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implicit bias


In der Theorie der sozialen Identität bezeichnet implicit bias oder implicit stereotype die Voreingenommenheit bzw. ein Stereotyp der unbewussten Zuschreibung bestimmter Merkmale durch ein Individuum an ein Mitglied einer anderen sozialen Gruppe. Implizite Stereotypen sind durch Erfahrung geprägt und basieren auf erlernten Assoziationen zwischen bestimmten Eigenschaften und sozialen Kategorien, einschließlich Rasse und/oder Geschlecht. Die Fähigkeit in solchen Kategorien zu denken, entwickeln Kinder bereits im Alter von vier bis fünf Jahren, wobei sich im Gehirn dabei Strukturen ausbilden, die später mit Vorurteilen gefüllt werden können, wobei sich Vorurteile bekanntlich immer wieder selbst bestätigen, denn was mit den eigenen Vorstellungen zusammenpasst, sieht man schneller, gewichtet man stärker und glaubt man eher. Besonders in Belastungssituationen bei Stress oder Angst bedient sich das Gehirn dann dieser Stereotype.

Wahrnehmungen und Verhaltensweisen von Individuen können von den impliziten Stereotypen beeinflusst werden, auch wenn sie sich nicht bewusst sind, dass sie solche Stereotypen in sich tragen. Implizite Voreingenommenheit ist somit ein wichtiger Aspekt der impliziten sozialen Kognition, was zeigt, dass Wahrnehmungen, Einstellungen und Stereotypen ohne bewusste Absicht funktionieren.

Die Existenz einer impliziten Voreingenommenheit wird durch eine Vielzahl von wissenschaftlichen Arbeiten in der psychologischen Literatur gestützt. In Experimenten hat man etwa herausgefunden, welche unbewusst ablaufenden Gehirnprozesse in welcher zeitlichen Abfolge dafür verantwortlich sind, dass Menschen soziale Informationen wie etwa Sympathie oder Antipathie verarbeiten. Im Impliziten Assoziationstest (IAT) reagieren die ProbandInnen auf positive und negative Wörter sowie auf Begriffe, die sie mit der eigenen oder einer fremden Gruppe verknüpfen. Versuchspersonen werden abwechselnd Fotos von schwarzen und weißen Menschen, sowie negative und positive Begriffe gezeigt. Die Aufgabe ist zuerst bei schwarzen Menschen und positiven Worten nach rechts zu klicken und bei weißen Menschen und negativen Worten nach links. Dann wird getauscht. Die Tasten sollen dabei so schnell wie möglich gedrückt werden, um bewusstes Nachdenken auszuschließen. So konnte man feststellen, mit welcher Hautfarbe man eher positive oder negative Attribute assoziiert. Mehrere Studien deuten darauf hin, dass weiße aber auch zum Teil schwarze Menschen mit heller Haut eher positive und mit dunkler Haut eher negative Begriffe verbinden.

Schiller et al. (2016) präsentierten Fußballfans Begriffe wie „Liebe“, „Tod“ oder die Namen von Spielern der eigenen und gegnerischen Mannschaft, und maß die funktionellen Mikrozustände im Gehirn, also kurze, teilweise nur wenige Millisekunden anhaltende Phasen, in denen ein neuronales Netzwerk aktiv ist, um einen bestimmten Verarbeitungsschritt auszuführen. Dabei ist die Reaktionszeit länger, wenn Menschen fremde Gruppen mit positiven Eigenschaften verknüpfen sollen. als wenn sie diese mit vertrauten Gruppen verbinden müssen. Es zeigte sich dabei, dass die längeren Reaktionszeiten nicht etwa auf zusätzliche Verarbeitungsschritte im menschlichen Gehirn zurückzuführen sind, sondern dass einzelne Schritte einfach länger dauern.

Es gibt bekanntlich Menschen, die einem schon beim ersten Kennenlernen unheimlich vorkommen: manchmal sind es die Augen, manchmal ist es der Tonfall oder ein besonderer Gesichtsausdruck, wobei es ist nicht rational begründbar ist, aber in der Anwesenheit mancher Mitmenschen fühlt man sich schlagartig unwohl. McAndrew & Koehnke (2016) haben über eintausend Probanden im Durchschnittsalter von 29 Jahren untersucht, wobei jeweils 44 Merkmale von Menschen bewertet wurden: das Verhalten, alltägliche Angewohnheiten, Marotten, Hobby, Berufe, Gestik oder ganz oberflächlich das Aussehen. Dabei zeigte sich, dass es zahlreiche Berufe gibt, die auf Anhieb unheimlich erscheinen: Bestatter, Sex-Shop-Besitzer, Tierpräparatoren oder Clowns. Die häufigsten optischen Merkmale, die ein negatives Gefühl beim Gegenüber auslösen, sind fettiges Haar, dreckige Kleidung, seltsames Lächeln, Augenringe, fahle Haut oder hervorquellende Augen. Dabei waren es überwiegend Männer, die als unheimlich und beunruhigend empfunden wurden, doch das kann daran liegen, dass drei Viertel der ProbandInnen Frauen waren und das Ergebnis dadurch verfälscht sein könnte. Generell gilt, dass man andere Menschen vor allem dann als unheimlich empfindet, wenn man ihr Verhalten nicht vorhersagen oder ihre Mimik und Gesten nicht richtig deuten kann.

Explizite Stereotype hingegen sind das Ergebnis bewusster, absichtlicher und kontrollierbarer Gedanken und Überzeugungen.

Literatur

McAndrew, F. T. & Koehnke, S. S. (2016). On the nature of creepiness. New Ideas in Psychology, 43, December, 10–15.
Schiller, B., Gianotti, R. R. L., Baumgartner, T., Nash, K., Koenig, T. & Knoch, D. (2016). Clocking the social mind by identifying mental processes in the IAT with electrical neuroimaging. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America. Doi: 10.1073/pnas.1515828113.
Stangl, W. (2020). Wechselhaftigkeit und Veränderlichkeit – Nonverbale Kommunikation. [werner stangl]s arbeitsblätter.
WWW: https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/KOMMUNIKATION/KommNonverbale1.shtml (2020-08-20).


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