Promenadologie

    Promenadologie (Spaziergangswissenschaft) ist die Wissenschaft vom Spazierengehen, wobei diese von Lucius Burckhardt begründet wurde, und zwar in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts aus Elementen der Soziologie und des Urbanismus. Diese Kasseler Professur, der einzige Lehrstuhl für Spaziergangswissenschaften (Fachbereich Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung), wird von Martin Schmitz weitergeführt. Promenadologie hat nichts mit lockerem Spazierengehen zu tun und auch nicht mit müßigem Wandeln durch die Landschaft, sondern es geht beim Spazierengehen um das konzentrierte, das bewusste Wahrnehmen der Umwelt.

    Burckhardt entwickelte die Promenadologie aus Teilen der Soziologie und des Urbanismus. Ursprünglich in Diskursen der Stadt- und Landschaftsplanung verankert, wurden Projekte der Spaziergangswissenschaft wiederholt im Kontext zeitgenössischer Kunstausstellungen rezipiert.

    Bereits seit der Antike hilft der Spaziergang Menschen beim Entspannen, Denken und Dichten, denn schon die griechischen Peripatetiker waren davon überzeugt, dass die besten Einfälle beim Umherwandeln kämen, so trug auch Aristoteles seine Lehren auf und ab gehend vor. Ähnlich dürfte es dem italienischen Humanisten Francesco Petrarca ergangen sein, als er während einer Wanderung auf den Mont Ventoux in der französischen Provence die Welt und unseren Blick darauf gänzlich neu ordnete. Den hohen Wert eines gepflegten Spaziergangs erkannten auch die Aristokraten im 18. Jahrhundert, denn sie ließen sich zum Lustwandeln eigene Barockgärten, Promenaden und Parks errichten.

    Walter Benjamin und entwarf das Konzept des Flaneurs im 20. Jahrhundert und verortete den Spaziergänger nun nicht mehr am Land, sondern in der Stadt. Fast alle großen Dichter und Denker von Jean-Jacques Rousseau bis Sören Kierkegaard, Edgar Alan Poe bis Johann Wolfgang von Goethe beschäftigten sich in ihren Werken mit dem Spaziergang und waren nicht selten selbst leidenschaftliche Spaziergänger. Auch Walter Benjamin sammelte Eindrücke für sein philosophisch-literarisches Werk, indem er durch die Passagen und über die Boulevards der französischen Hauptstadt flanierte. Peter Handke schrieb 1980 vom Ende des Flanierens und der Unmöglichkeit des Spazierens in der beschleunigten Großstadt.

    Bei Frauen galt das ziellose Flanieren in den Großstädten übrigens lange als Zeichen der Prostitutionm, eine Zuschreibung, die erst durch weibliche Flaneusen wie Virginia Woolf oder Patti Smith überwunden werden konnte. Sie eroberten sich die männlich dominierten Straßen zurück.

    Siehe dazu im Detail Promenadologie.

    Literatur

    Lucius Burckhardt (200). Warum ist Landschaft schön? Die Spaziergangswissenschaft. Berlin: Martin Schmitz Verlag.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Promenadologie (14-11-14)
    https://orf.at/stories/3198474/ (21-02-06)


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