Als Ikea-Effekt wird in der Verhaltensökonomik der Zuwachs an Wertschätzung bezeichnet, der selbst entworfenen oder zumindest selbst zusammengebauten Gegenständen im Vergleich zu fertig gekauften Massenprodukten entgegengebracht wird.Vergleichbar ist der Endowment-Effekt (Besitztumseffekt), der besagt, dass Menschen dazu tendieren, ein Gut wertvoller einzuschätzen, wenn sie es besitzen.

Die Begriff wurde von Michael Norton geprägt, wobei er und Kollegen Probanden unter anderem Ikea-Möbel zusammenbauen ließ und beobachteten konnte, dass dies deren Wertschätzung deutlich verbesserte, und zwar auch dann, wenn beim Schrauben nicht alles perfekt gelang. In vier Studien, in denen Konsumenten auch Origami falteten und Legosätze bauten, demonstrierten und untersuchten sie auch die Randbedingungen für den IKEA-Effekt. Die Teilnehmer sahen ihre laienhaften Kreationen als ähnlich wertvoll an wie die Kreationen von Experten und erwarteten, dass andere ihre Meinung teilen. Wenn Probanden ihre Kreationen bauten und dann zerstörten oder sie nicht fertigstellten, verschwand der IKEA-Effekt.

Wer Mühe in etwas steckt, schätzt das Ergebnis. Etwas selbst aufzubauen, stärkt offenbar das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit, wobei jemand, der schon etwas geschafft hat, sich vermutlich mit größerem Selbstvertrauen an eine darauffolgende Aufgabe wagt und diese deshalb erfolgreicher meistert, wobei es nach neueren Untersuchungen es sogar keine Rolle spielt, wie kompliziert oder aufwendig es ist, einen Gegenstand zusammenzubauen.

Ähnliches gilt vermutlich auch für Selbstgestricktes oder Selbstgehäkeltes, das im Gegensatz zu Fabrikware als höherwertig eingeschätzt wird.

Literatur

Norton, Michael I. (2009). The IKEA Effect: When Labor Leads to Love. Harvard Business Review, 87, Nr. 2 (Februar), S. 30.
Norton, Michael I., Mochon, Daniel & Ariely, Dan (2011). The IKEA effect: When labor leads to love. Journal of Consumer Psychology, 21.


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