Enkodieren ist die Verarbeitung von Informationen zur Eingabe in ein Gedächtnissystem, etwa durch das Herstellen eines Bedeutungszusammenhangs. Die Encodierung ist aus der Sicht der Wahrnehmungspsychologie die initiale Phase der Informationsverarbeitung, wobei in einen mehrstufigen Prozess aus den physikalischen Trägerprozessen wie Licht- oder Schallwellen die aufgeprägten Informationen wie Frequenz- oder Amplitudenmodulationen in einen neuronalen Code übersetzt werden, den das Zentralnervensystem entschlüsseln und schließlich weiterverarbeiten kann. Lässt sich die Information etwa bestehenden Gedächtniszuständen zuordnen, findet Bedeutungserkennung statt. Der theoretische Ansatz der Verarbeitungstiefe bzw. der Verarbeitungsebenen besagt, dass wahrgenommene Stimuli durch verschiedene Encodierungsoperationen verarbeitet werden, wobei die Analyse von der oberflächlichen physikalischen Beschaffenheit eines Reizes über die phonemische Struktur bis zur hin zu einer semantischen Analyse der Bedeutung verläuft. Die Verarbeitungstiefe wird in den Regel von den bewussten oder unbewussten Absichten des Individuums, der Reizspezifik und auch der verfügbaren Zeit bestimmt, wobei der kognitive Aufwand mit der Verarbeitungstiefe normalerweise steigt.
Die Enkodierung dessen, was ein Sprecher oder Schreiber meint, ist eine Voraussetzung dafür, dass der Hörer oder Leser sie richtig aufnehmen kann. Daher geht das schlechtere Erinnern gespeicherter Informationen häufig auf einen Mangel an effektiven Strategien zurück, wenn etwa bei der Enkodierung keine zusätzlichen Informationen mit aufgenommen wurden, die einen späteren Abruf erleichtern, wobei auch die mangelnde Strukturierung eines Materials bei der Enkodierung dazu beiträgt, dass dieses nur schlechter erinnert werden kann.

Gedächtnisstrategien wie Chunking, Rehearsal, Organisationsbildung oder Elaborierung sind dabei Enkodierungsstrategien, die  sich nicht allein auf das Kurzzeitgedächtnis beschränken, sondern auch die Speicherung im Langzeitgedächtnis erleichtern. Enkodierungsstrategien, die von manchen Menschen spontan nicht angewendet werden, lassen sich durch Training aktivieren, zudem können neue Enkodierungsstrategien erworben werden. Als Enkodierungshilfen gelten semantische Hinweise wie das Aufzeigen der strukturellen Gemeinsamkeiten zwischen  Lerneinheiten, oder Mnemotechniken wie die Zusammenfassung von Lerneinheiten in Vorstellungsbildern.

Untersuchungen in den USA haben übrigens gezeigt, dass es bei der Bedeutungsverarbeitung von Wörtern und Sätzen für das Gehirn kaum einen Unterschied macht, ob ein Text gelesen oder gehört wird. Probanden im Alter zwischen 25 und 35 Jahren hatten zuerst Texte leise gelesen und genau diese Texte dann noch einmal zu hören bekommen, wobei man während des Lesens und Hörens mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie die Gehirnaktivitäten erfasste. Zuvor war die Bedeutung von jedem Wort mit Hilfe der natürlichen Sprachverarbeitung (Natural Language Processing, einem Teilgebietes der AI) kodiert worden, sodass die Bedeutung des gelesenen bzw. gehörten Wortes im Gehirn verortet werden konnte. Mit Hilfe des maschinellen Lernens clusterte man danach die so modellierten Gehirndaten nach Modalitäten wie visuell, taktil, numerisch, lokal, gewalttätig, emotional, temporal etc. So aktivieren etwa Wörter des Bedeutungsclusters sozial (Vater, Mutter, Sohn, Tochter, Kind, Oma, Opa etc.) gehören, unter jenes Gehirnareal, in dem sich die temporalen und parietalen Lappen treffen, oder Wörter des Bedeutungsclusters Körperteil (Lippen, Arm, Fuß, Nacken, Schädel, Bauch, Glied usw.) gehören, überwiegend das Gehirnareal im visuellen Cortex. Als man dann die Daten der Gehirnaktivität beim Lesen und mit denen beim Hören verglich, zeigte sich, dass es für die Bedeutungsverarbeitung der Wörter und Sätze im Gehirn keinen Unterschied macht, ob sie gelesen oder gehört wurden, d. h., die Bedeutungsverarbeitung findet bei beiden Fähigkeiten in den gleichen Gehirnregionen statt. So konnte man eine Landkarte von Wort- und Satzbedeutungen auf dem menschlichen Cortex anfertigen, um damit die Gehirnaktivierungen in bestimmten Gehirnregionen, die die Bedeutung von Wörtern verarbeiten, mit Hilfe von Modellen vorherzusagen zu können.


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