Heuristik

Als Heuristik  oder heuristisches Vorgehen bezeichnet man in der Psychologie eine einfache Denkstrategie für effizientere Urteile und Problemlösungen, die meist schneller, aber auch fehleranfälliger ist als ein Algorithmus. Heuristik bezeichnet also ganz allgemein die Erfinderkunst oder ein Verfahren, um Probleme zu lösen.

1.    Definition
„Heuristik, die; – [zu griech. heurískein = finden, entdecken]: Lehre, Wissenschaft von den Verfahren, Probleme zu lösen; methodische Anleitung, Anweisung zur Gewinnung neuer Erkenntnisse;“ (Brockhaus Lexikonredaktion, 1995, S. 1568).

2.  Definition
„Heuristiken sind kognitive >>Eilverfahren<<, die bei der Reduzierung des Bereichs möglicher Antworten oder Problemlösungen nützlich sind, indem sie >>Faustregeln<< als Strategien anwenden“ (Zimbardo, 1995, S. 371).

3.  Definition
Unter Heuristik versteht man die Wissenschaft, die die Gesetzmäßigkeiten und die Methodik der Rechercheprozesse bei einer Aufgabenlösung untersucht und die, indem sie die Anzahl der möglichen Lösungsansätze dieser Aufgabe auf ein Minimum reduziert oder in gewissem Maße einschränkt, die Lösungszeit im Vergleich zu den bekannten Methoden in der Forschertätigkeit verkürzt, z.B. durch die Methode der blinden Lösungswahl oder durch Methoden, die in den klassischen axiomatischen Kalkülen gebräuchlich sind (vgl. Albrecht & Asser, 1978, S. 200).

4.  Definition
Im Lexikon der Psychologie wird die Heuristik als Erfindungskunst, als Anleitung zum Gewinnen neuer Erkenntnisse und als produktive Hintergrundannahmen, die den produktiven Horizont eines Wissens- und Forschungsgebietes ausmachen, bezeichnet. Weiters ist die Heuristik in der Denkpsychologie der Oberbegriff für alle Verfahren und Strategien, die zur Annäherung an die Lösung eines Problems führen (vgl. Bertelsmann Lexikonredaktion, 1995, S. 174).

5.  Definition
Im Gegensatz zum Algorithmus stellt eine Heuristik eine Lösungsmöglichkeit dar, die, einer Daumenregel ähnlich, zu einer Problemlösung eingesetzt werden kann, ohne eine Lösung zu garantieren. Als Beispiel kann das Schachspiel herangezogen werden. Eine gute Heuristik dabei ist, das Mittelfeld zu kontrollieren, wobei dies kein Rezept zum Sieg ist, sondern lediglich eine Gewinnchancensteigerung (vgl. Wessells, 1990, S. 356).

6. Definition

Von griechisch heuriskein = finden, entdecken, bezeichnet eine gewisse Erfinderkunst. Die Lehre von den Verfahren oder Probleme zu lösen. Es werden Wissenschaften, Beweise oder Widerlegungen gefunden. Außerdem arbeitet die Heuristik unter anderem mit Vermutungen, Analogien, Generalisierungen, Arbeitshypothesen und auch mit Modellen von Zusammenhängen (vgl. Meyers, 1974, S. 819).

7. Definition

Im Bereich der kognitiven Psychologie findet man den Begriff der räumlichen Heuristik. „Neue kognitionswissenschaftliche Forschungsansätze zeigen, dass die räumliche Heuristik bei der Organisation von einfachen Problemen bis hin zu komplexen Problemszenarien, das menschliche Wahrnehmen signifikant entlasten und verbessern kann“ (Frensch & Funke, 2006, S. 73).

8. Definition

Heuristik beschreibt Suchverfahren und Findermethoden, für die es keine festen Vorschriften gibt. Dazu ein Beispiel: „Den Aktionsbaum beschneiden bedeutet für den Problemlöser alle Zweige entfernen, die ohnehin nicht zur Lösung führen, dafür aber die Aufmerksamkeit auf jene Zweige zu richten, die ihn einer Lösung näher bringen. Ein solches Verfahren führt von einer systematischen Variation zu einer planmäßig auswählenden Variation“ (Schönpflug & Schönpflug, 1989, S. 230).

9. Definition

In Bezug auf die Psychologie für Wirtschaftswissenschaftler bedeuten Heuristiken, dass der Alltagsmensch auf wahrscheinlichkeitstheoretische Abwägungen verzichtet und dass er das Prognostizieren auf eigene handliche Denkschritte reduziert. Außerdem werden verschiedene beachtenswerte statistische Hintergrundinformationen vernachlässigt (vgl. Franke & Kühlmann, 1990, S. 203).

10. Definition

Psychologisch betrachtet wird die Heuristik als eine kognitive Strategie betrachtet, die bei der Lösung einer komplizierten Schlussfolgerungsaufgabe oft als Vereinfachung, sozusagen als Patentlösung verwendet wird (vgl. Gerrig & Zimbardo, 2004, S. 374).

Literatur
Albrecht, E. & Asser, G. (1978). Wörterbuch der Logik. Leipzig: VEB Verlag Enzyklopädie.
Ohne Autor (1995). In Lexikon-Institut Bertelsmann (Hrsg.). Lexikon der Psychologie (S. 174). Gütersloh: Bertelsmann Lexikon Verlag.
Ohne Autor (1995). In F.A. Brockhaus GmbH (Hrsg.). Brockhaus Enzyklopädie gluc-reg (S. 1568). Mannheim: Brockhaus GmbH.
Wessells, M. (1990). Kognitive Psychologie. Basel: E. Reinhardt.
Zimbardo, P.G. (1995). Psychologie. Berlin Heidelberg: Springer-Verlag.
Franke, J. & Kühlmann, T. M. (1990). Psychologie für Wirtschaftswissenschaftler. Landsberg/Lech: Verlag moderne industrie AG & Co.
Frensch, P. A. & Funke, J. (2006). Handbuch der Allgemeinen Psychologie – Kognition. Göttingen: Verlag Hogrefe GmbH & Co. KG.
Gerrig, R. J. & Zimbardo, P. G. (2004). Psychologie, 16. Auflage. München: Verlag Pearson Education.
Meyers Enzyklopädisches Lexikon, elfter Band. (1974). Mannheim: Verlag Bibliographisches Institut AG.
Schönpflug, W. & U. (1989). Psychologie: Allgemeine Psychologie und ihre Verzeigungen in der Entwicklungs-Persönlichkeits- und Sozialpsychologie. München: Verlag Psychologie Verlags Union.


Das Lexikon in Ihren Netzwerken empfehlen:


Falls Sie im Lexikon nicht fündig geworden sind, können Sie mit der folgenden Suche auf weiteren einschlägigen Webseiten des Autors nach relevanten Informationen aus den Bereichen Psychologie und Pädagogik suchen.

You must be logged in to post a comment.

Diese Seiten sind Bestandteil der Domain www.stangl.eu