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Kontrolle zu haben, bedeutet für Menschen, dass es einen erkenn- und vorhersagbaren Zusammenhang zwischen eigenem Handeln und den darauf folgenden Ereignissen und Konsequenzen dieses Handelns gibt.
Je mehr Kontrolle ein Mensch besitzt, desto zufriedener, gesünder und stressfreier ist er, wenig Kontrolle hingegen kann zur gelernten Hilflosigkeit führen.
Es ergeben sich daraus einige Konsequenzen:
Kognitive Konsequenzen bestehen in einer möglichen falschen Meinung, dass man bestimmte Kontrolle nicht habe oder nicht erwerben könnte.
Motivationale Konsequenzen unterminieren langsam, unmerklich und heimlich Handlungsinitiative und Durchhaltewillen. Fühlt man einen Misserfolg als kurz andauernd, wird man sich schnell wieder erholen, wobei es wichtig ist, wie man die Handlungsergebnisse interpretiert. Misserfolge stellen auch häufig Herausforderungen dar und machen neue Motivation frei.
Emotionale Konsequenzen wie Ärger, Trauer, depressionsähnliche Zustände können daraus folgen, wobei es u. a. zu einer Beeinträchtigung des Selbstwerts kommen kann.

Das Bedürfnis nach Kontrolle ist ein ureigenes Bedürfnis, das bei jedem Menschen vorhanden ist, und das man schon bei kleinen Kindern beobachten kann, die lernen, sich immer zielgerichteter zu bewegen, zu handeln und sich damit zu emanzipieren. Studien belegen auch, dass Menschen, die das Gefühl haben, eine hohe Kontrolle über ihr Leben zu haben, eine höhere Zufriedenheit im Leben aufweisen, gesünder sind und beruflich erfolgreicher. Dieses Gefühl steigt im Durchschnitt bis ins junge Erwachsenenalter an und bleibt selbst im Alter auf einem hohen Niveau, auch wenn man aufgrund der Begrenzungen des Älterwerdens anderes vermuten könnte. Allerdings leiden Menschen im Alter, wenn sie in schwierige Situationen geraten, die nicht mehr kontrollierbar sind, deutlich mehr als Menschen, die eher das Gefühl haben, dass andere über ihr Leben bestimmen. Sie konfrontieren sich dann mit der Frage, ob sie nicht noch mehr hätten tun können, um diese Situation abzuwehren oder sie beginnen, das eigene Wert- und Weltsystem grundsätzlich zu hinterfragen. Letztlich können Menschen, die weniger das Gefühl haben, Regie in ihrem Leben zu führen, es zu kontrollieren, mit Schicksalsschlägen in gewisser Weise besser umgehen, da sie ja anderen die Schuls an ihrem Zustand zuweisen können.


In einer Zeitschrift haben wir einige Hinweise darauf gefunden, wie es sich äußert, wenn Menschen süchtig nach Kontrolle sind:

  • Sie sind extrem ungeduldig: Der Zug will einfach nicht kommen, Kollege X meldet sich wegen des kurzfristigen Projekts einfach nicht oder die beste Freundin sollte schon vor Tagen die Kinokarten besorgen, hat es aber immer noch nicht getan? Für Kontrollfreaks sind solche Momente eine echte Geduldsprobe. Denn dann ist man plötzlich gezwungen, für einen kurzen Moment die Kontrolle abzugeben.
  • Sie mischen sich überall ein: Kontrollsüchtige Menschen machen die Dinge meist auch lieber selbst. Sie wissen schließlich, was auf sie zukommt. Sich auf seine Mitmenschen einlassen? Lieber nicht! Und genau das kann Arbeitskollegen, die eigenen Kinder, Freunde und den Partner ganz schön verärgern. Denn wenn man seinen Mitmenschen nicht vertraut, darf man sich nicht wundern, wenn sie sich früher oder später von einem abwenden.
  • Sie können sich nur schwer entspannen: Sich einfach auf die Couch setzen und die Füße hochlegen? Undenkbar für kontrollsüchtige Menschen! Während sie faulenzen und nicht mehr wirklich die Fäden in der Hand halten, könnte etwas passieren. Ständig etwas von der To-Do-Liste abarbeiten zu müssen oder sich nützlich zu fühlen. Das ist anstrengend! Nicht nur für Sie, sondern auch für die Menschen um Sie herum.
  • Abhängigkeit macht sie verrückt: So sehr wir auch versuchen, dafür zu sorgen, dass in unserem Leben alles richtig läuft: Auf bestimmte Dinge haben wir einfach keinen Einfluss. So bleibt uns nichts anderes übrig, als uns auf unsere Mitmenschen zu verlassen. Zum Beispiel, wenn wir uns um einen neuen Job bewerben. Für Menschen, die süchtig nach Kontrolle sind, ist das ein absoluter Albtraum. Aber woher wissen Sie, dass die Menschen um Sie herum immer die falsche Entscheidung treffen?

Literatur

Flammer, A. & Nakamura Y. (2002). An den Grenzen der Kontrolle. Zeitschrift für Pädagogik, 44, 83-107.
https://www.forschung-und-lehre.de/zeitfragen/der-mensch-als-regisseur-seines-lebens-771/ (18-06-30)
https://notiert.stangl-taller.at/zeitgeistig/kontrollsucht/ (22-01-04)



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