Dum spiro spero.
Marcus Tullius Cicero
Hoffnung, das ist die Illusionskraft der Seele, die in ihrer Illusion neun Zehntel des Glücks, das sie erwartet, vorweg genießt.
Gerhard Hauptmann
Die Hoffnung ist die Schwester der Dummheit.
Robert Seethaler: Das Café ohne Namen
Hoffnung spielt insofern eine wichtige Rolle in der Psychologie, da sie das menschliche Verhalten, die Emotionen und die psychische Gesundheit beeinflusst. Dabei wird Hoffnung als positives Gefühl oder Erwartung auf zukünftigen Erfolg oder positive Veränderungen definiert, der die Motivation und den Glauben an die eigenen Fähigkeiten steigern kann. Aus der Sicht der Psychologie ist Hoffnung also eine positive Erwartungsemotion, die mit Zuversicht, Selbstvertrauen, Zutrauen zur Zielsetzung, optimistische Spannung, Zukunftssehnsucht verbunden ist. Es gibt verschiedene Faktoren, die die Hoffnung eines Menschen beeinflussen können, im Wesentliches sind es persönliche Erfahrungen, kulturelle Normen und die aktuelle Lebenssituation, wobei Menschen, die in schwierigen Lebenssituationen leben, oft mit einer geringeren Hoffnung konfrontiert sind.
Untersuchungen haben gezeigt, dass Hoffnung einen positiven Einfluss auf die psychische Gesundheit haben kann, denn Menschen mit einem hohen Ausmaß an Hoffnung haben tendenziell weniger Angst und Depressionen, da sie besser mit belastenden Situationen umgehen können. Hoffnung ist darüber hinaus ein Bewältigungsmechanismus, der es Menschen ermöglicht, schwierige Lebenssituationen zu meistern, denn Hoffnung ermöglicht es, sich auf positive Ergebnisse zu konzentrieren und Lösungen zu suchen, anstatt sich auf negative Aspekte zu fixieren. Hoffnung kann auch die Leistung in verschiedenen Lebensbereichen, wie Bildung, Beruf und Sport, steigern, denn Menschen mit großer Hoffnung setzen sich ehrgeizige Ziele und arbeiten hart daran, diese auch zu erreichen.
Die Psychologie hat darüber hinaus Strategien entwickelt, um die Hoffnung bei Menschen zu fördern, die sie benötigen, etwa in Form von therapeutischen Interventionen, Coaching oder pädagogischen Programmen, um die Hoffnung als Ressource zur Bewältigung von Herausforderungen zu stärken. Es gibt dabei verschiedene Möglichkeiten, die Hoffnung zu stärken, dazu gehören etwa positive Gedanken und Einstellungen entwickeln, sich auf die eigenen Stärken und Ressourcen konzentrieren, sich Ziele setzen und sich für deren Erreichung einsetzen, in Kontakt mit anderen Menschen treten.
In der Psychologie wird Hoffnung häufig in Verbindung mit der Positiven Psychologie untersucht, die sich mit den positiven Aspekten des menschlichen Lebens, wie Glück, Wohlbefinden und Sinnfindung beschäftigt. Hoffnung wird in diesem Zusammenhang als eine wichtige Ressource für ein erfülltes Leben angesehen.
Der Psychologe Snyder entwickelte eine Hoffnungstheorie, die besagt, dass Hoffnung aus zwei Hauptkomponenten besteht: der Entschlossenheit, sich auf ein Ziel zuzubewegen (agency) und der Erwartung, dass man Wege findet, dieses Ziel auch zu erreichen (pathways). Aufbauend auf diesen beiden Komponenten entwickelte Snyder verschiedene Varianten der Hope Scale (Hoffnungsskala), um die individuelle Ausprägung der Hoffnung bei Personen zu messen. Ein Item zur Erfassung der Komponente agency lautet etwa „I energetically pursue my goals“, ein Item für die Erfassung der Komponente pathways „There are lots of ways around any problem“. Snyder nimmt an, dass hoffnungsvolle Menschen ihr Ziel stärker fokussieren, denn sie lassen sich weniger schnell entmutigen und suchen nach alternativen Wegen, wenn sie auf Hindernisse treffen. Hoffnungslose Personen hingegen verfangen sich eher in zielhemmenden Gedanken, tun sich schwer damit, neue Lösungswege zu generieren, und geben dementsprechend schneller auf. So konnte Snyder u. a. zeigen, dass Studierende, bei denen die Hoffnung stärker ausgeprägt ist, bessere Notendurchschnitte erzielen und ihr Studium häufiger mit Erfolg beenden.
Anmerkung: Die Wortwurzel von hoffen ist vermutlich verwandt mit hüpfen, d. h., vor Erwartung )aufgeregt umherhüpfen bzw. in Erwartung hüpfen (hoppen). Allerdings ist diese Anknüpfung an diese Formen insofern fraglich, da diese die Deutung ‘vor Erwartung aufspringen’ voraussetzt. Übrigens gibt es den Begriff verhoffen heute noch in der Jägersprache im Sinne von ‘stehenbleiben, um zu sichern, sich unruhig umsehen, stutzig werden’. Pfeifer et al. (1993) schreiben dazu: „mhd. hoffen, mnd. hȫpen, hoppen, hapen, mnl. hōpen, nl. hopen, aengl. hopian (9. Jh.), engl. to hope. Die Herkunft des vielleicht durch die angelsächsische Mission auf dem Festland bekannt gewordenen und ahd. (gi)thingen, mhd. (ge)dingen ‘hoffen’ (zu Ding, dingen, s. d.) verdrängenden Verbs ist nicht geklärt. Eine Anknüpfung an die unter hüpfen (s. d.) angegebenen Formen, die für hoffen eine Deutung ‘vor Erwartung aufspringen’ voraussetzt, ist fraglich.“
Literatur
Snyder, C. R., Shorey, H. S., Cheavens, J., Pulvers, K. M., Adams, V. H. III, & Wiklund, C. (2002). Hope and academic success in college. Journal of Educational Psychology, 94, 820–826.
Pfeifer , W. et al. (1993). Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/etymwb/hoffen>, abgerufen am 22.06.2025.
https://de.wikipedia.org/wiki/Hoffnung (17-11-17)
Roman Sandgruber, emeritierter Professor für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Johannes Kepler Universität Linz, schrieb in seiner Glosse „Alltagsdinge“ über die Hoffnung (gekürzt): Dum spiro spero. So lange ich atme, hoffe ich. Das Wortspiel wird dem römischen Redner, Philosophen und Politiker Marcus Tullius Cicero zugeschrieben: „Man kann nur hoffen“, sagt man, wenn eine Situation nahezu ausweglos erscheint, oder auch: „Wenn die Hoffnung nicht wär‘, so lebt‘ ich nicht mehr.“ Hoffen können ist eine der größten und wichtigsten Fähigkeiten des menschlichen Geistes. Früher hoffte man auf gute Ernten, auf Wohlstand und auf viele Kinder und hat damit die vielen Krisen und Schreckensmomente, von denen es früher mehr als heute gab, überstanden. Man hoffte aber auch auf eine gute Sterbestunde, auf ewige Seligkeit, auf ein neues, besseres Leben im Jenseits. Diesen Glauben haben die meisten verloren. Heute hoffen wir auf wirtschaftliches Wachstum, auf Reichtum, Gesundheit und Frieden, auch wenn viele Ungewissheiten und Unsicherheiten mitschweben.
Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wir Lebenden haben immer noch irgendeine Hoffnung. Im Deutschen besitzt das Wort „Hoffnung“ einen stark positiv besetzten Sinn. Hoffen schafft ein Glücksgefühl. Das deutsche „hoffen“ und das englische „hope“ werden von vielen Sprachwissenschaftlern, auch vom Grimmschen Wörterbuch der Deutschen Sprache, mit dem Wortstamm „hüpfen“ in Zusammenhang gebracht, mit der freudig erregten Erwartung, die mit einem in die Höhe Springen für das ungeduldige Spähen und Ausschauhalten verknüpft erscheint.
Das Gegenteil von Hoffnung sind Hoffnungslosigkeit, Resignation und Verzweiflung. „Lasst, die ihr hier eintretet, alle Hoffnung fahren!“, sieht Dante Alighieri in der Göttlichen Komödie auf seiner traumatischen Wanderung durch Hölle, Fegefeuer und Himmel über dem Eingangstor zum Inferno geschrieben. In der Ewigkeit gibt es keine Hoffnung mehr. In der irdischen Welt gibt es immer irgendeine Hoffnung. (…) Die Hoffnung ist eine Quelle der Kraft. Aber die Unsicherheit bleibt. Zu viel Optimismus macht die Hoffnung zur Utopie, zu einem
Nicht-Ort, den es nicht gibt: Die Botschaft der Hoffnung darf nicht in Illusionen verkommen. Zu oft folgt darauf Enttäuschung. Man sagt: Die Hoffnung versetzt Berge. Das stimmt nur bedingt. Auch mit Hoffnung geht nicht alles. Aber zumindest mehr, auch wenn man vielleicht in Generationen denken muss wie die Bauern im großen deutschen Bauernkrieg vor 500 Jahren, an die wir uns in diesem Jahr erinnern, und an die Ereignisse vor 400 Jahren im größten oberösterreichischen Bauernaufstand im nächsten Jahr: „Geschlagen ziehen wir nach Haus – unsere Enkel fechten’s besser aus.“