie Regale oder Tische. Das Zweite, was ihr euch vorstellen müsst, ist das „Unbekannte“. Das ist die Information, an die ihr euch erinnern wollt. Schaut euch um. Woran müsst ihr euch erinnern? Ist es etwas, das jemand sagt, erzählt euch jemand eine Geschichte? Ist es ein Bild, von dem ihr euch die exakte Farbe und Form merken müsst, oder ist es die Einrichtung eines Raums, bei der ihr euch die Position jedes Gegenstands merken müsst? Ist es eine lange Zahl? Ist es eine Abfolge von Ereignissen? Jetzt nehmt ihr jedes wichtige Element der Situation, der Unterhaltung, der Geschichte, der Einrichtung oder des Bildes, an das ihr euch erinnern müsst, und platziert es an einer Stelle im Haus, an der ihr beim Rundgang vorbeigeht. Stellt es zum Beispiel auf ein Regal oder auf den Tisch. Verteilt jedes Element auf eurem Rundgang. Je graphischer und lächerlicher es wirkt, umso besser wird es euch in Erinnerung bleiben. Wenn es eine lange Zahl oder eine lange Abfolge von Dingen ist, könnt ihr dem Ganzen ein außergewöhnliches oder menschliches Element verleihen, zum Beispiel Zähne oder eine besonders hervorstechende Farbe. Sobald ihr jedes Element auf eurem Rundgang platziert habt, geht ihr zurück und fangt wieder bei der Haustür an. Geht jetzt nochmal den Rundgang im Geiste durch und schaut euch jedes Element an, das ihr im Haus verteilt habt. Indem ihr die Elemente, an die ihr euch erinnern müsst, in einem Umfeld platziert, in dem ihr euch gut auskennt, bettet ihr sie automatisch in euer Gedächtnis ein.”


In einem Weblog fand sich diese Lerntechnik unter der Überschrift: “Lernen wie die Zugvögel” 😉

Zugvögel haben ein faszinierendes Gedächtnis. Der Schlüssel dazu ist die Erinnerung mittels geografischer Eckpunkte. Wenn einer Gans also aufgrund eines Sees oder eines Waldes wieder etwas einfällt, dann solltest du einmal darüber nachdenken, ob diese Lerntechnik nicht auch von dir für dein Studium anwendbar ist.


Dresler et al. (2017) untersuchten in einer Studie die Auswirkungen eines Gedächtnistraining mit der Loci-Methode auf die Strukturen des Gehirns, wobei sie Gedächtniskünstler mit Laien verglichen, die diese Methode erst erlernen mussten, um sich eine 72 Begriffe umfassende Wortliste zu merken. Anhand von Gehirnscans  entdeckte man, dass die Verbindungen zwischen dem präfrontalen Cortex und anderen Hirnarealen, etwa jenen, die mit dem räumlichen Denken zu tun haben, bei den Gedächtniskünstlern ein bestimmtes Muster aufwiesen, das bei den untrainierten Probanden zunächst nicht nachweisbar war, doch nach einem sechswöchigen Training hingegen schon. Offenbar hinterlässt die Loci-Methode im neuronalen Netzwerk Spuren, wobei je deutlicher diese Spuren waren, desto besser war auch die Merkfähigkeit. Durch das Training hatten sich fast 2500 Verbindungen dieser Netzwerke ähnlich verändert wie bei den Gedächtniskünstlern. Konnten sich die Probanden vor der ersten Sitzung nur 26 von 72 Wörtern merken, waren es nach den sechs Wochen 62, und sogar vier Monate nach Ende des Trainings schnitten die Teilnehmer ähnlich gut ab.

Übrigens: Ortswechsel wie auch Änderungen in physiologischen oder emotionalen Zuständen einer Person können das Gedächtnis beeinflussen, wobei generell gilt, dass Menschen sich umso besser an früher gelernte Dinge erinnern, je ähnlicher Lern- und Erinnerungskontext sind – siehe dazu den Lerntipp Wie heißt die Hauptstadt von …. Ortswechsel wie aber auch Stimmungsänderungen können so den Abruf von Gedächtnisinhalten erschweren, wobei diese Effekte im Allgemeinen zwar eher moderat sind, aber durchaus ausreichen können, um das Erinnern eines Passworts oder eines Codes vorübergehend zu stören. Während man den Scheckkarten-PIN in seiner Bankfiliale noch problemlos abrufen kann, gelingt das während eines Urlaubs nicht in gleichem Maße.


Beispiel für eine Körperliste

Schuhe, Knie, Oberschenkel, Gesäßtasche, Bauchnabel, Brustkorb, Schulter, Hals, Zunge, Haare.


Anmerkung: Aus psychologischer und pädagogischer Sicht auf das schulische Lernen und das Lernen in anderen Bildungseinrichtungen ist anzumerken, dass diese Lernmethode vermutlich wenig sinnvoll ist, da der Aufwand in der Regel in keinem Verhältnis zum Erfolg steht. Geeignet ist diese Mnemotechnik vermutlich nur dann, wenn man Gedächtnisweltmeister werden will 😉 Bei solchen Meisterschaften werden relativ sinnlose und unzusammenhängende Inhalte gelernt und wiedergegeben, wobei diese Methode natürlich helfen kann.

Literatur

Dresler, Martin, Shirer, William R., Konrad, Boris N., Müller, Nils C.J., Wagner, Isabella C., Fernández, Guillén, Czisch, Michael & Greicius, Michael D. (2017). Mnemonic Training Reshapes Brain Networks to Support Superior Memory. Neuron, 93, 1227-1235.
Stangl, W. (1998). Mnemotechnik, Gedächtnistraining, Gedächtnishilfen, Gedächtnistricks. [werner stangl]s arbeitsblätter.
WWW: https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LERNTECHNIK/Mnemotechnik.shtml (98-03-04)
https://www.businessinsider.com/former-british-spy-mi6-how-to-remember-information-without-writing-2017-11?r=DE&IR=T (17-11-14)


Weitere Seiten zum Thema

  1. Ein Kommentar zum Stichwort “Loci-Technik”

  2. Dazu ein Angebot für ein Lerntechnik-Training aus dem Internet:

    10 x schneller lernen: LERNTECHNIK-Training (Lernen lernen)
    Mit der Loci-Methode, Assoziationen, Bilder und Geschichten spielerisch leicht lernen

    Das wirst du lernen
    Lerntechniken: Loci-Methode, Assoziationen, Bilder, Geschichten
    100 Vokabel in 30 Minuten
    10 lateinische Begriffe für Knochen
    die Bestandteile des Bluts und der Luft nach Mengenverhältnis
    die österr. Bundeskanzler in der richtigen Reihenfolge
    die Voraussetzungen für einen Kaufvertrag
    die ersten 10 Stellen von Pi auswendig
    Geburtstage und PIN-Codes leicht merken
    die EU-Mitgliedsländer in der Reihenfolge ihres Beitritts
    die Feymann-Methode
    der Lernprozess: Ablauf, Struktur, Lernpausen …
    Tipps & Tricks: Bio-Rhytmus, Motivation, Konzentration, Zeitfresser

    Es heißt weiter:

    Wir alle haben einen Super-Computer in uns – unser Gehirn. Jedoch haben wir bei unserer Geburt keine Bedienungsanleitung mitbekommen.
    200 Vokabel in 1 Stunde lernen, nie wieder PIN-Codes oder Geburtstage vergessen und die Einkaufsliste oder To-Do-Liste im Kopf jederzeit parat haben.
    In diesem Kurs wird gelehrt, wie wir uns Wissen leichter aneignen können, wie beim Lernen optimal vorgehen sollten, und wie wir das Wissen langfristig behalten.
    Wie lernen wirklich funktioniert, wie wir Wissen schnell aneignen können, langfristig abspeichern und sogar noch Spaß dabei haben, zeige ich euch.

    DU KANNST DANACH …
    die Bundeskanzler in absteigender Reihenfolge
    die ersten 10 Stellen von Pi auswendig
    die EU-Gründungsmitglieder
    die Bestandteile des Bluts & Luft
    30 neue Vokabel in 10 Minuten
    10 lateinische Begriffe für Knochen
    Geburtstage schnell und einfach merken
    PIN-Codes und Passwörter leicht abspeichern
    Einkaufslisten merken ohne sie niederzuschreiben

    WAS WERDEN WIR MACHEN?
    Neben der Theorie gibt es zahlreiche praktische Übungen.
    Lerntypen (Sinne & Lernen)
    Lerntechniken (Loci-Methode, Assoziationen, Bilder und Geschichten)
    Lernplan (Ablauf, Struktur …)
    Tipps & Tricks (Konzentration, Motivation, Bio-Rhythmus, Zeitfresser…)

    FÜR WEN IST DER KURS GEEIGNET?
    Schüler, Studenten, Erwachsene …
    mit Lernschwierigkeiten
    die schneller lernen wollen
    mehr Spaß beim Lernen haben wollen
    ihr Gedächtnis verbessern wollen

    Für wen eignet sich dieser Kurs:
    Schüler, Studenten, Erwachsene …
    … die schneller lernen wollen
    … mehr Spaß am Lernen haben wollen
    … Lernschwierigkeiten oder Konzentrationsprobleme haben
    … die ihr Gedächtnis verbessern wollen

    Lerntechnik-Training 2020

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