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Dysmorphophobie


Dysmorphophobie – auch körperdysmorphe Störung oder Entstellungssyndrom – beschreibt eine Störung der Wahrnehmung des eigenen Körpers, wobei die psychologische Grundlage der Körperschemastörung das Konzept des Körperschemas darstellt. Das Körperschema ist die Vorstellung eines Menschen vom eigenen Körper hinsichtlich seiner raumlichen Ausdehnung und Lage im Raum, und kann auch als Orientierung am eigenen Körper beschrieben werden. Die Orientierung am eigenen Körper ändert sich entsprechend den Informationen aus Körper und Umwelt, wobei diese Informationen durch verschiedene sensible und sensorische Reize aus der Peripherie des Körpers zustande kommen – auch als Propriozeption bezeichnet. Diese entwickeln einen von sensiblen oder sensorischen Reizen unabhängigen Vorstellungscharakter, wobei die körperliche Orientierung durch soziale Informationen, wie etwa der Namensgebung der Körperteile vermittelt wird. Mit Dysmorphophobie oder körperdysmorphe Störung bezeichnet man also die Symptomatik bei Menschen, die sich in ihren eigenen Augen als entstellt, abstoßend oder hässlich empfinden,  sich dafür hassen und vor sich selbst ekeln. Dadurch entwickeln die Betroffenen oft eine panische Angst vor Ablehnung und negativen Reaktionen der Mitmenschen.

Eine Dysmorphophobie betrifft Menschen, die krankhaft unzufrieden mit ihrem Körper oder einzelnen Körperteilen sind. Eine Dysmorphophobie führt schließlich dazu, dass sich die Betroffenen als hässlich oder entstellt wahrnehmen, wobei nicht immer die gesamte Erscheinungform sondern oft nur einzelne Körperteile wie Brüste, Hüften, Ohren, Nase, Haut, Haare, Augen, Arme oder Beine betroffen sind. Eine solche körperdysmorphe Störung ist nicht selten mit Depressionen oder sozialen Angststörung verbunden. Die Angst vor den prüfenden Blicken anderer führt zur Vermeidung sozialer Situationen, aus der sich sozialer Rückzug bis hin zur Isolation entwickeln können. Die Betroffenen begeben sich nur noch ganz selten in Gesellschaft, scheuen jeden Kontakt, werden arbeitsunfähig und sozial ausgegliedert.

Bei der Dysmorphophobie handelt es sich also letztlich um eine psychische Erkrankung, bei der Betroffene Befürchtungen haben, durch einen Defekt im Aussehen stark entstellt zu sein. Es handelt sich dabei um eine subjektive Einschätzung, die für Außenstehende nicht nachzuvollziehen ist. Aufgrund dieser Angst zeigen Dysmorphophiker bestimmte Verhaltensweisen, die sich zum einen auf das Überprüfen und zum anderen auf das Kaschieren dieses scheinbaren Makels beziehen. Menschen mit dieser Störung sind meist überdurchschnittlich sensibel für ästhetische Proportionen und registrieren schon minimale Abweichungen von einem fiktiven Idealbild.

Wenn Menschen manche ihrer Körperteile für hässlich bzw. entstellt halten, ohne dass andere Personen diesen Eindruck teilen, spricht man von körperdysmorphen Störungen oder Dysmorphophobie.  Die körperdysmorphe Störung hat vor allem bei Jugendlichen in den vergangenen Jahren stark zugenommen. In mehr als achtzig Prozent tritt die körperdysmorphe Störung in der Pubertät zum ersten Mal auf, also jener Zeit, in der Menschen die meisten Entwicklungsaufgaben leisten muss, wobei sich um sein Aussehen zu kümmern,  zu einer Strategie gegen die typische Unsicherheit in diesem Alter wird. Die die zahlreichen Videos , die vor allem Mädchen in diesem Alter ins Internet stellen, bezeugen die Bedeutung des Aussehens für diese Altersgruppe. Vor allem die in den Medien vermittelten Schönheitsideale spielen eine Rolle, denn in ihnen sind die Attraktiven meist auch die Erfolgreichen.

Die Mängel machen machen manche Menschen an einem oft kleinen Makel oder Schönheitsfehler fest, der für Außenstehende oft gar nicht erkennbar ist, da er allein in den Augen der Betroffenen existiert. Dies kann eine Asymmetrie des Gesichtes oder eine in den eigenen Augen schiefe  oder zu große Nase sein, die ihr Äußeres Erscheinungsbild verunstaltet. Sie reduzieren ihre Existenz auf diesen einzigen Makel und sehen sich wie in einem Zerrspiegel. Kurioserweise halten manche Menschen, die unter einer Dysmorphophobie leiden, andere Betroffene für äußerst attraktiv. Dysmorphophobie ist letztlich eine gestörte Selbstwahrnehmung, die mit starker Selbstablehnung bis hin zu Hass auf sich selbst und seinen Körper verbunden sein kann. Hinzu kommt meist, dass sich die Betroffenen unentwegt in Gedanken mit ihrem Äußeren beschäftigen, was sie ändern müssten, um perfekt auszusehen, wie sie auf andere wirken und wie diese auf sie reagieren könnten. Je man sie sich mit seinem Aussehen beschäftigt, umso mehr fokussiert sich der Blick auf die scheinbaren Schönheitsmakel und umso mehr verfestigt also sich der Eindruck der eigenen Unattraktivität. Viel Zeit wird von den Betroffenen für Kontrollrituale aufgewendet, um das eigene Aussehen im Spiegel, in Fensterscheiben, auf dem Handydisplay zu überprüfen oder permanent andere zum eigenen Aussehen zu befragen. Dysmorphophobie führt häufig zur Vermeidung sozialer Situationen und zur Vereinsamung bis hin zu Depression, Selbsthass und manchmal sogar Suizid. Die Betroffenen sprechen daher mit niemanden über ihr Problem, und ziehen sich aus Scham und Angst vor einer negativen Bestätigung immer weiter zurück.

Als Ursache vermutet man ein übermäßig behütendes Elternhaus, etwa durch die Erfahrung, zurückgewiesen oder häufig kritisiert worden zu sein, sodass es den Betroffenen an Selbstwertgefühl fehlt und an der Fähigkeit, Konflikte auszuhalten und zu lösen. Die Dysmorphophobie ist übrigens eine der Ursachen für viele Wünsche, die an die kosmetische Chirurgie herangetragen werden.  Ein bekanntes Beispiel einer solchen Störung ist auch das Dorian-Gray-Syndrom, bei dem Betroffene das Bedürfnis haben, nicht altern zu wollen.

In der Therapie versucht man die verzerrten Vorstellungsbilder zu verändern bzw. zu überschreiben, wobei diese häufig in Zusammenhang mit negativen autobiografischen Erfahrungen stehen. Psychotherapeutische Methoden gelten bei Dysmorphophobie als Behandlung der ersten Wahl.

Literatur

Stangier, U. & Hungerbühler, R. (2001). Eingebildete Häßlichkeit: Die Körperdysmorphe Störung aus psychologischer Sicht. Zeitschrift für Klinische Psychologie, 30, 77-83.
Veale, D., Gournay, K., Dryden, W., Boocock, A., Shah, F., Willson, R. & Walburn, J.(1996). Body dysmorphic disorder: A cognitive behavioural model and pilot randomised controlled trial. Behaviour Research Therapy, 34, 717-729.
http://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/glossar (11-09-21)


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