In den Medien findet man immer wieder die populärwissenschaftliche Bezeichnung toxische Beziehung, wobei der Begriff toxisch in diesem Zusammenhang grundsätzlich irreführend ist, denn eine Beziehung kann im Grunde nicht giftig sein. Auch ist es nicht die Beziehung selbst, die toxisch oder vergiftet ist, sondern es sind immer die Verhaltensweisen des jeweiligen Partners, die vergiftend auf eine Beziehung wirken können. Dabei ist es äußerst individuell, was in einer Beziehung als vergiftend erlebt wird, wobei damit gemeint ist, wenn ein Part unter der Beziehung leidet, und zwar körperlich aber auch vor allem psychisch.

Der Begriff der toxischen Beziehung ist damit eine Definition für Partnerschaften, die mehr Kraft kosten als geben, wobei dieser irreführende Sprachgebrauch aber bei Psychotherapeuten, in Magazinen und Ratgebern immer häufiger zu finden ist.

Studien stellen sogar einen Zusammenhang zwischen Depressionen, Schlaflosigkeit, erhöhtem Stresssyndrom und einigen Krebsarten fest, sodass negative Beziehungen bei den Partnern sogar zu einer höheren Sterblichkeit führen können. Nach Psychology Today zeichnen sich toxische Beziehungen durch Unsicherheit, Kontrollsucht, Egoismus und den anderen herabwürdigenden Verhaltensweisen wie Kränkungen, Beleidigungen und Ignoranz aus. Ob ein Mann oder eine Frau in einer toxischen Beziehung steckt, erkennt er oder sie daran, dass es ihm oder ihr wegen des Partners die meiste Zeit schlecht geht, er oder sie aber trotzdem nicht von ihm oder ihr loskommt. Menschen, die in solchen toxischen Beziehungen stecken, verändern sich häufig, denn waren sie zu Beginn der Partnerschaft noch fröhliche, offene und ausgeglichene Personen, sind sie nach einiger Zeit eher traurig, in sich gekehrt und nervlich angegriffen. Das lässt sich oft aus Fotos aus der Zeit vor dem Partner und mit dem Partner erkennen.

Die Hauptmerkmale einer toxischen Beziehung sind Unsicherheit, Egozentrik, Angst, Macht und Sucht. Diese Mischung macht nicht nur eine harmonische Verbindung unmöglich, sondern sie schadet den Beteiligten enorm, denn oft verlieren sie neben ihrem Selbstwert auch die Kontrolle über das eigene Leben, d. h., der Beruf, Freundschaften, Hobbys, alles kann darunter leiden, denn toxische Beziehungen vereinnahmen die Beteiligten oft gänzlich. Hinzukommt, dass sich beide Partner stets als Opfer sehen und ihr Gegenüber als Täter. Eine solche Beziehung beruht auf einem unbewussten Tauschgeschäft, denn es gibt eine magnetische Anziehung, weil beide Partner das gleiche Thema haben und die intensive Anziehung für echte Liebe gehalten wird, während der Schmerz unter Leidenschaft verbucht wird. In der Regel geht es aber nicht um den anderen, sondern um den verzweifelten Versuch, alte Traumata und Schmerzen zu heilen, sodass das Chaos in der Beziehung das eigene innere Unglück widerspiegelt. Indizien für eine toxische Beziehung sind, dass es ständig wehtut und dass man Tag und Nacht über dieses Thema nachdenkt, vor allem auch die extreme Wut, die entsteht, wenn ein Partner seinen Teil des Vertrages nicht erfüllt. Zwar gibt es eine innere Stimme, die die Betroffenen unaufhörlich warnt, was auch daran liegt, dass man eine solche Verbindung meist aus der Kindheit in ähnlicher Form kennt und sich trotz der Schmerzen und Verzweiflung auf absurde Weise wohlfühlt, eben weil man es kennt. Meist gibt es einen Partner, der kontrolliert, und einen, der kontrolliert wird, wobei der Kontrollierende den anderen dabei in einer bestimmten (entfernten) Position hält und ihn zeitgleich für die Zwecke seines Egos ausnutzt. Das sind meist Narzissten oder Bindungsängstliche, die einerseits nicht allein sein möchten und das verzweifelte Hinterherlaufen des anderen meist aus Verlustangst genießen, gleichzeitig aber auch dafür sorgen, dass bloß nicht zu viel Nähe entsteht. Eine toxische Beziehung hat also nichts mit Liebe, dafür umso mehr mit verdeckten Traumata zu tun.

Nach Ansicht des Paartherapeuten Christian Hemschemeier hängen Menschen in einer toxischen Beziehung oft wie Liebessüchtige an der Nadel, können nicht mehr richtig essen und nicht mehr schlafen und ihre Gedanken kreisen nur noch um die Beziehung. Er würde PartnerInnen aus toxischen Beziehungen nur einzeln beraten bzw. wenn sich erst im Gespräch herausstellt, dass es eine toxische Beziehung ist, die Sitzung beenden bzw. davon abraten diese fortzuführen, denn toxische Beziehungen sind nicht zu retten und deshalb falsch in einer Paartherapie. Selbst eine moderierte Trennung, die in der klassischen Paartherapie ein wichtiges und sinnvolles Anliegen sein kann, hat bei toxischen Beziehungen oft wenig Sinn, denn Paartherapie kann in solchen Konstellationen völlig nach hinten losgehen. Unter Umständen werden Dealbreaker nicht als solche erkannt oder es herrscht die Überzeugung, dass man durch gute Kommunikation und viel Verständnis für den Partner bzw. die Partnerin die Beziehung verbessern und retten kann. Dabei bleibt vor allem jener Partner bzw. jene Partnerin auf der Strecke, von dem oder der kein toxisches Verhalten ausgeht, denn diese fühlen sich dann womöglich auch noch schuldig oder sogar für bestimmte Konflikte in der Beziehung verantwortlich. Paartherapie hat das Ziel, das Wir in den Fokus zu stellen, um die Paarebene hervorzuheben und zu stärken, doch wenn man als „Pluspol“ oder eher „Co-Abhängiger“ in einer toxischen Beziehung steckt, fühlt man sich aber sowieso schon viel zu stark für den anderen und für das Gelingen der Beziehung verantwortlich. Paartherapie kann dem Partner bzw. der Partnerin mit toxischen Verhaltensweisen sogar noch zusätzliche Nahrung geben und das Verhalten verstärken.

Literatur

Hemschemeier, Christian (2021). Vom Opfer zum Gestalter: Raus aus toxischen Beziehungen – rein ins Leben.
Luther-Verlag.
https://www.abendblatt.de/ratgeber/gesundheit/article216195495/So-gefaehrlich-sind-schlechte-Beziehungen-fuer-die-Gesundheit.html (19-01-14)
https://www.rnd.de/liebe-und-partnerschaft/warum-toxische-beziehungen-meist-unbewusst-eingegangen-werden-345T4LXGBBBTZBAWQOEZ7SMU7M.html (21-10-23)


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Ein Gedanke zu „toxische Beziehung“

  1. Typen von Menschen, die man nicht in seinem Leben braucht

    Der Nörgler: Haben Sie es mit einer Person zu tun, die rund um die Uhr nur am Nörgeln ist und der Sie (oder die Umwelt) es einfach nicht recht machen können, kann das ganz schön an der Beziehung nagen. Vor allem dann, wenn man schon verzweifelt versucht, der Person die positiven Aspekte näherzubringen. Dieser Typ Mensch zieht Sie mit seinem negativen Gedankengut nur unnötig runter. Und davon mal abgesehen ist es ganz sicher nicht Ihre Aufgabe, diese Stimmungen rund um die Uhr auszuhalten.
    Das Opfer: Fehler, die dieser Mensch begeht oder hat, sieht er gar nicht ein. Er macht es sich lieber in der Opferrolle bequem. Und von dort aus schafft es dieser Typ Mensch, dass es uns so richtig schlecht geht. Denn er gibt uns wirklich ständig das Gefühl, an allem schuld zu sein. Lassen Sie sich auf diese Spielchen gar nicht erst ein, denn Sie werden immer den Kürzeren ziehen.
    Der Kritiker: Bis zu einem gewissen Grad ist Kritik sogar ziemlich hilfreich. Lässt die Person jedoch (unberechtigt) meist kein gutes Haar an Ihnen, ist die Sache faul. Vielleicht ist die Person ein wenig neidisch? Z.B. auf den neuen Job, den Mann an Ihrer Seite oder den Haarschnitt, den Sie schon so lange wollten? Andere Menschen aus ihrem Umfeld sehen das komischerweise genau anders? Sprechen Sie mit der Person darüber oder gehen Sie auf Abstand.
    Quelle: FürSie.de (21-11-06)

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