Um den vollen Funktionsumfang dieser Webseite zu erfahren, benötigen Sie JavaScript. Hier finden Sie die Anleitung wie Sie JavaScript in Ihrem Browser einschalten.

Leistung


Leistung lässt sich aus pädagogischer Sicht als das Ergebnis und Vollzug einer zielgerichteten Tätigkeit definieren, die mit Anstrengung verbunden ist und für die Gütemaßstäbe anerkannt werden und die somit beurteilt wird. Die Leistung umfasst also im pädagogischen Sinne sowohl Anstrengungen, die etwa auf Grund von Leistungsanforderungen unternommen werden, als auch deren Ergebnis. Der Leistungsbegriff ist ein in der Pädagogik seit vielen Jahrzehnten äußerst kontrovers diskutierter Begriff – nicht zuletzt auf dem Hintergrund der PISA- oder TIMS-Studien -, denn so stellt sich immer wieder die Frage, inwieweit bzw. ob Leistungsbewertung den eigenen Ansprüchen von Objektivität und Gleichheit für alle SchülerInnen überhaupt gerecht werden kann. Es ist daher immer zu fragen, an welcher Norm bzw. welchen Standards  sie sich denn orientiert. Oft werden die während der Ausbildung vermittelten Kriterien der Bewertung als selbstverständlich funktional und gerecht wahrgenommen. Fraglich ist auch, ob man eine Leistung mit allen relevanten Faktoren wie Motivation, Fleiß, Lernaufwand etc. neutral und als außenstehender Beobachter überhaupt bewerten kann. Daher stellt sich ganz allgemein die Frage, was denn Leistung überhaupt ist bzw. ob sie überhaupt als solche existiert oder eher nicht existiert.

Wenn Leistung letztlich nicht etwas ist, das aus sich selbst heraus existiert oder unmittelbar beobachtbar ist, sondern erst in Prozessen der Zuschreibung entsteht, dann bedarf sie einer Form der Darstellung, d. h., sie muss möglichst sichtbar inszeniert werden. Das kann sich nun etwa als Zeugnisnote zeigen, wobei eine sehr bekannte Form der Sichtbarkeits- und Wahrheitserzeugung von Leistung in der Prüfung liegt. Erbrachte Leistungen zeigen sich hier klassischerweise als Output, der sich jedoch wiederum auf bestimmte Potenziale des Subjekts beruft, die es zu inszenieren gilt, sodass es dann doch wieder um die allgemeine Leistungsfähigkeit des Subjekts geht, eine Fähigkeit, die unter der Oberfläche des Outputs verborgen scheint und das Output erst als solches hervorzubringen vermag.

Individuelle Leistungsfähigkeit kommt so quasiretrospektiv in den Blick, als abstrakte Ableitung einer aktuell und sichtbar erbrachten Leistung. Sie ist deshalb quasiretrospektiv, weil sie im Modus einer anzunehmenden Potenzialität verbleibt, die ja selbst ausschließlich in ihrer Zukünftigkeit operiert, und lässt sich daher nicht durch rückwärts gerichtete Reflexionen in Berufung auf das Vergangene feststellen. Sie bedarf vielmehr einer auf Dauer gestellten Verifizierung durch ein konkretes Tun, das dann schließlich auch den Kurzschluss – konkrete Performanz repräsentiert stabile Fähigkeit – nahelegt. Leistungsfähigkeit und Leistung sind so als in Form eines dynamischen Verhältnisses der Realisierung oder des Scheiterns einer anzunehmenden Möglichkeit aufeinander verwiesen. Formate des Prüfens, in denen die Potenzialität zur Darstellung gebracht werden kann, bestimmen die Möglichkeiten eines Subjekts, denn sie stellen einerseits seine Möglichkeiten fest und verweisen andererseits auf dieser Grundlage auf sein individuelles zukünftiges Potenzial.

Die Leistung in der Prüfung oder die Note im Zeugnis lassen sich dann als Repräsentationen einer unter oder hinter dieser liegenden Leistungsfähigkeit bestimmen. Die Berufung auf das Leistungsprinzip suggeriert dann eine Differenz zwischen einem Innen als Leistungsfähigkeit und einem Außen als Leistung. Das Problem dieser Differenzsetzung ist, dass sich Leistung und Leistungsfähigkeit nicht einfach vor- oder nachgängig zueinander verhalten, vielmehr ist von ihrer Gleichursprünglichkeit auszugehen. Die Wechselseitigkeit des Verhältnisses betonen beispielsweise Analysen, die Prüfungen als Subjektivierungsmedien verstehen, und nach den Rationalisierungsstrategien im Ausweis von Leistungsfähigkeit fragen. Die Gleichzeitigkeit der Beziehung ist daher letztlich ein zirkuläres Begründungsverhältnis, denn die aktuell erbrachte Leistung verweist auf eine allgemeine Leistungsfähigkeit und andersherum ermöglicht die allgemeine Leistungsfähigkeit erst das Inactu-Vollziehen dieser spezifischen Leistung.

Literatur

Wittig, S. (2017). Leistung als Spiel? Über die wissentliche Verstricktheit in den Möglichkeitsraum der Leistung (S. 147 – 166). In Bünger, C., Mayer, R., Schröder, S. & Hoffart, B. (Hrsg.), Leistung – Anspruch und Scheitern. Halle: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
https://de.wikipedia.org/wiki/Leistung_(Schule) (12-11-21)


Weitere Seiten zum Thema

Falls Sie in diesem Beitrag nicht fündig geworden sind, können Sie mit der folgenden Suche weiter recherchieren:



Sorry, comments for this entry are closed at this time.

Diese Seiten sind Bestandteil der Domain www.stangl.eu



© Werner Stangl Linz 2020
/p> ...............
<