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observation-execution matching


Observation-execution matching beschreibt das psychische Phänomen, dass beim Menschen motorische Gehirnbereiche auch dann aktiv sind, wenn Menschen die Bewegungen anderer beobachten, sich selbst jedoch nicht bewegen. Das bedeutet, dass die visuelle Wahrnehmung einer Handlung beim Betrachter entsprechende motorische Programme im Gehirn aktiviert. Aus funktionaler Sicht wurde die motorische Aktivierung durch Aktionsbeobachtung kürzlich der mentalen Simulation der Handlungen der Artgenossen zugeschrieben, wobei ein möglicher Zweck eines solchen Simulationsprozesses die Vorhersage der nächsten Handlungsschritte einer anderen Person zu sein scheint (Graf, Reitzner, Corves, Casile, Giese, & Prinz, 2007), die es wiederum ermöglicht, eigene Handlungen an eine sich ständig verändernde Umgebung anzupassen. Unklar ist allerdings noch, ob dieselben Hirnregionen auch die Bedeutung von Handlungen erkennen bzw. welcher Mechanismus einem verbesserten Verstehen durch sensomotorische Aktivierung zu Grunde liegt.

Eine aktuelle und leicht überstrapazierte Theorie ist die Annahme von Spiegelneuronen, durch die die Fähigkeit, Bedeutungen von Gestik und Sprache zu verstehen, durch die Aktivierung einzelner Zellen in bestimmten Hirnregionen erklärt werden kann. Man fand im unteren prämotorischen Cortex von Primaten Neuronen, die einerseits feuerten, wenn die Tiere bestimmte zielgerichtete Bewegungen machten, etwa beim Greifen, andererseits aber auch, wenn die Tiere passiv den Versuchsleiter beobachteten, der ähnliche Bewegungen vollführte. Einerseits vermitteln Spiegelneurone Informationen über Handlungen anderer, was es den Tieren erlaubte, sich für geeignete motorische Reaktionen zu entscheiden also etwa die gleiche Bewegung auszuführen, oder Spiegelneurone könnten auch die Basis für echtes Handlungsverständnis sein, also die Fähigkeit, die Bedeutung in den Bewegungen anderer zu erkennen. In diesem Fall würden die Neuronen den Beobachtern erlauben, ihre eigenen Handlungen mit vergleichsweise geringem mentalen Aufwand an das anzupassen, was er gerade beobachtet. Diese Interpretation könnte auch erklären, wie man die Bedeutung der Bewegungen anderer intuitiv erfassen kann. Das führte schließlich dazu, Spiegelneuronen heute als Ursache für Phänomenen wie Empathie, Imitation, Altruismus, Gestik und Sprache vermutet werden.

Literatur

Graf, M., Reitzner, B., Corves, C., Casile, A., Giese, M. & Prinz,W. (2007). Predicting point-light actions in real-time. Neuroimage, 36, 22-32.
Lepage, J. & Théoret, H. (2006). EEG evidence for the presence of an action observation–execution matching system in children. European Journal of Neuroscience, 23,  doi:10.1111/j.1460-9568.2006.04769.x.
Murakami, T., Restle, J. & Ziemann, U. (2011). Observation-execution matching and action inhibition in human primary motor cortex during viewing of speech-related lip movements or listening to speech. Neuropsychologia, 49, 2045-54.


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