Situationship

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Der Begriff Situationship – ein Kofferwort aus den englischen Begriffen situation und relationship – beschreibt im psychologischen und soziologischen Kontext eine Form der zwischenmenschlichen Paarbeziehung, die sich in einem undefinierten Raum zwischen einer unverbindlichen Affäre und einer festen, exklusiven Partnerschaft bewegt.

Charakteristisch für eine Situationship ist das bewusste oder unbewusste Fehlen von klaren Etiketten, verbindlichen Absprachen oder einer gemeinsamen Zukunftsperspektive, obwohl die Beteiligten oft eine hohe emotionale und physische Intimität teilen, die über Gelegenheitssex hinausgeht.

Psychologisch betrachtet spiegelt dieses Phänomen häufig eine Ambivalenz gegenüber Bindung wider, die durch gesellschaftliche Veränderungen wie die Digitalisierung des Dating-Marktes und das Konzept der „flüchtigen Moderne“ nach Bauman (2003) verstärkt wird. In einer Situationship genießen die Akteure die Vorteile einer Paarbeziehung – etwa emotionale Unterstützung, Regelmäßigkeit und körperliche Nähe –, ohne jedoch die soziale Verantwortung und die moralischen Verpflichtungen einzugehen, die mit einem offiziellen Beziehungsstatus verbunden wären.

Ein klassisches Beispiel hierfür ist ein Paar, das über Monate hinweg den Alltag teilt, die Freunde des jeweils anderen kennt und tiefgreifende persönliche Gespräche führt, jedoch konsequent die Definition des Beziehungsstatus („Was sind wir eigentlich?“) vermeidet oder diese mit Verweisen darauf, „den Moment genießen“ zu wollen, abtut.

Für die Psychologie ist dabei insbesondere die Diskrepanz zwischen den Bedürfnissen der Beteiligten von Bedeutung: Während ein Part die Unverbindlichkeit als Freiheit und Selbstschutz erlebt – oft korrelierend mit einem vermeidenden Bindungsstil –, kann der andere Part aufgrund der mangelnden Sicherheit und der chronischen Ungewissheit erhebliche psychische Belastungen entwickeln. Diese relationale Unsicherheit führt häufig zu Stresssymptomen, Angstzuständen und einer Minderung des Selbstwertgefühls, da die Validierung durch ein klares Commitment fehlt. I

n der klinischen Beobachtung zeigt sich, dass Situationships oft durch ein Machtungleichgewicht geprägt sind, bei dem derjenige mit dem geringeren Bindungswunsch die Regeln der Interaktion bestimmt. Die Abgrenzung zu „Friends with Benefits“ (Freundschaft plus) liegt primär in der emotionalen Tiefe und der Zeitinvestition, die bei einer Situationship oft das Niveau einer romantischen Beziehung erreichen, während bei Ersterer die freundschaftliche Basis und die sexuelle Komponente im Vordergrund stehen.

Letztlich fungiert die Situationship als Symptom einer modernen Dating-Kultur, in der die Maximierung von Optionen (Choice Overload) und die Angst vor emotionaler Verletzlichkeit die Etablierung stabiler Bindungen erschweren, was langfristig die Fähigkeit zur dyadischen Coping-Strategie und zur tieferen Intimitätsentwicklung beeinträchtigen kann.

Literatur

Bauman, Z. (2003). Liquid love: On the frailty of human bonds. Polity Press.
Drouin, M., & Miller, D. A. (2015). Why are they texting? Differences in motives for sexting and the expectation of outcome in committed and casual relationships. Computers in Human Behavior, 26(6), 1561-1568.
Knobloch, L. K., & Solomon, D. H. (2002). Relational uncertainty and message production within courting couples. Communication Monographs, 69(3), 244-263
Stanley, S. M., Rhoades, G. K., & Whitton, S. W. (2010). Commitment: Interdisciplinary perspectives on meaning and measurement. Journal of Family Theory & Review, 2(4), 243-257.


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