Konsenstheorie

Als Konsenstheorie oder Diskurstheorie bezeichnet man die erkenntnistheoretische Auffassung, dass die Wahrheit einer (wissenschaftlichen) Behauptung davon abhängt, ob sich über diese Behauptung allein durch Argumentation ein allgemeiner Konsens herstellen lässt.

Die Konsenstheorie als wissenschaftliche Wahrheitstheorie besagt letztlich, dass wissenschaftliche Wahrheit allein durch den Konsens von ExpertInnen festgestellt werden kann. Konsensfähigkeit als Kriterium für die Wahrheit bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass die Wahrheit davon abhängt, ob in Bezug auf die Behauptung tatsächlich eine einstimmige Zustimmung besteht, denn über die Wahrheit kann man grundsätzlich nicht abstimmen, denn theoretisch kann ein Einzelner gegen alle anderen Recht haben. Man kann jedoch in dem Maße Wahrheit und Allgemeingültigkeit für eine Behauptung beanspruchen, wenn man über allgemein nachvollziehbare, verständliche und letztlich akzeptable Argumente zur Begründung verfügt. So ist etwa Jürgen Habermas ein Vertreter der Konsenstheorie, wenn er in seinen Arbeiten die These vertritt, dass durch einen herrschaftsfreien Diskurs und durch die Geltungsansprüche der Alltagssprache so etwas wie Wahrheitsfindung möglich ist.

Es geht bei der Konsenstheorie um Fragen wie: Was meinen wir eigentlich mit dem Wort „wahr“? Was tun wir, wenn wir sagen, dass eine Theorie oder ein Satz wahr ist? Welche Regeln müssen wir immer schon als gültig voraussetzen, wenn wir uns argumentierend und diskutierend um Wahrheit bemühen? Eine mögliche Antwort wäre:: Wenn wir einen Satz als „wahr“ bezeichnen, dann bekräftigen wir diesen Satz nicht nur, dann sagen wir nicht nur, dass es so ist, wie dieser Satz besagt, sondern dann erheben wir für diesen Satz auch einen intersubjektiven Geltungsanspruch. Von einem Anspruch auf Gehorsam im Denken – wie er etwa in Diktaturen gefordert wird – unterscheidet sich ein Anspruch auf Wahrheit dadurch, dass der Wahrheitsanspruch durch nachvollziehbare Argumente allgemein einsichtig eingelöst werden kann.


Die Theorie des kommunikativen Handelns, das Hauptwerk von Jürgen Habermas, thematisiert übrigens die praktische und theoriekritische Bedeutung des kommunikativen Handelns für das soziale Leben der modernen Gesellschaft. Nach Habermas liegen die normativen Grundlagen einer Gesellschaft in der Sprache, die als zwischenmenschliches Verständigungsmittel soziale Interaktion erst ermöglicht. Durch diese Teilmenge der Kommunikation versuchen Handelnde sich verständigungsorientiert aufeinander zu beziehen, wobei diese in der Sprache angenommene kommunikative Rationalität die Grundlage sozialen Handelns bildet und dem Begriff zweckrationalen Handelns vorangeht, der von einem teleologischen Handlungsmodell ausgeht und nicht die rationalisierungsfähigen Aspekte sprachlicher Verständigung innerhalb interpersonaler Beziehungen anerkennt. Kommunikation im Sinne von Habermas impliziert dabei Verständigung als Aufgabe und Bestreben dersMenschen, wobei insbesondere Weltbilder und Werte in einem Konsensprozess zur Übereinstimmung gebracht werden müssen, um ein friedliches Zusammenleben zu erreichen.


Literatur

Habermas, J. (1981). Theorie des kommunikativen Handelns. Frankfurt: Suhrkamp.
http://de.wikipedia.org/wiki/Konsenstheorie_der_Wahrheit (09-11-21)
https://de.wikipedia.org/wiki/Theorie_des_kommunikativen_Handelns (17-12-14)

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