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Lernen lernen ist ein Schlüsselbegriff der Bildungsdiskussion, wobei dieser Begriff etwa in Deutschland durch die Empfehlungen des Deutschen Bildungsrats um 1970 bundesweit ausgerollt wurde. Mit Lernen lernen wird die Fähigkeit, immer wieder neu zu lernen, in den Mittelpunkt der Überlegungen gestellt, wobei sich parallel dazu das lebenslange Lernen (Life-long-learning) als ständiges Dazulernen und als gleichsam kumulatives Verständnis von Lernen als Variante entwickelt hat.

Manche sind übrigens der Ansicht, dass der Begriff „Lernen lernen“ eigentlich Unsinn ist, denn Lernen ist von Geburt an ein zentraler Bestandteil der menschlichen Natur. Gehen, Sprechen, Radfahren, all das lernt man, ohne das Lernen je gelernt zu haben, wobei jeder Mensch anders lernt, jeder andere Methoden entwickelt, die für ihn funktionieren. Das Vorgeben, Vorschreiben von Lerntechniken ist demnach der Ausdruck einer bevormundenden autoritären Einstellung, vielmehr gehe es darum, das Denken zu lernen. Denken lernt man hingegen vor allem, in dem man Fragen stellt, wobei erst das präzise Frageformulieren in sinnvollen Begriffen einen Menschen erst erkennen lässt, was man da erfragen will. Erst diese Fähigkeit erlaubt es, sinnvoll zu lernen, also das Gelernte in einen konsistenten Gesamtzusammenhang zu setzen.

In der neueren Literatur wird das Lernen des Lernens im begrifflichen Spannungsfeld zwischen Lernmethoden als Lerntraining, als Strategie der Metakognition oder als Prinzip des eigenständigen Lernens verstanden, wobei die dabei genannten Lernstrategien in allen Fächern und Inhaltsbereichen implementiert werden sollen. Chott & Barth (2008) fassen das Lernen lernen eher als umgangssprachliche Wendung der Förderung von Methodenkompetenz auf und definieren Lernen lernen als das (Er)Lernen von Techniken, Methoden, Strategien und Einstellungen zur Organisation des Lernens, die Informations- bzw. Wissensaufnehme, die Verarbeitung, Speicherung und Anwendung, die durch Faktoren wie Konzentration, Entspannung, Motivation und Kontrolle als Stützstrategien ergänzt werden müssen. Wesentlich sind dabei auch Einstellungen, also emotionale Vorgänge wie Lernfreude oder Lernerleben, die zum Lernen ebenso dazugehören wie eher technische Strategien des Wissenserwerbs.

Offensichtlich boomen schon seit vielen Jahren Vorträge zum Thema Lernen lernen, obwohl das Problem aller solcher Maßnahmen darin besteht, dass man Lernen lernen nie unabhängig von konkreten Inhalten erlernen kann, es also in den regulären Unterricht eingebunden werden müsste und nicht als zusätzlicher Lerninhalt angeboten werden dürfte. Bei solchen Vorträgen geht es in der Regel immer wieder um dieselben uralten Gedächtnistricks, die zwar für viele Laien zunächst überraschend klingen, aber beim alltäglichen Lernen nicht wirklich funktionieren. So zeigt man in solchen Vorträgen an praxisnahen Beispielen – meist ergänzt durch Bilder, Geschichten und Assoziationsketten – auf, welche Lerntypen es gibt, was beim Lernen im Gehirn passiert, wie man sich Dinge besser merken und dem Kind helfen kann, seine Hausaufgaben ohne Murren zu erledigen und die Unterstützung der Eltern nicht im Streit endet. In der Regel zerflattern die hier übermittelten Informationen und die damit verbundenen guten Vorsätze im grauen Alltag des Bildungsbetrieb.

All diese Inhalte findet man gebündelt in den unten verlinkten Webseiten, wobei aber darauf hingewiesen werden muss, dass eine Änderung bereits festsitzender Lerngewohnheiten nur sehr schwer möglich ist bzw. nur in angemessener Weise erfolgen kann.

Speziell sei darauf hingewiesen, dass es unter Naomi’s Practical Study Skills auch zahlreiche Tipps in englischer Sprache gibt!

Literatur

Chott, Peter O. & Barth, Gila (2008). Gemeinsam Lernen lernen in der Schule – Modell einer schulhausübergreifenden Förderung von Methodenkompetenz (nicht nur) für die Grundschule. Stamsried: Vögel.
Stangl, W. (2018, 3. März). „Lernen lernen“ boomt. Was Stangl so bemerkt.
WWW: https://bemerkt.stangl-taller.at/lernen-lernen-boomt
https://de.wikipedia.org/wiki/Lernen_lernen (18-12-20).



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