Gruppendynamik

Unter Gruppendynamik versteht man die Lehre von den Kräften, die in Gruppen entstehen und von Gruppen auf deren Mitglieder ausgeübt werden. In den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begann Kurt Lewin die Lokomotionen (Bewegungskräfte) innerhalb von Gruppen zu studieren, und fand, dass Menschen einer Gruppe durch Kommunikation bzw. durch Angleichung von Haltungen und Meinungen einem gemeinsamen Ziel näher kommen. Lewin konnte zeigen, dass während der Arbeit in der Gruppe eine Dynamik entsteht, die mehr Wirkung hatte als der Vortrag eines Fachmanns.
Alle Gruppen entwickeln sich in bestimmten Phasen, deren Ablauf ähnlich erfolgt, wobei der Phasenablauf dabei nicht linear erfolgt, sondern die Gruppe kommt immer wieder auch auf frühere Phasen zurück, besonders wenn Einschnitte in der Gruppenarbeit vorhanden sind, etwa ein neuer Tag, eine Woche zwischen zwei Gruppentreffen usw. Jede Phase hat ihre besondere Erscheinungsformen, Themen, Aufgaben und Konflikte, wobei solche Phasen dabei unterschiedlich lange dauern können. Das Verständnis der Gruppenphasen ist dabei wichtig für das Verständnis der Gruppendynamik und für die Planung und Beurteilung von Impulsen zur Veränderung und Entwicklung von Gruppen, also für eine gruppendynamische Intervention.

Definitionen

Gruppendynamik gehört zur sozialpsychologischen Disziplin und befasst sich mit dynamischen Zusammenhängen in und zwischen den menschlichen Gruppen. In letzter Zeit ersetzte die Gruppendynamik in erheblichen Teilen die Massenpsychologie (vgl. Eibl-Eibesfeldt, Reichstein, Schlenke, Sebening, Struck, Thiel & Zenker, 1974, S. 122).
Definition
Unter Gruppendynamik wird eine im wesentlichen wissenschaftlich fundierte, praxisbezogenen Methode verstanden, die die Arbeit und Privatleben verbessern will, und Persönlichkeitsbeeinträchtigungen durch Erziehung und Sozialisation, auszugleichen versucht (vgl. Däumling, Fengler, Nellessen und Svensson, 1974, S.11-12).
Definition
Gruppendynamik entsteht durch objektiv feststellbare Interaktionsfrequenz und subjektive Sympathie. Voraussetzung ist also eine wechselseitige Kommunikation zwischen Menschen, die sich in einem Raum befinden (vgl. Battegay, 1974, S. 44-45).
Definition
„Einerseits versteht man unter Gruppendynamik die theoretische und praktische Erforschung von Kleingruppen, die eine   grundlegende Struktur zwischenmenschlichen Kontakts und zwischenmenschlicher Kommunikation darstellen.   Solche Gruppen können sein: Freundeskreise, Arbeitsgremien, Familien – und vor allem auch Abteilungen und   Team in Wirtschaftsbetrieben. Gruppendynamik heißen aber auch alle sozialpsychologischen Phänomene und   Gesetzmäßigkeiten, die in Kleingruppen auftreten. Durch die Erforschung dieser Gesetzmäßigkeiten und Phänomene soll allen, die sich ständig in den verschiedensten Gruppen bewegen, ermöglicht werden, sich besser  zurechtzufinden, das eigene Verhalten zu erkennen und verändern zu lernen“ (Subik, 1974, S.1)
Definition
Der Begriff Gruppendynamik hat zweierlei Bedeutung. Zum einen ist er Gegenstand eines Forschungsbereiches, der Wissen über die Natur von Gruppen zwischen einzelnen Menschen zu anderen Gruppen und zu größeren Institutionen erforscht. Dies wird meist auch als Kleingruppenforschung bezeichnet. Zum anderen ist wird er umgangssprachlich für gruppendynamische Prozesse und Methoden mit theoriefreiem Charakter verwendet.
Als gruppendynamische Prozesse und Methoden gelten zum Beispiel Rollenspiele, Prozessanalysen bis hin zu Brainstorming (vgl. Fritz, 1973, S. 9-10).
Definition
„Gruppendynamik versteht sich selbst als die Lehre von Gesetzlichkeiten vorbewusster und unbewusster Prozesse in   Gruppen, unabhängig von deren Intelligenzgrad und weitgehend unabhängig von der Sozialschichtung“  (Brocher, 1982, S.40).
 
Verwendete Literatur
Eibl-Eibesfeldt, I., Reichenstein, H., Schlenk, M., Sebening, F., Struck, E., Thiel, C. & Zenker, R. (1974). Meyers Enzyklopädisches Lexikon. Mannheim: Bibliographisches Institut AG.
Däumling, A. M., Fengler, J., Nellessen, L. & Svensson A. (1974). Angewandte Gruppendynamik. Stuttgart: Ernst Klett Verlag.
Battegay, R. (1974). Der Mensch in der Gruppe. Bern: Verlag Hans Huber.
Subik, C. (1974). Das ist Gruppendynamik. In Heintel, P. (Hrsg.), 1. Gruppendynamik: Herkunft, Geschichte und Bedeutung. München: Wilhelm Heyne Verlag.
Fritz, J. (1973). Gruppendynamik und Jugendarbeit. München: Juventa Verlag.
Brocher, T. (1982). Gruppendynamik und Erwachsenenbildung. Braunschweig: Deutscher Volkshochschul-Verband.




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