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Gewaltfreie Erziehung

    Gewaltfreie Erziehung bedeutet, auf körperliche Strafen zu verzichten, d. h., ein kleiner Klaps, keine Ohrfeige, keine Tracht Prügel, denn Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Neben körperlichen Bestrafungen sind auch seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen unzuässig. Gewaltfreie Erziehung bedeutet nämlich auch den Verzicht auf verbale Gewalt, auf Anschreien und Beleidigen, und Verzicht auf Strafen generell bzw. Liebesentzug und emotionale Erpressung. Eltern sollten dem Kind keine Angst machen, es nicht anlügen, aber auch nicht überbehüten und dadurch unselbständig machen. Durch Betonung seiner Stärken und Fähigkeiten dem Kind ausreichend Zeit und Aufmerksamkeit widmen und sich ihm bewusst zuwenden. Auch die Privatsphäre des Kindes muss dabei beachtet werden. Keinesfalls sollte man ein Kind als kleinen Erwachsenen behandeln und dadurch mit Anforderungen unter Druck setzen. Neben der Förderung, die ein Kind für seine Entwicklung braucht, sollte man ihm auch Grenzen setzen, auch durch gewaltfreie Strafen, die erklärt werden und für das Kind nachvollziehbar sind. Gewaltfreie Erziehung bedeutet letztlich auch, das Kind spüren zu lassen, dass es als eigenständige Persönlichkeit mit seinen Wünschen und Bedürfnissen, Begabungen und Interessen, Aussehen und Herkunft willkommen ist und geliebt wird. Darüber hinaus sollte dem Kind Kontakt zu anderen Menschen, insbesondere zu gleichaltrigen Kindern ermöglicht werden.

    <p style=“float: left; width: 140px;“><iframe style=“width: 120px; height: 240px;“ src=“//ws-eu.amazon-adsystem.com/widgets/q?ServiceVersion=20070822&amp;OneJS=1&amp;Operation=GetAdHtml&amp;MarketPlace=DE&amp;source=ss&amp;ref=as_ss_li_til&amp;ad_type=product_link&amp;tracking_id=psychoblogger-21&amp;language=de_DE&amp;marketplace=amazon&amp;region=DE&amp;placement=B09KPTJC6D&amp;asins=B09KPTJC6D&amp;linkId=0ff0154289b497c26bb92f97fb18ce9b&amp;show_border=true&amp;link_opens_in_new_window=true“ frameborder=“0″ marginwidth=“0″ marginheight=“0″ scrolling=“no“ sandbox=“allow-popups allow-scripts allow-modals allow-forms allow-same-origin“></iframe></p>Gewaltfreie Erziehung bedeutet aber nicht nur, dass Kinder ohne Schläge aufwachsen, sondern auch Gewalt, die sie nicht direkt betrifft, etwa zwischen ihren Eltern, kann Kinder massiv belasten, sodass es zu Rückschritten in der Entwicklung kommt. Die körperliche und psychische Gewalt zwischen Eltern geht an Kindern nicht spurlos vorüber, wobei vor allem die erlebte psychische Gewalt wesentlich stärkere Auswirkungen auf Kinder hat als man früher glaubte. Kinder werden Zeugen und dadurch zu Mitbetroffenen, sodass kindliche Grundbedürfnisse nach Liebe, Geborgenheit und Schutz in solchen Fällen unerfüllt bleiben. Psychische Gewalt äußert sich etwa mit systematischen Herabwürdigungen, Schuldzuweisungen oder Unterstellungen und werde oft spät oder gar nicht erkannt. Dabei ist es bei Kindern sehr individuell, was als Gewalt erlebt wird. Zu den Folgen psychischer Gewalt bei Kindern zählen neben Rückschritten in der Entwicklung auch Einnässen, Aggression, Schlafstörungen, Rückzug oder Loyalitätskonflikte.

    Man untersuchte in einer Studie junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren und erhob mittels Befragung, wer von ihnen in der Kindheit körperliche oder psychische Gewalt erlebt hatte. Es zeigte sich, dass bei Menschen, die als Kinder psychische Gewalt erlebt hatten, der Hippocampus kleiner war als bei Menschen, die keine Gewalterfahrung gemacht hatten. Die Ursache für den kleineren Hippocampus liegt vermutlich in der hormonellen Stressverarbeitung, die vor allem bei Kindern unter fünf Jahren störungsanfällig ist. Offenbar wird Gewalt durch Sprache genauso bedrohlich erlebt wie körperliche Attacken, d. h., wer ein Kind anschreit, erpresst, oder beschämt, kann damit schwerwiegende Folgen für die Gehirnentwicklung auslösen (Teicher et al., 2003).

    Nach einer Studie von Suffren et al. (2021) führen schon wiederholte Schläge, Wutausbrüche  oder ständiges Anschreien durch die Eltern dazu, dass bestimmte Gehirnregionen nachweislich kleiner werden, wobei davon besonders Bereiche betroffen sind, die mit der Verarbeitung von Gefühlen zu tun haben. Ausgangspunkt der Untersuchung war die Entwicklung von Kindern von ihrer Geburt bis ins Teenageralter, wobei bei diesen, als sie zwischen zwei und neun Jahren alt waren, mit einem Fragebogen zum einen der Erziehungsstil der Eltern eingeschätzt und zum anderen die Gefühls- bzw. Angstzustände der Kinder erhoben worden waren. Im Alter zwischen zwölf und sechzehn Jahren untersuchte man dann die Gehirne dann mittels Voxel-basierter Morphometrie, wobei kleinere Volumina der grauen Substanz in den präfrontalen Cortexregionen und in der Amygdala bei Jugendlichen mit hohem Grad an strenger Erziehung im Zeitverlauf beobachtet werden konnten. Darüber hinaus fand man signifikante Interaktionseffekte zwischen Erziehungspraktiken und Angstsymptomen, was physiologisch bedeutete, dass streng erzogenen Kinder einen kleineren präfrontalen Cortex und eine kleinere Amygdala aufweisen als Gleichaltrige, also genau in den Gehirnregionen, die eine wichtige Rolle bei der Regulierung von Gefühlen sowie beim Auftreten von Angst und Depression spielen.

    In einer Übersichtsarbeit von Teicher et al. (2016) werden dazu Berichte über eine verstärkte Reaktion der Amygdala auf bedrohliche Reize, eine verringerte ventrale striatale Reaktion auf die Erwartung oder den Erhalt von Belohnungen, eine verringerte Konnektivität zwischen präfrontalen Regionen und der Amygdala sowie ein erhöhtes Volumen und eine erhöhte Netzwerkzentralität des Präkuneus bei misshandelten Menschen zusammengefasst. Misshandelte und nicht misshandelte Menschen mit denselben psychiatrischen Primärdiagnosen unterscheiden sich klinisch, neurobiologisch und genetisch, so dass misshandelte Menschen offenbar verschiedene Gruppen etablierter psychiatrischer Störungen darstellen. Misshandlung kann demnach ein unerkannter Störfaktor in psychiatrischen Neuroimaging-Studien sein. Diese Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Misshandlung die Entwicklung des Gehirns verändert und sich auf die sensorischen Systeme, die Netzwerkarchitektur und die Schaltkreise auswirkt, die an der Erkennung von Bedrohungen, der Emotionsregulation und der Erwartung von Belohnungen beteiligt sind. Misshandlung verringert etwa das Volumen des Hippocampus sowie das Volumen des anterioren cingulären und des ventromedialen und dorsomedialen Cortices, d. h., sie beeinträchtigt die Entwicklung wichtiger Faserbahnen einschließlich des Corpus callosum, des Fasciculus longitudinal superior, des Fasciculus uncinatus und des Cingulum-Bündels, und scheint die Entwicklung von sensorischen Systemen zu verändern, die Stresserfahrungen verarbeiten und vermitteln. Misshandlungsassoziierte Hirnveränderungen werden häufig aber auch bei resilienten Menschen festgestellt, die keine früheren oder aktuellen psychopathologischen Symptome aufweisen. Vermutlich liegen dabei andere neurobiologische oder molekulare Veränderungen vor, die es diesen Menschen ermöglichen, stressbedingte neurobiologische Veränderungen wirksam zu kompensieren.

    Literatur

    Suffren, Sabrina, La Buissonnière-Ariza, Valérie, Tucholka, Alan, Nassim, Marouane, Séguin, Jean R., Boivin, Michel, Kaur Singh, Manpreet, Foland-Ross, Lara C., Lepore, Franco, Gotlib, Ian H., Tremblay, Richard E. & Maheu, Françoise S. (2021). Prefrontal cortex and amygdala anatomy in youth with persistent levels of harsh parenting practices and subclinical anxiety symptoms over time during childhood. Development and Psychopathology, doi:10.1017/S0954579420001716.
    Stangl, W. (2017, 7. Juli). Verbale Gewalt in der Kindheit kann Gehirnveränderungen hervorrufen. Pädagogik-News.
    https:// paedagogik-news.stangl.eu/verbale-gewalt-in-der-kindheit-kann-gehirnveraenderungen-hervorrufen.
    Teicher, Martin H., Andersen, Susan L., Polcari, Ann, Anderson, Carl M., Navalta, Carryl P. & Kim, Dennis M. (2003). The neurobiological consequences of early stress and childhood maltreatment. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 27, 33-44.
    Teicher, Martin H., Samson, Jacqueline A., Anderson, Carl M. & Ohashi, Kyoko (2016). The effects of childhood maltreatment on brain structure, function and connectivity. Nature Reviews Neuroscience, 17, 652-666.


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