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Dunkle Triade

    Eine Kombination aus den Persönlichkeitszügen Machiavellismus, Narzissmus und subklinische Psychopathie wird in der Psychologie auch die Dunkle Triade (Dark Triad) bezeichnet, die sich unter anderem in Egozentrismus und rücksichtslosem Verhalten äußert, wozu oft noch Selbstüberschätzung und rücksichtsloses manipulatives Verhalten hinzukommen. Diese drei Merkmale werden dabei unterschiedlich und unabhängig voneinander konzeptionalisiert, obwohl es empirische Hinweise auf Überlappungen gibt. Insgesamt sind sie mit einem gefühllos-manipulativen interpersonellen Stil verbunden. Starken Ausprägungen dieser Merkmale wird vor allem in der Personalpsychologie bei der Auswahl und Bewertung von Führungskräften eine besondere Bedeutung zugemessen. Männer haben in Untersuchungen in der Regel bei allen Merkmalen der Dunklen Triade signifikant höhere Werte als weibliche.

    Jones & Paulhus (2014) haben die Dunkle Triade (SD3) in vier Studien strukturell untersucht und fanden Zuverlässigkeit und Validität der Subskalen sowohl in Gemeinschafts- als auch in Studentenstichproben. In den Studien 1 und 2 ergaben die Strukturanalysen drei Faktoren, wobei die endgültigen 27 Items in angemessener Weise auf die jeweiligen Faktoren geladen wurden. Studie 3 bestätigte, dass die resultierenden SD3-Subskalen gut auf die längeren Standardmaße abgebildet werden können. In Studie 4 wurden die SD3-Teilskalen anhand von Informantenbewertungen validiert. Zusammengenommen zeigen diese Studien, dass die SD3 effiziente, zuverlässige und gültige Messungen der Dunklen Triade der Persönlichkeiten liefert.

    Dieser Test ist hier https://openpsychometrics.org/tests/SD3/ frei zugänglich (in englischer Sprache)!

    Reine Machiavellisten zeichnen sich z.B. durch Geduld und ein langfristiges Kalkül aus, während echte Psychopathen sehr spontan und weniger taktisch vorgehen. Je psychopathischer ein Mensch ist, desto bedenkenloser geht er in hochriskante Situationen und besitzt daher auch eine hohe Stresstoleranz. Obwohl Psychopathie und Narzissmus stärker miteinander zusammenhängen als die anderen beiden Kombinationen, kann ein Narzisst unter enormem Stress leiden, wenn er befürchten muss, dass sein grandioses Selbstbild angegriffen wird. Seine Eitelkeit gibt bei der Bewertung von Situationen daher häufig den Ausschlag. Der Nutzen, nach dem ein Narzisst eine Situation bewertet, hängt somit noch stärker davon ab, ob diese den eigenen Selbstwert stärkt, als bei Psychopathen oder Machiavellisten. Der Machiavellist hingegen bewertet die Umstände und äußeren Entwicklungen eher nach ihrer Nützlichkeit für seine ganz persönlichen Machtziele, wobei er hier dem Psychopathen ähnelt, allerdings denkt er im Gegensatz zu diesem auch langfristig. Der Machiavellist geht daher auch einmal einen Schritt zurück, wenn er die Aussicht hat, dafür später zwei voranzukommen. Sein ausgeprägtes strategisches Denken erschwert es, ihn als Dunkle Persönlichkeit zu erkennen. Die anderen Typen machen es der Umgebung leichter, denn einem Psychopathen würde es nie einfallen zurückzustecken, und dem Narzissten wird es zumindest schwerfallen, nur aus strategischen Erwägungen heraus nachzugeben.

    Das Konzept wurde übigens von Paulhus & Williams (2002) erstmals beschrieben. Siehe auch dunkler Faktor.


    Anmerkung zu diesem Begriff: Im Internet findet man häufig Expertinnen und Experten, die Depressionen, Narzissmus oder Ängste diagnostizieren. Diese Diagnosen scheinen auf den ersten Blick leicht zu erkennen zu sein und viele Menschen glauben, sich mit diesen psychischen Erkrankungen auszukennen. Viele holen sich die Informationen aus den sozialen Medien und versuchen dann, sie auf ihr eigenes Empfinden anzuwenden, aber Selbstdiagnosen sind zweifelhaft bis gefährlich und oft unangemessen. Wie in anderen medizinischen Fragen auch, erfordert die Diagnose einer psychischen Erkrankung viel Wissen und Handwerkszeug und es gibt auch keine Patentrezepte, da gerade psychische Erkrankungen in der Regel sehr individuell verlaufen können, d.h. viele Ratgeber werden der Komplexität eines Krankheitsbildes nicht gerecht. Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen rät daher, die Profile von Ratgebern im Internet genau zu prüfen, d.h. wer die Informationen herausgibt, welche Interessen damit verbunden sein könnten, wie seriös und vertraulich die Quelle ist und wie vollständig die Informationen sind. Zudem sehen Menschen in Krisen kaum ihre eigenen Stärken, Ressourcen und Chancen, da der Fokus auf Belastungen, Problemen und Defiziten liegt, was Menschen für Selbstdiagnosen empfänglich macht.


    Literatur

    Jones, Daniel N. & Paulhus, Delroy L. (2014). Introducing the Short Dark Triad (SD3): A Brief Measure of Dark Personality Traits. Assessment, 21, 28-41.
    Paulhus, D. L. & Williams, K. M. (2002). The Dark Triad of Personality. Journal of Research in Personality, 36, 556–563.
    https://www.projektmagazin.de/artikel/dunkle-triade-projektmanagement (21-07-29)


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