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Speed watching bezeichnet den Konsum von Serien in den neuen Streamingportalen wie Netflix mit doppeltem Abspieltempo, wobei es darum geht, dass wer doppelt so schnell schaut, auch doppelt so viele Folgen schafft. Meist nutzt man in diesen Schnellvideos die Untertitel, um dem Geschehen zu folgen.

Speed watching ist analog zu speed reading (Bücher) und speed listening (Podcasts) zu betrachten, wobei angeblich das Gehirn dabei schrittweise an die doppelte Abspielgeschwindigkeit gewöhnt werden kann. Jemand, der die „Gilmore Girls“ oder „Westworld“ zuerst mit 1,2-facher und dann 1,5-facher Geschwindigkeit betrachtet, schafft irgendwann auch die zweifache oder sogar noch größere Geschwindigkeit. Dabei helfen Video-Player wie VLC und diverse Erweiterungen für Internet-Browser.

Angeblich sollen auch Lernende von dieser Technik profitieren können, wenn sie Lernvideos der Universität oder der Schule etwas schneller abspielen, wobei sich damit nicht nur in der gleichen Zeit mehr Lernmaterial sichten lässt, kann es auch den Lernerfolg insgesamt verbessern.

Allerdings bedeutet stundenlanges Schauen und Lernen in hoher Abspielgeschwindigkeit Stress für das Gehirn, und zwar umso mehr, je komplexer das Thema ist. Wer das sehr häufig tut, muss damit rechnen, dass sein Aggressionspotenzial durch die unbewusste ständige Überforderung des Gehirns steigt. Langfristig können auch Schlafrhythmus- und -qualität gestört werden, aber auch Kopfschmerzen treten häufiger auf. Allmählich entwickelt sich auch eine Diskrepanz zur realen Welt, denn diese läuft nun einmal langsamer ab als ein mit Faktor 2,0 abgespielter Film. Betroffene entwickeln dadurch schneller Langeweile, sind ungeduldiger und entwickeln einen Druck, möglichst bald wieder in ihre schnellere Serienwelt zurückzukehren.

Allerdings lassen sich Filme oder Hörbücher auch verlangsamen (slow watching, slow listening), wobei viele ältere Menschen langsam Gesprochenes besser verstehen und so Nachrichten aus den Mediatheken oder Spielfilmen besser folgen können, zumal dadurch auch Untertitel länger eingeblendet bleiben. Gerade wenn Formulierungen anspruchsvoll sind, wie bei Nachrichten oder Filmen, kann ein etwas langsameres Abspielen auf Faktor 0,9 oder 0,8 daher durchaus die Verständlichkeit erhöhen. Auch Jüngere profitieren vom langsameren Abspielen, wenn sie auf Youtube eine Anleitung ansehen möchten, um etwa ein Lied auf dem Klavier oder der Gitarre nachzuspielen oder ihre Fremdsprachenkenntnisse durch Filme mit der originalen Tonspur verbessern wollen.

Literatur

 



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