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Ganzheitspsychologie


Die Ganzheitspsychologie stellt weniger eine eigene Richtung innerhalb der Psychologie dar als vielmehr einen Denkansatz der Psychologie, den ganzen Menschen in den Vordergrund zu stellen. Begründet von Felix Krueger und in der Leipziger Schule vertretene Sichtweise von der Ganzheit des Erlebens stellt sie eine Gegenrichtung zur Elementenpsychologie bzw. des Assoziationismus dar, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts von der Annahme ausging, das Ganze sei nicht durch die Summe seiner Teile beschreibbar oder durch die Zergliederung in seine Elemente erklärbar (Gestaltpsychologie).


Die Ganzheitspsychologie geht nicht von isolierten psychischen Funktionen aus, sondern betont die Ganzheit des Menschen und  wendet sich gegen einen Mechanismus.  Die Ganzheitspsychologie geht von emotionstheoretischen Fragestellungen aus (vgl. Städtler 2003, S.343).

Die Ganzheitspsychologie „überwand in exakter Forschung die im 19.Jh. herrschende Annahme von der Zusammengesetztheit alter Bewußtseinsgegebenheiten aus „Elementen“ und ging auf die Ganzheitlichkeit und Gestaltetheit des Seelischen  in allen seinen Bereichen zurück“ (Hehlmann 1971,S. 183).

Die Ganzheitspsychologie ist eine Psychologie, die davon ausgeht, dass das Ganze mehr als die Summe der Teile ist und vor den Teilen besteht. Sie hat auch eine große Bedeutung für die pädagogische Praxis wie zum Beispiel der ganzheitl. Unterricht (vgl. Odenbach 1970, S. 214).

Die Ganzheitspsychologie sieht den menschliche Organismus als Gestalt, als organisches Ganzes und betont die Einheit kognitiver, emotionaler und somatischer Aspekte. Daraus ergibt sich eine Anschauungsweise psychischer Teilfunktionen. Im Organismus ist jeder Teil mit einem andern verbunden (vgl. Asanger, Wenninger,1980).

„Nach der Vorstellung der Ganzheitspsychologie ist eine Wahrnehmung eine psychische Ganzheit, die nicht allein aus einem Reiz, sondern auch aus dem durch diesen ausgelösten Gefühl besteht, so dass sich auch eine andere Wahrnehmung ergibt, wenn das Gefühl sich ändert“ (Koschnick 1995).


Das Umgreifende bei Karl Jaspers

Übrigens hat eine spezielle und spirituelle Form der Ganzheit Karl Jaspers, Psychiater und Philosoph, vertreten. Er habilitiert sich mit einer “Allgemeinen Psychopathologie” in Psychologie, die noch heute ein Standardwerk darstellt, und entwickelte darin einen neuen Ansatz, über das Seelische zu sprechen. Jaspers versteht jede menschliche Äußerung als Erscheinung eines unbekannten und unendlichen Ganzen, wobei sich psychologisches und philosophisches Denken ergänzen. Jaspers, der sich u. a. mit Kierkegaard, Nietzsche, Kant und Hegel beschäftigt hatte, war auch Professor für Psychologie in Heidelberg und später für Philosophie, auch wenn er das Fach nie studiert hatte. Danach beschäftigte sich Jaspers nun philosophisch mit der Frage des Seins, wobei einer seiner Schlüsselbegriffe “das Umgreifende” war, das sich für ihn in der Existenz des Menschen sowie in der Transzendenz des Ganzen der Welt widerspiegelt, auch wenn es der Mensch nicht in seiner Ganzheit erfassen kann. Themen dabei waren menschliche Krisen wie Leid, Schuld und Tod, in sich der Mensch als existenzielle Prüfungen auf sich zurückgeworfen erlebt. Ein zentraler Begriff für Jaspers war auch die Kommunikation: “Ich muss veröden, wenn ich nur ich bin.” Karl Jaspers gilt heute als einer der Hauptvertreter der Existenzphilosophie.

Literatur

Handwörterbuch der Psychologie  (1980), Beitz Verlag.
Lexikon der Psychologie (2003), Kröner Verlag.
Wörterbuch der Pädagogik (1971), Kröner Verlag.
Lexikon der Schulpädagogik (1970), Westermann Taschenbuch
Medialexikon

 


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