Diglossie bezeichnet eine bestimmte Form der Zweisprachigkeit einer Gesellschaft, bei der es eine klare funktionale Differenzierung zwischen zwei sozial unterschiedlich gewerteten Sprachformen gibt, wobei es sich dabei meist um Varianten derselben Sprache handelt, etwa beim Nebeneinander von Dialekt und Standardsprache oder gesprochener Volkssprache und geschriebener Hochsprache.
Jahrzehntelang hielt sich im deutschen Sprachraum das Vorurteil, dass das Aufwachsen mit einem Dialekt ein Hindernis für die schulische und intellektuelle Entwicklung darstellt. Eine aktuelle Studie von Scharinger et al. (2026) widerlegt diese Annahme nun auf eindrucksvolle Weise und zeigt das genaue Gegenteil auf. Man konnte zeigen, dass die Beherrschung eines Dialekts neben der Standardsprache – die bilektale oder bivarietäre Kompetenz – zu strukturellen Veränderungen im Gehirn führt, die eins zu eins mit den positiven Effekten einer echten Zweisprachigkeit vergleichbar sind.Neurowissenschaften Für diese Untersuchung nutzte man hochauflösende Magnetresonanztomographie (MRT), um die Gehirnstrukturen von 26 Personen mit ausgeprägter Dialektkompetenz aus dem hessischen Raum mit denen von 23 rein standarddeutsch sozialisierten Personen zu vergleichen. Um die tatsächliche Dialektbeherrschung der Probanden objektiv zu messen, kam ein am Deutschen Sprachatlas entwickelter phonetischer Test zum historischen „ai“-Laut zum Einsatz. Dieser prüft, ob Sprecher in der Lage sind, die feinen historischen Lautunterschiede, die im modernen Hochdeutsch längst verschmolzen sind, im Dialekt korrekt zuzuordnen – eine Aufgabe, an der einsprachig Hochdeutschsprechende regelmäßig scheitern. Die morphologische Analyse der Gehirne konzentrierte sich auf die Messung der kortikalen Dicke der Großhirnrinde sowie das Volumen der grauen Substanz. Dabei offenbarten sich signifikante Unterschiede in genau den Arealen, die für die Sprachverarbeitung und die kognitive Kontrolle zuständig sind. Dialektsprechende wiesen messbar höhere Werte in der beidseitigen mittleren Schläfenlappenwindung auf, die eine zentrale Rolle bei der Verarbeitung von Lauten spielt. Zudem zeigten sich deutliche strukturelle Verstärkungen im innenliegenden Inselcortex, dem Herzstück des Sprachnetzwerks, sowie im orbitofrontalen Cortex, welcher für die kognitive Steuerung und den schnellen Wechsel zwischen verschiedenen Sprachsystemen, das sogenannte Code-Switching, verantwortlich ist. Da die Leistung im Sprachtest direkt mit dem Volumen in der Schläfenlappenwindung korrelierte, lässt sich der anatomische Unterschied zweifelsfrei auf das aktive Training und die lebenslange Übung im Dialektgebrauch zurückführen. Diese Ergebnisse machen deutlich, dass das ständige Navigieren zwischen Mundart und Hochdeutsch das Gehirn wie ein kognitiver Muskel trainiert. Dialektkompetenz ist somit kein Bildungsmakel, sondern ein wertvoller hirnphysiologischer Zugewinn, der genau jene mentalen Kapazitäten stärkt, die auch für das Erlernen weiterer Fremdsprachen von Vorteil sind.
Ihn Afrika benutzten die Menschen etwa im häuslichen Umfeld ihre Ursprungssprache, im offiziellen Bereich wie bei Behörden oder Ämtern Englisch oder Französisch. Dabei werden die verschiedenen Lebenswelten sprachlich streng voneinander getrennt, sodass viele Menschen jene Wörter, die sie nur in einem der Umfelder gebrauchen, in der anderen Sprache gar nicht kennen.
Literatur
Scharinger, M., Schmidt, J. E., Sommer, J., & Jansen, A. (2026). Brain-structural differences underlying dialect competence in the bilingual network. Scientific Reports, 16(1), doi:10.1038/s41598-026-59884-y
Stangl, W. (2026, 17. Juli). Dialektkompetenz formt das Gehirn nach dem Vorbild der Zweisprachigkeit . arbeitsblätter news.
https:// arbeitsblaetter-news.stangl-taller.at/dialektkompetenz-formt-das-gehirn-nach-dem-vorbild-der-zweisprachigkeit/.