elaborierter Code

Den elaborierten Code bezeichnet eine Form der Alltagssprache, den man dem Sprachgebrauch gebildeter Schichten zuordnet. Der Gebrauch dieses Codes ist eng mit der sozialen Struktur einer bestimmten Gesellschaft verbunden ist, wobei der elaborierte Code dort wichtig ist, wo es kein geteiltes Wissen gibt. Merkmale sind der häufiger Gebrauch von Fachwörtern, der Gebrauch des Passivs, die weitgehende grammatikalische Korrektheit, logische bzw. argumentative Strukturierung und im Vergleich zum restringierten Code ein umfangreicherer Wortschatz.

Die Bernstein-Hypothese, auch Defizithypothese genannt, ist eine von Basil Bernstein entwickelte linguistische Annahme, die auf der Sapir-Whorf-Hypothese aufbaut, deren Fokus aber auf innersprachliche Betrachtungen verschiebt, also auf Unterschiede zwischen Angehörigen ein und derselben Sprachgemeinschaft. Bernsteins grundlegende Aussage war, dass die Angehörigen der sozialen Mittel- und Oberschicht einer Gesellschaft oder Sprachgemeinschaft eine Variante der gemeinsamen Einheitssprache verwenden, die sich deutlich von der Variante der sozialen Unterschicht unterscheidet. Die Mittel- und Oberschicht bedienen sich eines elaborierten, die Unterschicht eines restringierten Codes, wobei beide Codes als unterschiedlich leistungsfähig angesehen werden, vor allem hinsichtlich der Wahrnehmung und des Denkens. Umstritten ist die Folgerung daraus, dass der elaborierte Code der Mittel- und Oberschicht besser ausgebildete kognitive Fähigkeiten bewirkt als der in der Unterschicht gebräuchliche restringierte Code, was zu besseren Schulerfolgen der Kinder gehobener Schichten und damit zu besseren beruflichen, sozialen und wirtschaftlichen Chancen führt.

1. Definition

Soziolinguistik: Bezeichnung des britischen Soziolinguisten B. Bernstein (*1924) für die sprachliche Ausdrucksfähigkeit von Angehörigen der Mittelschicht, gegenüber dem  restingierten Code u.a. von höherer Differenziertheit, größerer Wortschatz, komplexerer Syntax, geringerer Verwendung von klischeehaften Wendungen gekennzeichnet (vgl. Brockhaus 1988, S. 247).

2. Definition

Im psychologischen Fachlexika ist auch von Soziolekt = Gruppensprache die Rede. Eine Form des Sprachgebrauchs, die für die Angehörigen einer sozialen Gruppe, speziell von Klassen und Schichten, charakteristisch ist. S. ist vom Dialekt zu unterscheiden, der Mundart in einer geografisch bestimmten Region. B. Bernstein unterscheidet bei den Angehörigen sozialer Klassen der Gesellschaft verschiedene S., die er Kodes nennt. Der elaborierte (entfaltete) Code soll für die Mittelschicht charakteristisch sein (vgl. Clauss, 1995, S. 434).

3. Definition

Soziolinguistik, die Beschreibung und Systematisierung linguistischer Merkmale von gruppen,- schichten – und kulturspezifischem Sprachgebrauch in Abhängigkeit von soziologisch erfassbaren Daten. Einerseits spiel in hochentwickelten Leistungsgesellschaften die Sprachfähigkeit eine entscheidende Rolle für persönliche Entfaltungsmöglichkeiten, und von der Bevölkerung andererseits, das unterschiedliche Schichten der Bevölkerung über unterschiedliche sprachliche Gewohnheiten und Fertigkeiten verfügen, wird die Forderung erhoben, durch ausgleichende bildungspolitische Maßnahmen soziale Ungerechtigkeiten zu mildern (vgl. Häcker & Stapf, 1998, S. 810).

4. Definition

Nach Ansicht der Soziolinguistik besteht eine Wechselwirkung zwischen Sprechen als sozialem Handeln und den sozialen Strukturen der Gesellschaftsschichten. Nach Bernsteins Code-Konzept neigen Angehörige der Mittel- und Oberschicht zu einem elaborierten Code. Diese Erkenntnis ist bedeutend für den Umgang der Gesellschaftsschichten miteinander ( (vgl. Köck & Ott, 1994, S.681).

5. Definition

Soziolinguistik, Teil der Sprachwissenschaft, der sich mit dem Verhältnis von Sprache und Gesellschaft beschäftigt: Warum macht eine bestimmte Person in einer konkreter sozialen Situation eine bestimmte sprachliche Äußerung, und welche Konsequenzen hat dies? Forschungsbereiche: die Sprache der Unter,-Mittel- und Oberschicht; -Sprachbarriere, Sprachsoziologie; Sprachnormung und Sprachpolitik, sprachliches Rollenverhalten (Gudemann, Wolf-Eckhard, 1995, S. 456)

Literatur

Bernstein, B. (1982). Beiträge zu einer Theorie des pädagogischen Prozesses. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
Brockhaus Enzyklopädie (1988). Feldforschung Mannheim: F.A. Brockhaus GmbH Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG.
Clauß, G.  (1995). Fachlexikon ABC Psychologie. Frankfurt/Main: Verlag Harri Deutsch.
Häcker, H. & Stapf, K. (1998). Dorsch Psychologisches Wörterbuch. Bern: Verlag Hans-Huber.
Köck, P. & Ott, H. (1994). Wörterbuch für Erziehung und Unterricht. Donauwörth: Verlag Ludwig Auer.
Gudemann, Wolf-Eckhard (1995). Lexikon der Psychologie. Gütersloh: Verlag Bertelsmann Lexikon Verlag.
https://de.wikipedia.org/wiki/Bernstein-Hypothese (12-11-11)

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