Überlegenheitsillusion

Die Psychologie hat nachgewiesen, dass ein gewisses Ausmaß an Selbstüberschätzung bei den Menschen dazu führt, die eigenen Fähigkeiten und Stärken systematisch und konsequent zu überschätzen, die eigenen Fehler und Schwächen aber zu unterschätzen, wobei diese selbstwertdienliche Überzeugung die Wahrnehmung in den meisten Lebensbereichen bestimmt. In der Psychologie bezeichnet man diese Wahrnehmung als Überlegenheitsillusion – umgangssprachlich meist als Selbstüberschätzung bezeichnet – jene positive Sicht in Bezug auf die eigenen Fähigkeiten und die eigene Persönlichkeit , die Menschen dabei auch hilft, nach neuen Zielen zu streben und Herausforderungen zu bewältigen. Diese Überlegenheitsillusion ist offensichtlich eines der Grundmerkmale der menschlichen Psyche, denn Menschen neigen wohl generell dazu, sich selbst grundsätzlich besser einzuschätzen als die anderen und als sie objektiv betrachtet tatsächlich sind. Evolutionär betrachtet kann die Überlegenheitsillusion als lebenswichtig eingestuft werden, denn schließlich ist sie eine  Quelle der Hoffnung, die mit jedem kleinen Erfolg genährt wird.

In neuesten Untersuchungen (Yamada et al. 2012)  zeigte sich nun, dass bei Menschen, die sich als sehr überlegen einschätzen, jene zwei Gehirnareale weniger miteinander verknüpft sind, in denen das Selbstbild zustande kommt (sensomotorisches Striatum) und das Kontrollzentrum des Denkens (der anteriore cinguläre Cortex), sodass die Impulse aus dem für das Selbstbild zuständigen Areal dominieren und damit auch die Neigung steigt, sich übersteigert positiv zu sehen. In konträrer Weise ist die Kommunikation zwischen diesen Gehirnarealen bei stark Depressiven gehemmt, vermutlich auf Grund der gestörten Balance der Hirnbotenstoffe Dopamin und Serotonin.

Übrigens: Man hat in Untersuchungen festgestellt, dass Yoga zur Selbstüberschätzung führen kann. Yoga löst zwar immer zuerst einmal Glücksgefühle aus, wobei die Yoga-Philosophie annimmt, dass Yoga zu einem realistischeren Selbstbild führt, das schließlich diese Gefühle erzeugen soll. Diese Studie hat jedoch entdeckt, dass das, was die Glücksgefühle erzeugt, die Selbstüberschätzung ist. Generell löst ein realistisches Selbstbild nämlich keine Glücksgefühle aus, während das ein übersteigert positives Selbstbild hingegen schon tut. Man kennt dieses Phänomen seit Jahrzehnten in anderen Bereichen, wie etwa dem Autofahren. Auch Menschen, die sich für die hilfsbereiteste Person der Welt halten oder glauben, der Welt Gerechtigkeit zu bringen, basieren auf Narzissmus, der durch Yoga etwas zuzunehmen scheint. Zwar hat die Selbstüberschätzung im Buddhismus und auch in der christlich geprägten Welt ein eher schlechtes Image, doch die Forschung zeigte auch, dass sich eine leichte Selbstüberschätzung positiv auf das Wohlbefinden auswirkt. Das gilt übrigens auch für Meditierende, denn bei vielen Meditationen geht es um liebende Güte, wobei auch hier der Effekt ist, dass der meditierende Mensch meint, besonders gütig zu sein, gütiger als andere Menschen.

Literatur

Makiko Yamada, Lucina Q. Uddin, Hidehiko Takahashi, Yasuyuki Kimura, Keisuke Takahata, Ririko Kousa, Yoko Ikoma, Yoko Eguchi, Harumasa Takano, Hiroshi Ito, Makoto Higuchi, & Tetsuya Suhara (2013). Superiority illusion arises from resting-state brain networks modulated by dopamine PNAS 2013; published ahead of print February 25, 2013, doi:10.1073/pnas.1221681110.
https://www.spiegel.de/psychologie/yoga-erzeugt-gluecksgefuehle-aber-anders-als-gedacht-a-d6b4333b-d6bc-4bee-bf6b-97e4e0c91537 (22-01-29)



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