Pester Power

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Unter dem Begriff „Pester Power“ versteht man in der Psychologie und Konsumforschung die Fähigkeit von Kindern, ihre Eltern oder andere Bezugspersonen durch wiederholtes Bitten, Quengeln, Nörgeln oder emotionalen Druck dazu zu bewegen, bestimmte Produkte zu kaufen oder Wünsche zu erfüllen. Der Ausdruck lässt sich im Deutschen mit „Macht des Quengelns“ oder „Nörgelkraft“ übersetzen und beschreibt ein spezifisches Einflussverhalten, das vor allem im Kontext von Konsumentscheidungen relevant ist. Pester Power beruht auf entwicklungspsychologischen, sozialen und medialen Faktoren und wird insbesondere durch Werbung und Verkaufsstrategien gezielt verstärkt.

Psychologisch betrachtet nutzen Kinder dabei ihre begrenzte Impulskontrolle, ihre emotionale Direktheit und ihre Ausdauer, um Bedürfnisse durchzusetzen. Typisch ist, dass Kinder Wünsche nicht einmalig äußern, sondern diese wiederholt und situationsabhängig vorbringen, etwa im Supermarkt, an der Kasse oder vor laufendem Fernsehprogramm. Ein klassisches Beispiel ist ein Kind, das beim Einkauf immer wieder nach einer bestimmten Süßigkeit oder einem Spielzeug verlangt, das es zuvor in der Werbung gesehen hat, und dabei so lange insistiert, bis die Eltern aus Erschöpfung, Zeitdruck oder dem Wunsch nach Konfliktvermeidung nachgeben. Diese schwindende Nervenkraft ist ein zentrales Element von Pester Power und wirkt besonders effektiv in öffentlichen Situationen, in denen Eltern sich zusätzlich beobachtet oder beschämt fühlen.

Ein wesentlicher Verstärker von Pester Power ist der Einfluss von Werbung, denn Kinder fordern häufig gezielt Produkte, die sie aus dem Fernsehen, aus Online-Videos, sozialen Medien oder aus auffälligen Platzierungen im Einzelhandel kennen. Supermärkte nutzen dieses Wissen, indem sie Süßigkeiten, Sammelartikel oder bekannte Marken bewusst in Kinderaugenhöhe oder im Kassenbereich platzieren. Werbefachleute sprechen hier von einer indirekten Beeinflussung der Kaufentscheidung, da nicht die Eltern selbst, sondern die Kinder als „Überzeuger“ angesprochen werden. Kinder werden so frühzeitig an Marken gebunden und lernen, Konsumwünsche mit emotionalem Druck durchzusetzen.

Für Eltern entsteht dadurch häufig eine Drucksituation. Sie erleben das Verhalten ihrer Kinder als anstrengend, störend oder peinlich und geben nicht selten nach, um Ruhe herzustellen oder einen Streit zu vermeiden. Kurzfristig kann dies den Konflikt beenden, langfristig besteht jedoch die Gefahr, dass Kinder dieses Verhalten als erfolgreiches Mittel abspeichern und verstärkt einsetzen. Zudem kann Pester Power negative Folgen haben, etwa die Förderung ungesunder Ernährungsgewohnheiten durch den häufigen Konsum stark beworbener, zucker- oder fettreicher Produkte. Auch die Eltern-Kind-Beziehung kann belastet werden, wenn Kaufentscheidungen regelmäßig zu Machtkämpfen und emotionalen Auseinandersetzungen führen.

In der psychologischen Praxis und Erziehungsberatung wird daher empfohlen, bewusst mit Pester Power umzugehen. Als wirksam gelten klare und konsistente Regeln darüber, was gekauft wird und was nicht, sowie transparente Kommunikation über Gründe für Entscheidungen. Ebenso kann eine Reduktion von Werbekontakten, etwa durch altersgerechte Medienauswahl oder technische Werbefilter, den Druck auf Kinder verringern. Ein weiterer Ansatz ist die sogenannte „positive Pester Power“, bei der Kinder ermutigt werden, ihre Überzeugungskraft für sinnvolle oder gesunde Alternativen einzusetzen, etwa wenn sie lernen, selbst Obst oder gesunde Snacks einzufordern. Auch Verhandlungen und Kompromisse können hilfreich sein, um Kindern Mitbestimmung zu ermöglichen, ohne unreflektiert jedem Wunsch nachzugeben. Insgesamt zeigt Pester Power, wie eng kindliche Entwicklung, Mediennutzung und Konsumverhalten miteinander verknüpft sind und welche Bedeutung psychologisches Wissen für einen bewussten Umgang mit Kaufentscheidungen im Familienalltag hat.

Literatur

Gierl, H. (2020). Verkaufsförderung: Strategien und Instrumente für den Einzelhandel. Stuttgart: Kohlhammer.
Hoffmann, S., & Müller, S. (2018). Konsumentenverhalten: Eine Einführung. Wiesbaden: Springer Gabler.
Moser, K. (Hrsg.). (2015). Wirtschaftspsychologie. Berlin: Springer.
Valkenburg, P. J., & Cantor, J. (2001). The development of a child into a consumer. Journal of Applied Developmental Psychology, 22(1), 61–72.


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