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Mindset


Mindset – im Deutschen meist als Mentalität übersetzt – bezeichnet eine vorherrschende Persönlichkeitseigenschaft im Sinne eines Denk- und Verhaltensmusters eines Menschen oder einer sozialen Gruppe, wobei damit Einstellungen, Haltungen und Weltanschauungen mit umfasst werden. Wissenschaftlich wird der eher unscharfe Begriff vor allem in der Soziologie verwendet, wobei Kulturwissenschaftler solche Mindsets durch Kulturstandards beschreibbar zu machen versuchen, sodass deren Seriosität innerhalb der Wissenschaft umstritten ist, da sie zwangsläufig zu Stereotypen führen, also der Annahme von kollektiven Dispositionen, die das Verhalten und Denken von Menschen bestimmen.

Aus der Sicht der Psychologie umfasst ein Mindset vor allem individuelle Einstellungen und die Art und Weise, wie Menschen fühlen und handeln, sodass Mindsets aus dieser Perspektive vor allem durch persönliche Erfahrungen geprägt werden. Die Mindset-Theorie wurde von der Motivationspsychologin Carol Dweck entwickelt und sollte vor allem zeigen, welche Implikationen, die Überzeugungen von Menschen in Bezug auf ihre eigene Intelligenz und andere Persönlichkeitsmerkmale auf ihr Lernen bzw. ihre Lernanstrengungen besitzen.

Carol Dweck betont, dass für die Entwicklung eines Menschen nicht so sehr sein Talent, sondern das eigene Selbstbild ausschlaggebend ist. Sie beschreibt zwei Arten von Mindset, das Fixed und das Growth Mindset. Menschen mit einem Fixed Mindset, also einem statischen Mindset, sind der Ansicht, dass ihre Talente festgeschrieben und gegeben sind, und dass sich diese nicht grundlegend ändern lassen. Menschen mit einem solchen Mindset sind etwa an Feedback nur dann interessiert, wenn dies ihre Fähigkeiten unterstreicht, d. h., sie nutzen Feedback nicht zum Lernen, weil sie kein Mindset-Modell davon besitzen, dass ihr Erfolg von ihrer Anstrengung abhängt. Solche Menschen vermeiden daher Herausforderungen, fürchten Versagen (Furcht vor Misserfolg), geben schnell auf, erleben ihre Anstrengungen nicht als zielführend und ignorieren konstruktives Feedback. Menschen mit einem Growth Mindset, einem dynamischen Mindset, sind davon überzeugt, dass sie sich in jedem Bereich weiterentwickeln und verbessern können. Anhand dieser Konzepte kann man oft erkennen, wie motiviert Menschen sind, wie sie an Aufgaben herangehen und wie sie lernen werden. Menschen mit einem solchen Mindset sind überzeugt, dass ihre Kompetenzen durch Lernen an Fehlern und Herausforderungen wachsen können, und dass sie dies in ihrer Entwicklung unterstützt (Hoffnung auf Erfolg). Ein Erfolg wird eigenem Lernen zugeschrieben und nicht der Veranlagung, sodass solche Menschen besser mit Misserfolgen umgehen können, die sie dazu nutzen, um sich in Zukunft mehr anzustrengen, und davon überzeugt sind, dass sie fast alle Fähigkeiten erwerben und diese weiterentwickeln können. Dweck hat außerdem gezeigt, dass Growth Mindset-Überzeugungen zu größerem Erfolg beim Lernen führen, wobei auch Mindsets bei der Erziehung von Kindern eine wichtige Rolle spielen, denn wenn Lehrer und Eltern ihr Lob mehr auf die Anstrengung und Übung ihrer Kinder ausrichten anstatt auf deren Fähigkeiten, so hat dies günstige Auswirkungen im Sinne einer Kausalattribution.

Experten kritisieren übrigens, wenn man Menschen in die Schubladen Growth Mindset oder Fixed Mindset steckt, dass man unter Umständen selbsterfüllende Prophezeiungen erzeugt und somit einen Teufelskreis schafft. Sagt etwa ein Geschäftsführer, er habe für die angestrebten Ziele die MitarbeiterInnen nicht und meint daher, dass sich nach seinem Menschenbild alle möglichst schnell ändern sollten, um die neuen und bis dahin noch unbekannten Ziele zu erreichen, fühlen das auch die MitarbeiterInnen. Diese spüren diese negative Grundhaltung ihnen gegenüber und fürchten nun Fehler zu machen, anstatt die Herausforderung anzunehmen.

Die Diplom-Psychologin Lisa Hoffmann hat im Rahmen des Projekts “Mindset, Partnerschaft und Geburt” rund 320 Paare über mehrere Monate mit verschiedenen Fragebögen untersucht, wie das Mindset von Müttern – also Denkweisen, Ansichten und Verhaltensmuster – die Schwangerschaft, die Geburt selbst und das Wochenbett beeinflussen, wobei ein positives Geburtserlebnis auch ein glückliches Wochenbett der Mütter begünstigt. Da es derzeit noch kaum psychologische Untersuchungen zur Geburt gibt, begann sie damit, das geburtsbezogene Mindset zu definieren, und geht davon aus, dass das Mindset zwei Ausprägungen haben kann: natürlich und medizinisch. Das natürliche Mindset bezieht zwar mit ein, dass eine Geburt in Ausnahmefällen mit Risiken verbunden, aber in der Regel ein natürlicher Vorgang ist, der wenn überhaupt nur wenig Unterstützung benötigt. Das medizinische Mindset hingegen kalkuliert die Risiken stärker mit ein und sieht in einer Geburt einen eher medizinischen Vorgang, der nur mit Hilfe von medizinischen Interventionen bewältigt werden kann. Es zeigte sich bei der Auswertung, dass sich die Erwartungen an die Geburt auf deren Verlauf auswirken, d. h., dass Frauen, die ein natürliches Mindset in der Schwangerschaft hatten (in der Studie 40 Prozent), auch eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine normale Geburt hatten, also kein Verfahren zur Betäubung von Rückenmarksnerven, keinen Dammschnitt, keine wehenverstärkenden Mittel, keine vaginal-assistierte Geburt und keinen Kaiserschnitt. Frauen mit medizinischem Mindset (in der Studie 60 Prozent) hingegen hatten eine höhere Wahrscheinlichkeit für medizinische Interventionen bei der Geburt. Frauen entschieden sich dabei häufig auch gar nicht bewusst von vornherein für eine Geburt mit medizinischer Hilfe, jedoch könnte es durchaus sein, dass eine Schwangere mit einem medizinischen Mindset automatisch eher die Risiken einer Entbindung in den Blick nimmt und sich unter der Geburt dann geburtshinderliche Emotionen wie Ängste entwickelten. Diese führten dann möglicherweise zu einer Adrenalinausschüttung und einer Hemmung der Oxytocinausschüttung, was dann erst eine Intervention nötig macht. Frauen mit einem positiven Erleben der Entbindung berichteten auch häufiger über ein glückliches Wochenbett und eine stärkere Mutter-Kind-Bindung als Frauen, die während der Geburt große Ängste und übermäßigen negativen Stress hatten. Die Ergebnisse der Studie legen daher auch nahe, dass Frauen mit einem negativen Geburtserlebnis eine höhere Wahrscheinlichkeit für postpartale Depressionen emtwickeln.

Linktipp: Die Diplom-Psychologin und Wissenschaftlerin Lisa Hoffmann betreibt auch das Weblog einAnfang, um psychologische Forschung vor allem im Bereich Geburt voranzutreiben, wobei ihr der Wissenstransfer zwischen Fachwelt und Öffentlichkeit ein großes Anliegen ist, da nicht selten unvollständige Informationen oder empirisch nicht belegte (oder widerlegte) Informationen verbreitet werden. Zwischenergebnisse zur Studie finden sich auch bei Instagram und Facebook.


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