Tokensystem

Ein Tokensystem (token economy, Münzökonomie) ist ein Verfahren der operanten Konditionierung zur Verstärkung erwünschten Verhaltens. Eine Person kann Symbolgeld erwerben, indem sie das gewünschte Verhalten zeigt; anschließend kann sie die Chips gegen Vergünstigungen oder Leckereien eintauschen. Tokensysteme beruhen meist auf dem Prinzip der intermittierenden Verstärkung, wobei ein Problem bei der Umsetzung von Verstärkungsplänen in die Praxis darin besteht, dass nicht immer und in allen Situationen willkürlich über wirksame Verstärker verfügt werden kann. Eine Lösung des Problems besteht darin, sog. “tokens” (Chips, Spielmarken) zu verwenden, die gegen die eigentlichen Verstärker eingetauscht werden können.
Whitlock (1966) berichtet z.B. von dem Fall eines Jungen, der Probleme beim Lesenlernen hatte. Im Rahmen eines Förderkurses bekam er für jede richtige Reaktion eine Spielmarke. Sobald er 36 Marken gesammelt hatte, konnte er dafür bestimmte Verstärker einhandeln (z.B. Vorlesen einer Geschichte, Kinobesuch). Zu Beginn des Programms wurde jede richtige Reaktion (d.h. jedes korrekt gelesene Wort) verstärkt. Im Laufe der Zeit wurde die Verstärkungshäufigkeit reduziert (eine Spielmarke pro zwei Wörter, pro vier Wörter, pro gelesener Seite, pro Geschichte und schließlich pro vier Geschichten), bis schließlich am Ende (nach 15 Stunden Förderkurs) die Verstärkung gänzlich ausgeblendet wurde. Die Leseleistung des Kindes konnte durch das Tokenprogramm wesentlich verbessert werden. Diese Verbesserung erwies sich darüber hinaus als zeitlich stabil und ging auch mit einer positiven Einstellungsänderung einher. Ein wesentlicher Aspekt der Wirksamkeit eines Tokensystems besteht im Übergang von kontinuierlicher zu intermittierender Verstärkung, denn zum einen ist kontinuierliche Verstärkung außerhalb eines psychologischen Labors kaum möglich, zum anderen führt die intermittierende Verstärkung zu größerer Persistenz des Verhaltens. Tokensysteme wurden mit großem Erfolg auch in psychiatrischen Anstalten eingesetzt. Dort wurde meist versucht, z.B. Hygieneverhalten, Pünktlichkeit oder Ähnliches zu verstärken, aber auch direkt therapeutische Wirkungen zu erzielen (z.B. Belohnung für nicht-wahnhafte Äußerungen oder aktives Kontaktverhalten; als Verstärker wurden verwendet: besonderes Essen, verlängerte Fernsehzeit, Einzelzimmer, Gespräch mit Psychologen).

Literatur
Stangl, W. (2012). Anwendung der operanten und instrumentellen Konditionierung. [werner stangl]s arbeitsblätter.
WWW:  https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LERNEN/KonditionierungToken.shtml (12-08-21)



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