Die Akasha-Chronik (von Sanskrit akasha für Äther, Himmel oder Raum) bezeichnet im tiefenpsychologischen und transpersonalen Kontext, ein hypothetisches, immaterielles Energiefeld oder ein „Weltgedächtnis“, in dem sämtliche Ereignisse, Gedanken, Gefühle und Erfahrungen der Menschheit seit Anbeginn der Zeit gespeichert sein sollen. Obwohl der Begriff ursprünglich aus der theosophischen Strömung des späten 19. Jahrhunderts (insbesondere durch Helena Blavatsky und später Rudolf Steiner) stammt, findet er in der Psychologie vor allem als Metapher oder Erklärungsmodell für Phänomene Verwendung, die über das individuelle Erleben hinausgehen. In der Analytischen Psychologie nach Carl Gustav Jung lässt sich eine deutliche Parallele zum kollektiven Unbewussten ziehen, wobei das individuelle Unbewusste persönliche Verdrängungen enthält, während das kollektive Unbewusste archetypische Strukturen und Erfahrungen umfasst, die allen Menschen gemein sind und als eine Art psychisches Erbe fungieren, das der Akasha-Chronik in seiner Universalität ähnelt.
In der Transpersonalen Psychologie wird die Akasha-Chronik oft als ein Feld diskutiert, das das menschliche Bewusstsein mit einer universellen Informationsmatrix verbindet. Hierbei werden Bezüge zur Quantenphysik und zur Theorie der morphischen Felder von Rupert Sheldrake hergestellt, um zu erklären, wie Informationen über Zeit und Raum hinweg ohne physische Träger übertragen werden könnten. Ein psychologisches Beispiel für den (subjektiven) Zugriff auf diese „Chronik“ ist das Phänomen der Intuition oder des plötzlichen „Einfalls“ (Heureka-Erlebnis), bei dem Individuen Informationen abrufen, die sie nicht durch direktes Lernen erworben haben können. Auch in der Hypnosetherapie oder bei Rückführungen berichten Klienten oft von detaillierten Erlebnissen aus anderen Epochen. Während die klassische Psychologie dies als Kryptomnesie (verborgenes Gedächtnis) oder Fantasieprodukt wertet, interpretieren transpersonale Ansätze dies gelegentlich als ein „Anzapfen“ dieses universellen Speichers. Ein weiteres Beispiel ist das Phänomen der Synchronizität, also das zeitgleiche Auftreten von innerpsychischen Zuständen und äußeren Ereignissen, die nicht kausal, aber sinnvoll miteinander verknüpft sind, was auf eine tiefere, ordnende Struktur des Bewusstseins hindeutet, die in der Akasha-Chronik hinterlegt sein könnte.
Kritisch betrachtet wird das Konzept innerhalb der akademischen, empirischen Psychologie jedoch zumeist abgelehnt oder lediglich als kulturhistorisches Narrativ bzw. als Projektionsfläche für das menschliche Bedürfnis nach Sinnstiftung und Verbundenheit behandelt. Dennoch bleibt es ein zentrales Konstrukt in der psychologischen Esoterikforschung, um das Verhältnis von individuellem Geist und einem postulierten universellen Informationsfeld zu beschreiben.
Literatur
Jung, C. G. (1934). Die Archetypen und das kollektive Unbewusste. Walter.
Laszlo, E. (2008). Zu Hause im Universum: Eine neue Vision der Wirklichkeit (1. Aufl.). Kamphausen.
Sheldrake, R. (2011). Das schöpferische Universum: Die Theorie des morphogenetischen Feldes (S. Schmidt, Übers.). Nymphenburger.
Steiner, R. (1904). Aus der Akasha-Chronik. Philosophisch-Anthroposophischer Verlag.
Tarnas, R. (1991). The Passion of the Western Mind: Understanding the Ideas That Have Shaped Our World View. Ballantine Books.