Relationale Lerntheorie

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Die relationale Lerntheorie – Relational Frame Theory (RFT) stellt eine moderne, behavioristische Erweiterung des klassischen Lernverständnisses dar und bildet das theoretische Fundament der Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT). Im Kern postuliert die elationale Lerntheorie, dass das menschliche Denken und die Sprache auf der gelernten Fähigkeit basieren, Reize willkürlich miteinander in Beziehung zu setzen, anstatt lediglich auf direkte physische Verstärkung zu reagieren. Während Tiere vorwiegend durch direkte Erfahrung lernen (z. B. eine Taube pickt eine Taste, weil sie danach Futter erhält), entwickeln Menschen die Fähigkeit zum relationalen Rahmen, was bedeutet, dass wir Symbole, Wörter und Konzepte in komplexen Netzwerken verknüpfen. E

in zentrales Merkmal ist dabei die wechselseitige Bezugnahme (Mutual Entailment), d. h., wenn ein Kind lernt, dass das Wort „Hund“ sich auf ein pelziges Tier bezieht, leitet es automatisch ab, dass das pelzige Tier auch als „Hund“ bezeichnet wird, ohne dass diese Umkehrung explizit trainiert werden muss. Hinzu kommt die kombinatorische Bezugnahme (Combinatorial Entailment), bei der aus zwei gelernten Beziehungen eine dritte geschlussfolgert wird; weiß eine Person etwa, dass A größer ist als B und B größer ist als C, so weiß sie ohne direkte Erfahrung, dass A größer ist als C.

Besonders bedeutsam für die klinische Psychologie ist die Transformation von Reizfunktionen, was bedeutet, dass die psychologische Wirkung eines Reizes sich verändert, sobald er in einen relationalen Rahmen mit einem anderen Reiz tritt. Ein klassisches Beispiel hierfür ist die Entstehung von Ängsten: Wenn ein Mensch eine traumatische Erfahrung mit einem realen Feuer macht (direktes Lernen) und später lernt, dass das Wort „Brand“ mit Feuer gleichzusetzen ist, kann allein das Hören des Wortes „Brand“ dieselben physiologischen Angstreaktionen auslösen wie das Feuer selbst, obwohl das Wort an sich völlig harmlos ist. Die relationale Lerntheorie erklärt somit, warum menschliches Leid oft durch Sprache und Gedanken aufrechterhalten wird, selbst wenn keine unmittelbare Gefahr in der Umwelt existiert. Menschen können sich also vor Dingen fürchten, die sie nie gesehen haben, oder unter Erinnerungen leiden, die rein verbal repräsentiert sind. Die Theorie bricht damit mit dem strengen Assoziationismus und zeigt auf, dass der Mensch durch die Sprache ein „virtuelles“ Universum erschafft, in dem Reize ihre Funktion allein durch ihre Stellung in einem relationalen Netzwerk erhalten. In der Praxis hilft dieses Verständnis Therapeuten dabei, Klienten und Klientinnen durch Techniken der Defusion (Distanzierung von Gedanken) zu unterstützen, damit diese nicht länger auf die transformierten Funktionen ihrer Gedanken reagieren, sondern diese lediglich als das wahrnehmen, was sie sind: Worte und Bilder in einem relationalen Rahmen.

Literatur

Hayes, S. C., Barnes-Holmes, D., & Roche, B. (2001). Relational Frame Theory: A Post-Skinnerian Account of Human Language and Cognition. Kluwer Academic/Plenum Publishers.
Törneke, N. (2012). RFT praxisnah: Grundlagen der Relational Frame Theory und ihre Anwendung in der Psychotherapie. Junfermann Verlag.
Blackledge, J. T. (2003). An Introduction to Relational Frame Theory: Basics and Applications. The Behavior Analyst Today, 3(4), 421–433.


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