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Bulimie-Lernen


Bulimielernen, Bulimie-Lernen, Bulimie-Learning ist ein Ausdruck auf der Szenesprache in Schule und Universität und bezeichnet das Lernen einer großen Stoffmenge am letzten Tag oder allgmeiner betrachtet in der knappen Zeit vor einer Prüfung, so dass man diese Lerninhalte höchstens in der Klausur noch weiß und danach bald wieder vergisst. Oder treffend formuliert: reinfuttern, ausspucken, vergessen.

Der Neologismus Bulimie-Learning wurde für eine Form des Lernen kreiert, bei dem eine libidinöse Besetzung des Studieninhalts durch Studierende durch die an der Wirtschaft orientierten und an Effizienz für das System orientierten Strukturen der Universitäten erstickt wird, da es immer nur darum geht, die nächsten vorgeschriebenen Module abzuhaken, das Studium hinter sich zu bringen. Die in den letzten Jahren Platz greifende Hierarchisierung und Bürokratisierung der Universitäten führt zu einer Ersetzung der intrinsischen durch die extrinsische Motivation, was genau dem umgekehrten Verlauf des bislang als wünschenswert Erachteten entspricht. Diese Außensteuerung in Gestalt von kontinuierlichen Prüfungsforderungen und Kontrollen pervertiert und korrumpiert die Wissbegierde der StudentInnen in perfider Weise und führt jede Berufung auf Qualitätsstandards in Lehre und Ausbildung ad absurdum. Statt nämlich die Lust an der Erschließung neuer Denkwelten, an der Entwicklung neuer Fragen und dem Durcharbeiten von komplexen Zusammenhängen zu fördern, und auf diese Weise ein selbstbewusstes, eigenständiges Denken zu verstärken, wird durch diese an der Wirtschaft orientierten Strukturen der Universitäten dieser Art die Abhängigkeit von Gewissheiten und der sie legitimierenden Autoritäten etabliert.

Literatur

Gast, Lilli (2009/2010). ›Kein Ort. Nirgends?‹ Das Subjekt der Erkenntnis und die Idee der Universität. Einige Gedanken aus psychoanalytischer Perspektive. Psychologie & Gesellschaftskritik, 132-133.


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