Mental shortcuts sind Heuristiken menschlichen Handelns, die als eine Art Faustregel das Verhalten steuern, also ohne bedächtige oder vernünftige Überlegungen. Sie sind tief im Unterbewusstsein verankert, wobei mit ihnen Menschen seit Urzeiten ihren Alltag meistern. Vor allem in einer immer komplizierteren Welt benötigen Menschen Möglichkeiten, rasch, ohne Umwege und langes Überlegen zu reagieren. Diese Regeln können durchaus sehr sinnvoll sein, den man muss nicht mehr nachdenken, wenn man eine Tür öffnet, denn das spart Kraft, Zeit und Energie. Rein rationale Entscheidungen würden das Gehirn im Alltag häufig überfordern, wenn es in kürzester Zeit all jene Informationen besorgen und bewerten müsste, die für eine rasche Entscheidung notwendig sind.

Das Gehirn greift daher auf das Bauchgefühl, das ihm Denkabkürzungen bzw. eben solche mental shortcuts aufzeigt. Dabei wählen Menschen in diesen Momenten meist jene verfügbare Alternative, die ihnen am vertrautesten erscheint, und begnügen sich dabei notwendigerweise mit nur wenigen Fakten und peilen die Entscheidung über den Daumen an. Vor allem in der Verkaufspsychologie und hier in der der persuasiven Kommunikation spielen solche mental shortcuts eine wichtige Rolle.

Florian Ilgen (2019) ist übrigens der Ansicht, dass man die innere Stimme bzw. die Intuition trainieren kann, wobei der Zusammenhang mit der Magengegend beim Bauchgefühl irreführend ist, denn man weiß gar nicht so genau, wo dieses Gefühl herkommt. Die im Körper spürbaren Emotionen sehen vermutlich in Verbindung mit dem impliziten Gedächtnis, also jenem Teil des Gedächtnisses, der das Erleben und Verhalten eines Menschen beeinflusst, ohne dabei ins Bewusstsein zu treten. Diese Form des Gedächtnisses denkt schneller und auch gründlicher als die höheren kognitiven Zentren. In diesem impliziten Gedächtnis hat man ein Erlebnis, eine Erkenntnis oder beommt eine Information abgespeichert, und in Entscheidungs- oder Gefahrensituationen ruft die Intuition das im Archiv ab, was sie gerade braucht. So weiß ein Mensch etwa sofort, dass er sich vor dem zum Schlag ausholenden Gegenüber wegducken sollte, denn bewusst wahrgenommen und durchgedacht, würde dieser Vorgang zu lange dauern. Je mehr Erfahrungen und Erlebnisse man in einem Lebensbereich hat, desto zuverlässiger ist das Bauchgefühl. Allerdings haben viele Menschen verlernt, ihr Bauchgefühl wahrzunehmen, denn die meisten sind davon überzeugt, dass Entscheidungen am besten auf rationaler Basis getroffen werden sollten. Daher suchen sie Argumente und wägen Vor- und Nachteile ab und denken, dass Emotionen dabei eher störend wären. Menschen können aber lernen, ihre Gefühle bewusster wahrnehmen und damit die Wahrnehmung des Bauchgefühls trainieren, wozu eine gehörige Portion Achtsamkeit im Alltag gehört. Man sollte daher versuchen, bestimmte Situationen bewusst wahrnehmen, vor allem mit Blick auf die dabei auftretenden Gefühle, wobei man diese Gefühle registrieren soll, wie sie sind, und sie nicht bewerten. Unterstützen kann man das etwa mehrmals am Tag mit kurzen Meditationen, also sich Zeit für sich selbst zu nehmen, in sich hineinzuschauen und zu sehen, wie es einem gerade geht, etwa bei einem Spaziergang. Wichtig ist dabei, das Bauchgefühl von anderen Emotionen wie Angst, Gier oder Liebe abzugrenzen, denn sonst besteht die Gefahr, dass die Intuition untergeht und nicht wahrgenommen wird. Wichtig für das Bauchgefühl ist daher ein ausgeprägtes Selbstvertrauen, d. h., man sollte darauf bauen, dass das, was man fühlt, auch richtig ist, wobei je öfter man sich von seiner Intuition leiten lässt, desto mehr kann man sich auf dieses Bauchgefühl verlassen.

Forschungen des Max-Planck-Instituts haben versucht herauszufinden, wie Tiere die Komplexität ihrer Umwelt begreifen und anhand von verfügbaren Informationen Entscheidungen treffen. Dabei wurden verschiedene Tierarten in immersive virtuelle Welten geschickt, d. h., Fruchtfliegen, Fische oder Heuschrecken wurden verschiedenen fotorealistischen Szenarien ausgesetzt und die Bewegungen während der Wahl des optimalen Vorgehens erfasst. Es zeigte sich, dass diese ähnlich binär wie Computer vorgehen, indem sie Entscheidungen so lange in Wahlen mit zwei Optionen herunterbrechen, bis die endgültige Vorgehensweise gefunden ist. Bisher dachte man, dass Tiere zuerst entscheiden, wo sie etwa hingehen und anschließend die Route einschlagen, doch da die sich verändernde Umwelt permanent Einfluss auf die Entscheidungen hat, reagieren sie also überwiegend auf Basis der aktuellen Situation, indem es zu einer Reduzierung der Komplexität auf eine Entweder-oder-Entscheidung kommt, was ein schnelles und effizientes Vorgehen ermöglicht.

Literatur

Ilgen, Florian (2019). Die Macht der Intuition – Warum Sie im richtigen Moment den Mut zur Veränderung haben müssen. Komplett Media GmbH.

 



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