Der Begriff Freundschaft plus – abgekürzt als F+ oder im Englischen als Friends with Benefits, kurz FWB – bezeichnet in der Psychologie und Soziologie eine Beziehungsform, die Elemente einer klassischen, platonischen Freundschaft mit regelmäßigen sexuellen Interaktionen verbindet, ohne dabei den Anspruch auf eine romantische Paarbeziehung, Exklusivität oder eine gemeinsame langfristige Lebensplanung zu erheben.
Diese Form der Interaktion wird oft als hybride Beziehungsform klassifiziert, da sie sich im Spannungsfeld zwischen unverbindlichem Gelegenheitssex (One-Night-Stand) und einer festen Partnerschaft bewegt. Ein zentrales Merkmal ist das Fehlen von Commitment (Verbindlichkeit), was den Beteiligten theoretisch erlaubt, die Vorteile emotionaler Nähe und körperlicher Intimität zu genießen, während sie gleichzeitig ihre individuelle Autonomie wahren.
Psychologisch betrachtet basiert das Modell häufig auf der Vermeidung von Beziehungsstress oder dem Wunsch nach Flexibilität in Lebensphasen, die wenig Raum für partnerschaftliche Kompromisse lassen. Ein typisches Beispiel für eine Freundschaft plus ist ein Szenario, in dem zwei Personen seit Jahren befreundet sind, gemeinsame Hobbys teilen und sich emotional unterstützen, sich jedoch dazu entscheiden, ihre Treffen um sexuelle Handlungen zu ergänzen, ohne dass sich dadurch ihr sozialer Status als „Single“ oder die Dynamik innerhalb ihres gemeinsamen Freundeskreises offiziell ändert. Ein weiteres Beispiel wäre das bewusste Aushandeln von Regeln, wie etwa das Verbot von „Übernachtungen mit Kuscheln“ nach dem Sex, um die emotionale Distanz zu wahren und die Entstehung romantischer Gefühle zu verhindern.
Die Forschung zeigt jedoch, dass diese Beziehungsform eine hohe psychische Komplexität aufweist: Oft tritt eine emotionale Asymmetrie auf, bei der ein Partner im Laufe der Zeit tiefere Bindungswünsche entwickelt, während der andere am rein funktionalen Aspekt festhält. Dies führt häufig zum sogenannten „Paradox der Intimität“: Während die sexuelle Nähe zunimmt, muss die emotionale Exklusivität aktiv unterdrückt werden, um das Modell nicht zu gefährden. Psychologische Studien identifizieren zudem verschiedene Subtypen, wie etwa die „Transitionale Freundschaft plus“, die als Testlauf für eine spätere Beziehung dient, oder die rein „Netzwerk-basierte F+“, bei der die sexuelle Interaktion innerhalb einer Peer-Group stattfindet. Trotz der intendierten Unbeschwertheit erfordert das Modell ein hohes Maß an Kommunikationskompetenz und Metakommunikation, um Missverständnisse und den potenziellen Verlust der ursprünglichen Freundschaft zu vermeiden, falls die sexuellen Erwartungen oder emotionalen Zustände divergieren.
Literatur
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