Parental Alienation Syndrome – PAS

Das Eltern-Kind-Entfremdungs-Syndrom, auch elterliches Entfremdungssyndrom (Parental Alienation Syndrome, PAS), beschreibt ein von Gardner (1998) beschriebenes Konstrukt, bei der ein Kind dauerhaft und zu Unrecht einen Elternteil herabsetzt und beleidigt, meist in der Folge einer Scheidung und bzw. oder eines Streits um das Sorge- oder Umgangsrecht. Eine Reihe von Faktoren sind dabei für dieses Verhalten verantwortlich, unter anderem die Indoktrinierung seitens des betreuenden Elternteils und der Wunsch des Kindes, den getrennt lebenden Elternteil abzuwerten.

Entwicklungspsychologisch betrachtet ist für ein Kind die Beziehung zu beiden Elternteilen wichtig, damit sich ein Kind mit gegengeschlechtlichen Personen und deren Rolle identifizieren kann, was für die weitere Entwicklung bedeutsam ist.

Beim Parental Alienation Syndrome – Eltern-Kind-Entfremdungs-Syndrom –  wird daher dann gesprochen,  wenn ein Kind nach einer Trennung der Eltern jenen Elternteil unbegründet ablehnt, mit dem es nicht mehr zusammenlebt, wobei die Ablehnung häufig auf die ablehnende Haltung des Elternteils, mit dem es zusammenlebt, zurückgeht. Daraus ensteht die Furcht, den betreuenden Elternteil auch noch zu verlieren, sodass das Kind die Liebe zum verlassenen Elternteil mehr oder weniger verleugnen muss, wodurch es häufig zum Wunsch nach völligen Kontaktabbruch kommt. Spektakulär sind meist jene Fälle, in denen das Kind gewaltsam von einem natürlichen Kontakt zum zweiten Elternteil – meist sind es Väter – abgehalten wird, wobei man oft schwere Entwicklungs- und Gesundheitsschäden beobachten kann. Besonders gravierend ist eine solche Situation, wenn ein Elternteil ohne Rücksicht auf die Gefühle des Kindes und des Ex-Partners den Nachwuchs als alleinigen Besitz betrachtet, den Kontakt zum anderen Elternteil durch psychische Gewalt verhindert, ihn ausgrenzt und vor dem Kind schlecht macht, bis das Kind diesen Elternteil ablehnt. Das Kind muss dabei das innere Bild dieses Elternteiles negativ besetzen und abspalten, um seine Abwesenheit zu ertragen, wobei sich diese anhaltenden seelischen Verletzungen beim Kind in Angst, Panik, Verwirrung und schließlich Vermeidung äußern, d. h., das Kind lehnt dann ohne erklärbaren Grund den Vater ab und entwickelt eine posttraumatische Belastungsstörung.

Dies verursacht bei dem ausgeschlossenen Elternteil in der Regel großen Schmerz, da diesem die Beziehung zum Kind verwehrt wird und sie oder er gleichzeitig um die Leiden des Kindes weiß, wodurch auch beim ausgegrenzten Elternteil ähnliche seelische Verletzungen wie beim Kind entstehen.

Häufig werden manche Falschaussagen des entfremdenden Elternteils von den Behörden ohne Überprüfung als glaubhaft angenommen und Berichte über den Psychoterror ignoriert. Die Aussagen des manipulierten, belogenen und eingeschüchterten Kindes werden dann manchmal als Wille des Kindes bewertet, der Entfremdungsprozess wird als Folge des Elternstreites hingestellt.

Die Ablehnung eines Elternteils durch das Kind, die infolge eines Kindesmissbrauchs oder einer tatsächlichen Vernachlässigung entstanden ist, wird hingegen nicht als Eltern-Kind-Entfremdung bezeichnet.

Siehe auch Depersonalisationssyndrom.

Literatur & Quellen
Gardner, R. A. (1998). Recommendations for Dealing with Parents who Induce a Parental Alienation Syndrome in their Children. Journal of Divorce & Remarriage, 28, 1–21.
https://de.wikipedia.org/wiki/Eltern-Kind-Entfremdung (15-11-21)
OÖN vom 25- Mai 2015




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