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Potentialentfaltung


Potentialentfaltung ist ein Modebegriff und kein wissenschaftlicher Begriff, der aber im Zusammenhang mit Psychologie und ihren Randbereichen immer wieder auftaucht. So etwa im Zusammenhang mit Erziehung oder Lernkultur: “Unter einer Lernkultur der Potenzialentfaltung verstehen wir eine Lernkultur, die Vielfalt zulässt und die eine Entfaltung der individuellen Potenziale und Kompetenzen ermöglicht – eine Lernkultur, in der jedes einzelne Kind erlebt, dass es in seiner Einzigartigkeit genau richtig ist und gebraucht wird. Kinder bringen von sich aus alles mit, was es dafür braucht! Eine Lernkultur der Potenzialentfaltung schafft daher vor allem die Bedingungen dafür, dass Lernen als ein Freude machender, kreativer und inspirierender Prozess erlebt werden kann. Dazu gehört vor allem, dass sich Lernende wertgeschätzt und als Teil einer Gemeinschaft erfahren können. Dazu gehört auch, dass sie Raum dafür haben, eigenständig, experimentierend und erfahrungsgebunden zu lernen. Eine neue Lernkultur bedeutet, reale Herausforderungen zu meistern, Verantwortung übernehmen zu dürfen, mit Risiko und Scheitern umgehen zu lernen – eine Lernkultur, die vermittelt, was es heißt, aktiv und gestaltend in der Welt zu sein und gemeinsam mit anderen etwas Bedeutsames zu bewirken. Eine Schule der Potenzialentfaltung ist dann ein Ort, an dem Kinder ihr Verständnis von dem, wer sie sind vertiefen können. Ein Ort, an dem sie Fähigkeiten erwerben können, um ein sinnerfülltes und glückliches Leben zu führen. Nicht das Wissen aus dem Lehrbuch steht hier im Vordergrund, sondern der Mensch und seine individuellen Potenziale und Gestaltungsmöglichkeiten.” Oder euphorischer formuliert: “Potentiale zu entfalten heißt nichts weniger, als gemeinsam über sich hinauszuwachsen. Das heißt, wir sind nur innerhalb einer Gemeinschaft in der Lage, die in uns angelegten Potentiale zu entfalten. In einer Gemeinschaft, der wir uns zugehörig, geborgen und sicher fühlen.”

Die Potenzialentfaltung von Kindern und Jugendlichen ist nach Anne Sliwka, Professorin für Erziehungswissenschaften an der Universität Heidelberg, ein Problem für die Chancengerechtigkeit. “Weil einfach durch diese enorme Bereitschaft zu investieren in die Bildung und Entwicklung von Kindern in einer bestimmten sozialen Schicht, mit der andere nicht mithalten können, das schafft natürlich eine soziale Schere, die man in irgendeiner Weise kompensieren müsste, wenn man Chancengerechtigkeit möchte.“ Wer also Eltern hat, die sich früh für die Potenzialentfaltung des Nachwuchses einsetzen, dem wird gegeben, und den anderen wird alles genommen (Matthäus-Prinzip). Diese Anhänger der Concerted Cultivation gehören zu den Bildungsgewinnern, betreiben von Geburt an einen hohen Aufwand, damit ihre Kinder sich optimal entfalten können.

Die Autorin Maria Sanchez plädiert in ihrem Buch „Die revolutionäre Kraft des Fühlens“ allerdings dafür, kritischer die in der Psychologie oft propagierten Methoden der Selbstoptimierung und Potenzialentfaltung zu prüfen, denn ihrer Meinung nach sind diese als langfristig unwirksam und oft sogar schädlich. Durch diese Art des Umgangs mit sich selbst befeuert man oft unabsichtlich die Ursachen für zahlreiche psychische Probleme, denn alles, was Menschen tun, um innerlich anders oder besser zu werden, bekräftigt unbewusst, dass man eigentlich nicht in Ordnung ist. Durch diese innere Haltung bleibt man jedoch im Kampf mit sich selbst verhaftet und der Leidenskreislauf kann auf diese Weise nicht beendet werden. Zwar kann sich kurzfristig und oberflächlich manches ändern, aber im Grunde bewegt man sich nicht.

Literatur

https://www.schule-im-aufbruch.de/potenzialentfaltung/ (19-01-17)


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