Das Cave-Syndrom oder Höhlen-Syndrom beschreibt die Verfasst heitvon Menschen, denen nach längerer Zeit eines Rückzugs mit nur sehr wenigen sozialen Kontakten das darauf folgende normale soziale Miteinander schwerfällt. Das Phänomen kann nach einem längeren Krankenhausaufenthalt, einem Gefängnisaufenthalt, nach einer Entführung oder wie aktuell im Zusammenhang mit den Lockdowns während der Corona-Pandemie auftreten. Der Ursache dafür ist vor allem eine erlernte Angst, dass Kontakte mit anderen Menschen potenziell gefährlich sein können, weil man sich dabei anstecken könnte. Das hatte und hat dzur Folge, dass man vorsichtig geworden ist, und es ist völlig normal, dass man diese Angst nicht sofort wieder ablegen kann, d. h., es kommt durch das Cave-Syndrom in der Regel zu einer gewissen Anpassungsverzögerung.

Eine Untersuchung der Amerikanischen Gesellschaft für Psychologie hat ergeben, dass sich beinahe die Hälfte der Befragten unwohl fühlen, wenn sie an das Ende der Pandemie und die kommenden sozialen Kontakte denken. Das Cave-Syndrom ist in diesem Sinne aber noch nicht krankheitswertig, sondern es bezeichnet in erster Linie einen Gewöhnungseffekt, eine natürliche Anpassungsreaktion auf Veränderungen in der Lebenssituation. Man vermutet dahinter ein Entfremdungs-Gefühl in sozialen Situationen, das Menschen hemmt und verunsichert. Offenbar sspielt auch die Gewöhnung an angeeignete Verhaltensmuster und Routinen bei der Entstehung des Cave-Syndroms eine wichtige Rolle, den Menschen mussten lernen, Masken zu tragen, sich voneinander zu distanzieren und keine Menschen einzuladen. Bekanntlich ist sehr schwer, eine Gewohnheit zu brechen, wenn man sie einmal entwickelt hat.

Durch den in der Pandemie wesentlich größeren Gebrauch elektronischer Kommunikation, waren Menschen allgemein einem höheren Risiko ausgesetzt, eine extreme Version des sozialen Rückzugs zu entwickeln (Hikikomori). Diese extreme Form des Rückzugs ähnelt den Auswirkungen von Agoraphobie, der Angst vor offenen oder überfüllten Orten. Bei vielen Menschen ist vermutlich auch ein Covid-Stress-Syndrom entstanden, das durch Angst vor einer Infektionsgefahr gekennzeichnet ist, einer Angst vor dem Berühren von Oberflächen oder Gegenständen, die mit dem Coronavirus kontaminiert sein könnten, oder der Angst vor Covid-19-bezogenen Kontrollen. Ob dieses Covid-Stress-Syndrom eine Anpassungsstörung ist, die nachlassen wird, wenn die Pandemie vorbei ist oder ob sie für einige Einzelpersonen chronisch werden wird, bleibt abzuwarten.

Generell nimmt man an, dass es sich bei dem Syndrom um ein vorübergehendes Phänomen handelt und nur einige wenige der Befragten wirklich an einer sozialen Angststörung leiden. Verstärken hingegen kann dieses Syndrom allerdings die emotionale Befindlichkeit von Menschen, die bereits vor der Pandemie mit soziale Angststörungen oder Depressionen leben mussten.


Tipps, wie man das Cave-Syndrom nach Corona in den Griff bekommen kann:

    • Geh es langsam an. Treffe Freunde im Freien zu einem Spaziergang statt dich gleich ins Restaurant zu setzen.
    • Übe in kleinen Dosen. Wenn du einmall die Woche einen Termin hast, merkst du langsam, dass außerhalb deiner Höhle nicht so viel Gefahr durch Corona droht wie angenommen.
    • Schnelltests, die Impfung und Umgebungen, in denen auf die Hygieneregeln geachtet wird, können dir zusätzliche Sicherheit geben.
    • Kommuniziere offen mit deinen Mitmenschen. Sonst könnten sich deine Liebsten irrtümlicherweise zurückgewiesen fühlen.
    • Vielleicht hast du während der Pandemie gemerkt, dass es dir gut tut, etwas mehr Zeit zuhause zu verbringen. Dann ist das auch okay.

 


Literatur

https://www.fr.de/wissen/cave-syndrome-als-folge-der-corona-pandemie-angst-vor-normalitaet-90787307.html (21-06-03)
https://www.rnd.de/gesundheit/cave-syndrom-wenn-die-freiheiten-nach-dem-corona-lockdown-zur-psychischen-herausforderung-werden-PT55B6LLVCPVHAORENE55265WM.html (21-06-07)
https://at.galileo.tv/corona/cave-syndrom-ziehst-du-dich-aus-angst-vor-corona-zurueck/ (21-08-17)


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