Der Begriff Teflon-Effekt bezeichnet in der Psychologie sowie in der Kommunikationswissenschaft und Politischen Psychologie ein Phänomen, bei dem negative Erlebnisse, Kritik, Schuldgefühle oder soziale Misserfolge an einer Person abperlen, ohne bleibende psychische Spuren oder Konsequenzen zu hinterlassen – ganz nach dem Vorbild einer mit Polytetrafluorethylen (Teflon) beschichteten Pfanne. Ursprünglich wurde der Begriff in den 1980er Jahren populär, um den US-Präsidenten Ronald Reagan als „Teflon-Präsidenten“ zu beschreiben, da politische Skandale seinem Ansehen keinen dauerhaften Schaden zufügten.
In der klinischen Psychologie und der Persönlichkeitspsychologie wird dieser Effekt häufig im Kontext der Psychopathie oder der antisozialen Persönlichkeitsstörung analysiert. Hier beschreibt er die mangelnde Fähigkeit oder Bereitschaft von Individuen, aus Fehlern zu lernen oder Reue zu empfinden. Da diese Personen Kritik internalisieren weder noch durch soziale Bestrafung emotional erschüttert werden, prallt moralischer Druck wirkungslos an ihnen ab. Ein klassisches Beispiel hierfür ist eine Führungskraft mit stark narzisstischen oder psychopathischen Zügen, die trotz offensichtlicher Fehlentscheidungen und massiver Kritik seitens der Belegschaft keinerlei Selbstzweifel zeigt und die Verantwortung externalisiert, also anderen zuschiebt.
Auf der anderen Seite des Spektrums wird der Teflon-Effekt gelegentlich auch im Rahmen der Resilienzforschung diskutiert, wobei er hier eine positivere Konnotation erhält: Er beschreibt dann die Fähigkeit, in hochgradig toxischen Umgebungen oder unter extremem Stress nicht zu verbrennen, da die negativen Einflüsse nicht in den inneren Kern der Persönlichkeit vordringen. Ein Beispiel wäre ein Krisenmanager, der in einer feindseligen Umgebung handlungsfähig bleibt, weil er verbale Angriffe nicht persönlich nimmt.
Dennoch überwiegt in der Fachliteratur die kritische Betrachtung, insbesondere wenn es um die soziale Interaktion geht. Menschen mit einem ausgeprägten Teflon-Effekt neigen dazu, soziale Normen zu ignorieren, da die mit einer Normverletzung einhergehende Scham oder soziale Ächtung bei ihnen keine physiologische oder psychische Erregung auslöst. Dies führt dazu, dass sie in Verhandlungen oft furchtlos agieren, aber gleichzeitig unfähig zu tiefgreifender Empathie oder echter Verhaltensänderung sind.
In der Diagnostik wird dies oft mit einer verminderten Aktivität der Amygdala in Verbindung gebracht, was die emotionale Distanz gegenüber negativen Stimuli erklärt.
Der Teflon-Effekt beschreibt somit einen Schutzmechanismus der Psyche, der je nach Ausprägung und Kontext entweder als beeindruckende Belastbarkeit oder als gefährliche soziale Gefühlskälte in Erscheinung tritt.
Literatur
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