Verstärkung

Durch eine Verstärkung – Setzen einer positiven Konsequenz oder Wegnahme einer negativen Konsequenz – kommt es nach der psychologischen Lerntheorie zu der Erhöhung der Auftretenswahrscheinlichkeit eines Verhaltens.

Das synaptisches Lernen im Cortex, also das Verstärkungslernen, hängt vom Feedback aus tieferen Gehirnregionen ab. Im Cortex, der für höhere kognitive Funktionen zuständig ist, werden eintreffende Informationen bewertet und gefiltert, bearbeitet und dann in andere Gehirnareale geschickt. Solche Feedbackschleifen sind wichtig für das Lernen und das Anpassen an neue Sinnesinformation. Ein Beispiel: Im Durchschnitt besitzen Katzen 24 Schnurrbarthaare (Vibrissae), je zwölf auf jeder Seite der Nase in vier horizontalen Reihen angeordnet, wobei diese nichts anderes sind als versteifte und verlängerte Haare, jedoch dreimal so tief in der Haut verankert wie normale Haare. Einige wachsen auch über den Augen, an den Wangen, am Kinn und an der Rückseite der Vorderbeine, und sie sind für die Existenz einer Katze so wichtig, dass wenn einer Katze ein Schnurrbarthaar ausfällt, es wieder nachwächst. Die Schnurrbarthaare der Katze dienen als Tastsinn und liefern wertvolle Information über die Umgebung. Der Cortex der Katze, der die taktile Information verarbeitet, optimiert dauernd seine Synapsenverbindungen, und zwar in einem Feedback-Schaltkreis, der mit den Schnurrbarthaaren zusammenhängt und eine bestimmte Region im Cortex aktiviert, die für Tastempfindungen zuständig ist.

1. Definition
Verstärkung ist ein Begriff aus der Verhaltenspsychologie. Es zeigt die Beeinflussung der Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Verhaltensweisen durch Reize. Man unterscheidet zwischen positiver Verstärkung (z.B. durch Nahrung im Zustand des Hungers) und negativer Verstärkung (z.B. durch das Ausbleiben oder Nachlassen schmerzhafter Reize). Letztere ist von der Bestrafung zu unterscheiden.
In der Lerntheorie wird das Phänomen der Verstärkung unterschiedlich begründet: als eine Triebbefriedigung, als Erregungszunahme oder als Stiftung von Erwartungen (ohne Autor, 1999, zit. nach Foppa, 1965).

2. Definition
Das psychologische Wörterbuch beschreibt die Verstärkung als eine wesentliche Vorraussetzung zum Erlernen von Verhaltensweisen und deren Verfestigung im Verhaltensrepertoire.
Die Verstärkung ist ein Bestandteil der Verhaltenstheorie zum Abbau von Fehlverhalten und Aufbau erwünschten Verhaltens (vgl. Häcker & Stapf, 1998, S. 930).

3. Definition
Verstärkung ist ein zentraler Begriff in den Lerntheorien der Reiz-Reaktions-Theoretiker. Er wird dort als Maßnahme zur Lösung von Trieb- und Bedürfnisspannungen verstanden. Bezieht sich die Verstärkung auf einen primären Trieb (z.B. Futtergabe bei Hunger), spricht man von einem primären Verstärker. Auf primäre Verstärker reagiert jedes Lebewesen einer bestimmten Art ohne vorausgegangene Lernprozesse. Die sekundäre oder konditionierte Verstärkung ist dagegen erworben, d.h. sie verdankt ihre Wirkung einem Lernprozess aufgrund einer zeitweisen früheren Verbindung mit einem primären Verstärker. Solche sekundäre Verstärker sind z.B. die vielfältigen Arten von Lob, Tadel, Erfolg und Misserfolg bei der Auseinandersetzung mit Lernproblemen (Köck & Ott, 1976, S. 431f).

4. Definition
Das Wörterbuch der Erziehung befasst sich mehr mit den empirisch auffindbaren Gesetzmäßigkeiten der Verhaltensänderungen als Funktion der Verstärkung als mit dem Problem, warum eigentlich ein Verstärker verstärkend wirkt. Diskutiert werden in diesem Zusammenhang die triebreduzierende Wirkung (Hunger – Nahrung), der motivierende Anreiz (z.B. durch Spielzeug oder verbale Ermunterung) und die Informationsrückkopplung (Hinweis auf den Grad der Richtigkeit einer Reaktion, bezogen auf die Kriterien korrekter Aufgabenlösung), der Verstärker (vgl. Wulf, 1984, S. 390).

5. Definition
Auch andere Autoren sind der Auffassung, dass (positive) Verstärkung einen wesentlichen Einfluss auf das Verhalten von Menschen hat. Wenn ein hungriges Kind auf sein „Bitte-Sagen“ hin Nahrung erhält, so wird zunächst eine erwünschte Verhaltensform primär verstärkt. Nun kann die Formulierung „braver Junge“ mit der Nahrungsabgabe gekoppelt werden. Nach einigen Wiederholungen kann die Formulierung „braver Junge“ auch ohne Nahrungsabgabe zum „Bitte-Sagen“ führen. Die Aussage „braver Junge“ wirkt auf die Reaktion „bitte“ als sekundärer Verstärker (Popp, 1991, zit. nach Klausmeier & Ripple, 1973, S. 61ff).

Verwendete Literatur
Häcker, H. & Stapf, K. (1998). Dorsch Psychologisches Wörterbuch. Bern: Verlag Hans-Huber.
Köck, P. & Ott, H. (1994). Wörterbuch für Erziehung und Unterricht. Donauwörth: Verlag Ludwig Auer.
Ohne Autor. (1999). Brockhaus – Die Enzyklopädie, 19. Aufl., Band 23. Leibzig: Verlag Brockhaus.
Popp, M. (1991). Einführung in die Grundbegriffe der allgemeinen Psychologie. Basel: Verlag E. Reinhartdt.
Wulf, C. (1984). Wörterbuch der Erziehung: München: Verlag Piper.



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