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Selfish-Brain-Theorie

Die Selfish-Brain-Theorie beschreibt die Fähigkeit des menschlichen Gehirns die Energieversorgung des Organismus derart zu regeln, dass es vorrangig den eigenen, im Vergleich mit anderen Organen hohen Bedarf decken kann. Das Gehirn verhält sich dabei insofern selbstsüchtig bzw. egoistisch, da es bei der Regulation des Energiestoffwechsels und der Energieversorgung des Körpers so lenkt, dass es zunächst einmal sich selbst Energie zuweist, ehe die Bedürfnisse der anderen Organe befriedigt werden dürfen. Der Eigenbedarf des Gehirns ist dabei sehr hoch, obwohl seine Masse nur zwei Prozent des Körpergewichts ausmacht, verbraucht es etwa zwei Drittel der täglich zugeführten Kohlenhydrate.

Das Konzept der Selfish-Brain-Theorie geht daher von der Sonderstellung des Gehirns im Stoffwechsel und der Körpersteuerung aus, weil das Gehirn gekennzeichnet ist durch seine metabolische Kompartimentierung, einen hohen Energieverbrauch, eine geringe Energiespeicherkapazität, seine Substratspezifität, seine Plastizität, und die Fähigkeit, Informationen peripherer Organe aufzunehmen und diese ihrerseits zu kontrollieren.

Die Selfish-Brain-Theorie liefert dabei u. a. etwa einen neuen experimentell untermauerten Erklärungsansatz für die Entstehung von Adipositas. Nach Achim Peters (2011) bedient sich das Gehirn nämlich im Zweifelsfalle immer als Erstes, denn unter extremen Hungerbedingungen verlieren die inneren Organe bis zu 40% an Substanz, während das Gehirn nicht auszehrt, sondern maximal bis zu zwei Prozent Gewicht einbüßt. Glukose ist praktisch die einzige Energie, die ein Gehirn akzeptiert, ist aber mangels eigener Produktionsmöglichkeit darauf angewiesen, dass irgendwie anders dieser Zucker vom Blut durch die Bluthirnschranke ins Gehirnwasser und zu den Nervenzellen gelangt. Um das zu gewährleisten, gibt es den brain-pull, d.h., das Gehirn zieht Glukose aus dem Blut, da bei Unterzuckerung, wenn Glukose im Gehirn knapp wird, Ohnmacht und Koma drohen. Das blutzuckersenkende Hormon Insulin ist zwar dazu nötig, Zucker aus dem Blut in andere Organe zu transportieren, das Gehirn selber nimmt indes unabhängig vom Insulin Zucker auf, was ihm erlaubt, von einem hohen Blutzucker zu profitieren. Wenn dieser Brain-pull nicht richtig arbeitet, im Gehirn nicht genug Glukose ankommt, kann dieses über eine ausgeklügelte Hormon-Botenstoff-Befehlskaskade den Blutzucker erhöhen, wobei notfalls der body-pull aktiviert wird, d.h., der Organismus führt Nahrung mit Zuckergehalt zu, oder es initiiert den Such-pull, d.h., das Gehirn schickt den Organismus auf Nahrungssuche.

Literatur

Peters, A. (2011). Das egoistische Gehirn: Die Ursachen von Adipositas und Typ-2-Diabetes aus neurobiologischer Sicht. Diabetologie und Stoffwechsel 6, 216-224.
Peters, Achim (2011). Das egoistische Gehirn. Warum unser Kopf Diäten sabotiert und gegen den eigenen Körper kämpft. Berlin: Ullstein Verlag.
Stangl, W. (2014). Energieverbrauch des Gehirns – arbeitsblätter news.
WWW: https://arbeitsblaetter-news.stangl-taller.at/energieverbrauch-des-gehirns/ (14-10-20).



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