Defensiver Pessimismus

Ein Pessimist zu sein hat den Vorteil, dass man entweder ständig recht behält oder angenehme Überraschungen erlebt.
George Will

Pessimisten sind Leute, die mit der Sonnenbrille in die Zukunft schauen.
Heinz Erhardt

Defensiver Pessimismus ist ein psychologisches Konstrukt aus der differenziellen Persönlichkeitspsychologie, das von Norem & Cantor (1986) postuliert wurde. Sie stellen dabei einem aus der positiven Psychologie kommenden strategischen Optimismus einen defensiven Pessimismus gegenüber. Dabei handelt es sich um eine Strategie zur Angstreduktion im Vorfeld von Leistungssituationen, etwa durch die Herabsetzung eigener Erwartungen und das intensive Nachdenken über die anstehende Aufgabe und damit verbundenen potentiellen Schwierigkeiten. Die gedankliche Auseinandersetzung mit möglichen Schwierigkeiten und Hindernissen bis hin zu einem Worst-Case-Szenario und die der Vorstellung negativer Ergebnisse und Ausgänge eines Ereignisses ermöglicht ein effektives Angstmanagement, da dadurch die Interferenz von Angst mit Leistung verringert wird. Diesee Strategie zur Angstreduktion im Vorfeld von Leistungssituationen führt zu einer subjektiven Herabsetzung eigener Erwartungen. Defensiver Pessimismus ist meist verbungen mit einem intensiven Nachdenken über die anstehende Aufgabe und damit verbundenen potentiellen Schwierigkeiten. Diese Perspektive wird auch dann eingenommen, wenn ähnliche Situationen in der Vergangenheit bereits erfolgreich bewältigt werden konnten.

Dies geschieht weitgehend unabhängig davon, ob ähnliche Situationen in der Vergangenheit schon erfolgreich bewältigt werden konnten. Dadurch ergibt sich für defensive Pessimisten ein höheres Leistungspotential, da durch diese Strategie Menschen ihre Ängste durch den Blick auf vergangene, positive Ereignisse überwinden können. Menschen, die diesen defensiven Pessimismus nutzen, zeigen bei objektiven Leistungsindikatoren keine wesentlichen Leistungseinbußen. Defensive pessimistischen Menschen wird bei der Analyse einer Situation klar, dass es einerseits gute Gründe gibt, ängstlich zu sein, gleichzeitig aber auch, dass es sich oft lohnt, die Dinge in die Hand zu nehmen, um diese kontrollieren zu können. Menschen, die vorher auch an den schlimmsten aller Fälle gedacht haben, nehmen geringere Probleme als erwartet mit einer gewissen Erleichterung auf. Letztlich kommt es sowohl auf die psychische Disposition des Menschen als auch auf die jeweilige Situation an, ob Optimismus oder Pessimismus günstiger sind.

Diese Form des Pessimismus muss man vom katastrophisierenden Pessimismus unterscheiden, der generell vom schlimmsten amzunehmenden Ausgang einer Aufgabe ausgeht. Durch einen defensiven Pessimismus können Menschen durch die geringeren Erwartungen und geringerem Druck ruhiger arbeiten und damit auch bessere Ergebnisse erreichen. Zahlreiche Studien belegen, dass diese Einstellung etwa auch bei Prüfungen und  bei Beziehungen hilfreich hilfreich sein kann.

Literatur

Norem, J. K. (2002). Die positive Kraft negativen Denkens. Bern: Scherz.
Norem, J. K., & Cantor, N. (1986). Defensive pessimism: Harnessing anxiety as motivation. Journal of Personality and Social Psychology, 51(6), 1208-1217.
Neff, L. A., & Geers, A. L. (2013). Optimistic expectations in early marriage: A resource or vulnerability for adaptive relationship functioning? Journal of Personality and Social Psychology, 105(1), 38-60.
Sweeny, K., & Shepperd, J. A. (2010). The costs of optimism and the benefits of pessimism. Emotion, 10(5), 750-753.
https://de.wikipedia.org/wiki/Defensiver_Pessimismus (17-09-19)

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